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TV-Kritik: „Maybrit Illner“ : „Der Mann hat einen an der Waffel“

  • -Aktualisiert am

Maybrit Illner diskutiert am 5. November 2020 in ihrer ZDF-Sendung mit ihren Gästen über die amerikanische Präsidentschaftswahl. Bild: ZDF/Svea Pietschmann

In diesen Stunden erlebt die Welt den Machtverlust von Donald Trump – und den kommunikativen Wahnsinn, der damit verbunden ist. Auch in der Show von Maybritt Illner gibt es manche peinliche Vorstellung.

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          Nach der amerikanischen Präsidentschaftswahl des Jahres 1960 betrieb ein dreizehnjähriges Mädchen aus einem guten republikanischen Elternhaus in Chicago Wahlforschung. Sie hatte von ihrem Vater gehört, der damalige demokratische Bürgermeister der Stadt habe einen Wahlbetrug zu Lasten des republikanischen Kandidaten Richard Nixon begangen. Tatsächlich fand sie ein unbebautes Grundstück, wo vermeintliche Wähler der Demokraten leben sollten. Die Vorwürfe des Wahlbetruges in Chicago bestätigten sich zwar, aber ob das – und ähnliche Vorgänge in Texas – Nixon letztlich den Sieg kostete, weiß niemand.

          Es gab damals hitzige Debatten in der Presse. Parteifreunde Nixons drängten ihn sogar, die Wahl gerichtlich anzufechten. Drei Tage nach der Wahl erklärte er seinen Verzicht auf eine Anfechtung: Er akzeptierte seine Niederlage. Was es damals nicht gab, ist ein in Echtzeit arbeitendes Mediensystem. Heute kann weltweit und minütlich die Auszählung der Wählerstimmen in amerikanischen Bundesstaaten wie Georgia oder Pennsylvania verfolgt werden. Verbunden mit der passenden Interpretation, die den eigenen politischen Standort mit dem Heiligenschein namens Wahrheit versieht.

          Twitter und die göttliche Weisheit

          Twitter ist dabei zu einer modernen Inquisitionsbehörde geworden, die genau zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden kann. Der kalifornische Telekommunikationsanbieter stattet alles mit einem Warnhinweis aus, was er in seiner göttlichen Weisheit als bedenklich ansieht. Wie hätte aber der kalifornische Konzern den Wahlbetrug im Chicago des Jahres 1960 bewertet? Wäre vor den Tweets von Richard Nixon gewarnt worden, oder vor denen von John F. Kennedy? Damals kam aber noch niemand auf die Idee, die Wahrheit in Echtzeit zu ermitteln.

          In dieser Nacht sind allerdings in den Vereinigten Staaten alle Sicherungen durchgebrannt. Ein sichtlich angeschlagener Donald Trump gibt eine Pressekonferenz, bei der er sein kommunikationspolitisches Waterloo erlebt. Der in vier Jahrzehnten eingeübte Grundsatz, Angriff sei die beste Verteidigung, wird zum Desaster. Trumps Lügen bestanden im Kern schon immer darin, den Konjunktiv durch den Imperativ zu ersetzen. Der Verdacht des Wahlbetruges in dieser Wahl wird bei ihm zur Gewissheit. Er will nicht den obersten Gerichtshof der Vereinigten ein Urteil fällen lassen, sondern setzt voraus, dass er in seinem Sinn entscheidet.

          Der Präsident weiß natürlich, dass nichts von dem stimmt. Sein Imperativ ist eine Forderung ohne Substanz. Ein amerikanischer Präsident kann keine Auszählung von Wählerstimmen beenden, oder die Wahlgesetze in einem der fünfzig Bundesstaaten für verfassungswidrig erklären. Er kann lediglich die Gerichte anrufen, um die rechtliche Lage klären zu lassen. Das ist das selbstverständliche Recht jedes Kandidaten.

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