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TV-Kritik: Maybrit Illner : Wahnsinn mit Methode, aber nur von rechts

  • -Aktualisiert am

Maybrit Illner mit ihren Gästen im Studio Bild: ZDF

Bei Maybrit Illner ging es um den heftig kritisierten Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen. Damit nichts schief ging, hieß die Konstellation dieser Sendung: Fünf gegen Philipp Amthor. Er mühte sich redlich.

          In dieser Nacht kam die neueste Schreckensnachricht über den Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes ans Licht. Er soll in einem schon lange andauernden Rechtsstreit zur Herausgabe von Akten über den Nazi-Kriegsverbrecher Alois Brunner mit einer Änderung des Bundesarchivgesetzes gedroht haben. Das hat zwar nichts mit der aktuellen Debatte um Hans-Georg Maaßen zu tun. Er kann auch gar nicht dafür sorgen, dass dieses Gesetz geändert wird. Das ist Sache des Bundestages. So müsste die sozialdemokratische Bundestagsfraktion den Anweisungen von Maaßen folgen, damit diese Drohung Wirklichkeit wird. Aber das interessiert schon niemanden mehr: Es fügt sich nahtlos ein in die Nachrichtenflut unter dem hashtag #Maaßen. Diese Meldung des Redaktionsnetzwerkes Deutschland passt zu einer politischen und medialen Szene, die in Hysterie verfällt.

          Keine Talkshow ohne Grüne

          Längst haben die Protagonisten die Maßstäbe verloren. Sie skandalisieren heute, was gestern noch als normal galt. Etwa die Treffen des Präsidenten mit Bundestagsabgeordneten der AfD. Oder die Frage, ob in solchen Gesprächen bisher unveröffentlichte Zahlen zur politischen Kriminalität mitgeteilt wurden. Maaßen redet zwar mit Abgeordneten aller Fraktionen, und die Zahlen finden sich vor der offiziellen Vorstellung in allen Medien wieder. Am Ende könnte er wenigstens den geheimen Haushaltsentwurf seines Amtes verraten haben, so die wenig stille Hoffnung.

          Warum Maaßen das getan haben sollte, ist zwar ein Rätsel. Macht aber nichts, etwas wird schon hängen bleiben. Maaßen muss die ihm zugedachte Rolle als Verharmloser des Rechtsextremismus und Sympathisant der AfD spielen. Dafür braucht man keine überzeugenden Belege.

          Die Sendung von Maybrit lllner passte zu diesem Treiben. Sie stellte den CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor fünf Kritiker des Verfassungsschutzpräsidenten gegenüber. Die Grünen dürfen natürlich in keiner Talkshow fehlen. Die kleinste Oppositionspartei ist immer dabei, gleichgültig um welches Thema es geht. Mit Vertretern der AfD wird nicht mehr diskutiert, sondern nur noch über sie. Dabei machen der Journalist Olaf Sundermeyer und der ZDF-Chefredakteur Elmar Thevessen keineswegs den Eindruck, sie müssten vor der AfD bedingungslos kapitulieren. Es fehlten aber auch Innenpolitiker der Linken oder der FDP. Letztere hatten nach den Anhörungen Maaßens vor zwei Bundestagsausschüssen übrigens die gleiche Einschätzung wie Amthor. Das war aber für Frau Illner offenbar kein Grund, jemanden von der FDP einzuladen.

          Dafür kam die grüne Innenpolitikerin Irene Mihalic. Sie formulierte durchaus ein gutes Argument in der Debatte um die Äußerungen des Verfassungsschutzpräsidenten in der „Bild“-Zeitung. Dort hatte er mit Blick auf das Video aus Chemnitz gesagt, „gute Gründe“ sprächen dafür, „dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken." Aus der spezifischen Perspektive des Verfassungsschutzes hatte Maaßen offenbar nichts mitzuteilen. Keine Informationen über den ominösen Antifa-Account „Zeckenbiss.“ Genau so wenig über die rechte Internetseite, die diesen Videoschnipsel von der Spontandemo am Sonntag nach den Gewaltverbrechen in Chemnitz ursprünglich veröffentlicht hatte.

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