https://www.faz.net/-gqz-99sd9

TV-Kritik: „Maybrit Illner“ : Oberlehrerhaft ins Leere laufen lassen

  • -Aktualisiert am

Mehr deutsches Engagement

Katarina Barley zeigt sich dazu bereit, dass Deutschland sich finanziell stärker engagiert. Ihre Kinder haben europäische Großeltern aus vier Ländern. Markus Söder konstatiert etwas herablassend, dass Macron versäumte Reformen nachhole, aber keineswegs damit rechnen dürfe, dass Deutschland Geld in ein namenloses Eurobudget stecken werde. Die Eurorettung habe funktioniert, mehr sei nicht drin, basta. Thomas Fricke erinnert an Mario Draghis Garantie für den Euro, die wirksam Panikattacken an den Märkten beendet hat, wovon Deutschland erheblich profitiert hat.

Marie Rosenkranz engagiert sich beim European Democracy Lab für die Vision einer „Europäischen Republik“. Sie bedauert den Eindruck des Geschachers. Für Macrons Reformpläne bleibe Europa nur ein Jahr Zeit. Macron spreche aus, was die Jungen denken. Sie betrachtet Europa als kulturelles Projekt.

Lässt Merkel Macron ins Leere laufen?

Ein kulturelles Projekt wird aber nicht von Schlafwandlern auf den Weg gebracht. Die materiellen Vorschläge Macrons für einen gemeinsamen Haushalt der Eurozone, einen europäischen Finanzminister, einen Währungsfonds und eine europaweite Arbeitslosenversicherung stoßen in Deutschland nur auf ein verhaltenes Echo. Merkel konstatiert unterschiedliche Ausgangspunkte. Das klingt so, als ließe sie Macron ins Leere laufen.

Otto Fricke hält nichts von neuen Kassen, die keiner parlamentarischen Kontrolle unterliegen. Investitionen lohnten sich, wenn die Voraussetzungen stimmen (Söder: der Humus muss da sein). Das ist der deutsche Oberlehrerton, den keiner mehr hören will. Thomas Fricke erinnert daran, wie die krisengeschüttelten Länder in der Eurokrise sich gegenseitig schlecht geredet haben. Das sollte sich nicht wiederholen. Iren und Griechen haben Zumutungen politisch durchgesetzt, die weit über die Agenda 2010-Reformen in Deutschland hinausgingen.

Vage Differenzen

Frau Descôtes hat verstanden, dass Deutschland eine Transferunion als Schreckgespenst betrachtet. Frankreich sei auch Nettozahler (Barley hasst das Wort), natürlich seien Haftung und Verantwortung zusammen zu denken. Rhetorisch scheint die Einigung schon nahe, in der Sache bleiben die Differenzen vage. Markus Söder ist skeptisch gegenüber der finanzpolitischen Begehrlichkeit der Europäischen Kommission, setzt eher auf die unabhängige Expertise eines europäischen Währungsfonds. Das Dogma von der Neutralität unabhängiger Institutionen gilt in Deutschland nach wie vor als Glaubensbekenntnis, das erspart die Analyse, wie die unabhängigen Maßnahmen zustande kommen und wie sie tatsächlich wirken.

Einigkeit scheint zu bestehen, dass es in der Steuerpolitik um die Durchsetzung einer einheitlichen Besteuerung gehe, so dass amerikanische Digitalkonzerne ihre in Europa erzielten Gewinne angemessen versteuern. Söder muss noch einen Wahlkampfknüller loswerden. Er finde es nicht überzeugend, mehr zu zahlen und weniger rauszubekommen. Barley kritisiert das als antieuropäische Stimmungsmache und erntet im Studio heftigen Beifall.

FDP contra Italiens Banken

Otto Fricke bläst in das gleiche Horn wie Söder, was bei dem schlecht ankommt. Die FDP hat Jamaika scheitern lassen. Das hängt ihr wie ein Mühlstein um den bürgerlichen Hals. Prompt nutzt Fricke (Otto) die Gelegenheit, gegen einen Einlagensicherungsfonds zu wettern, in dem Otto Normalsparer für italienische Banken haftet. Die sollten erst ihre vergifteten Papier los werden und die Bilanzen aufräumen.

Vor der bayerischen Landtagswahl wird es über Macrons Pläne keine Entscheidungen geben. Die CSU möchte mit beiden Flügeln Stimmen gewinnen, gegen Europa und für Europa. Überzeugend klingt das nicht. Söder hat die französische Wahlstatistik genau studiert, die niedrige Wahlbeteiligung im ersten Wahlgang hätte auch ein anderes Ergebnis möglich gemacht. Die Lage sei nicht vergleichbar. Deutschland gehe es so gut wie nie.

Da ist er wieder, dieser Ton der Selbstgefälligkeit, den man in Europa nicht so gerne hört und der Deutschland schneller vergehen könnte, als manche glauben.

Weitere Themen

Goldener Bär für „Synonymes“ Video-Seite öffnen

Israelischer Film : Goldener Bär für „Synonymes“

Der israelische Regisseur Nadav Lapid ist von der Berlinale-Jury für seinen Film „Synonymes“ mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden. Deutschland wurden am Samstagabend in Berlin auch zwei deutsche Regisseurinnen ausgezeichnet.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.