https://www.faz.net/-gqz-9xg8i

TV-Kritik „Maybrit Illner“ : Im Griff der Pandemie

  • -Aktualisiert am

Die Runde bei Maybrit Illner Bild: ZDF/Harry Schnittger

Das Coronavirus dominiert verständlicherweise die Berichterstattung. Sind die Politiker und ihre wissenschaftlichen Berater ausreichend vorbereitet auf die Situation?

          5 Min.

          Am Donnerstag ging es drunter und drüber, um es einmal so zu formulieren. Es begann mit der Einreisesperre für die meisten Europäer in die Vereinigten Staaten, und endete mit der Absetzung des Saisonauftakts in der Formel 1. Dazwischen kannten die Börsen nur einen Weg, den nach unten. In früheren Zeiten hätte so ein Crash die volle Aufmerksamkeit des Publikums beanspruchen dürfen, gestern versendete es sich fast.

          Die Pandemie hat uns alle im Griff, die Medien selbstredend auch. So waren am Abend wieder Sondersendungen in der ARD, dem ZDF und bei RTL zu erleben. Die Nachrichtensender hatten sowieso kein anderes Thema. Nicht zuletzt, weil es erstaunlich viele Prominente betrifft. In der Nacht etwa den Trainer des Premier League Clubs FC Arsenal. So überschlagen sich weltweit die Ereignisse, aber bei uns gibt uns seit bald drei Monaten nur eine Botschaft: „Wir sind gut vorbereitet.“

          Nicht viel bewegt

          Insofern gab es auf n-tv einen etwas irritierenden Moment. Die Bundeskanzlerin gab mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und dem Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher eine Pressekonferenz. Nach deren Ende fragte die Moderatorin ihre Berliner Kollegin konsterniert, warum man etwa Beatmungsmasken nicht schon vor Wochen gekauft habe. Im Studio war noch der Leiter der Wirtschaftsredaktion Ulrich Reitz. Er sprach von einem „deutlich katastrophaleren Krisenmanagement als es zu erwarten war,“ und wirkte dabei recht fassungslos.

          Derweil hatte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron in Paris seine Fernsehansprache gehalten. Es sie „die schlimmste Gesundheitskrise, die Frankreich seit einem Jahrhundert erlebt“, und meinte damit natürlich die Spanische Grippe. Eine der von ihm angekündigten Maßnahmen war die Schließung aller Bildungseinrichtungen des Landes. Frankreich ist traditionell eines der Länder mit der höchsten Frauenerwerbstätigkeit und Geburtenrate in Europa.

          Kurz vor Beginn der Sendung von Maybrit Illner meldete Disneyland die Schließung seines Freizeitparks in Kalifornien, außerdem Salzburg und Tirol das vorzeitige Ende der Skisaison. Bei Frau Illner gab es ebenfalls eine Premiere, nämlich eine Art Geisterspiel: Erstmals waren keine Zuschauer zugelassen, um das Ansteckungsrisiko zu begrenzen. Das passte zum Titel: „Erhöhte Ansteckungsgefahr - Gesundheit schützen, Jobs riskieren?“ Die Reduzierung sozialer Kontakte gilt schließlich in dieser Frühphase einer Epidemie als einziges Mittel, um deren Fortschritt einzudämmen.

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Damit stellte sich zugleich eine recht interessante Frage: Dürfen bei Frau Illner zwar die Zuschauer nicht nebeneinander sitzen, aber deren Kinder und Enkel in Kitas und Schulen gehen? Nun sind der Berliner Virologe Christian Drosten und das Robert-Koch-Institut zweifellos die wichtigsten wissenschaftlichen Berater der Bundesregierung. Drosten ist oft in Talkshows zu sehen, hat im NDR sogar eine tägliche Sendung mit den wichtigsten Erkenntnissen zur aktuellen Entwicklung. Seine hohe wissenschaftliche Reputation hilft beim administrativen Umgang mit dieser Krise, und gleichzeitig bei der kommunikativen Vermittlung gegenüber dem Bürger. Die Philosophin Svenja Flaßpöhler brachte diesen Expertenstatus wunderbar zum Ausdruck: Sie sei „keine Virologin.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.
          Meer davon: Auch an der Cala en Porter an der Südküste der Insel Menorca darf jetzt wieder von einer Zeit nach der Corona-Krise geträumt werden.

          Baden in Spanien : Mit dem QR-Code an den Strand

          Auch in Spanien lockert jede Region anders. Das Baden im Meer ist mancherorts wieder erlaubt. Aber gilt das auch für Touristen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.