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TV-Kritik „Maybrit Illner“ : Knapp vorbei ist leider auch daneben

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ZDF-Sendung "Maybrit Illner" mit Sabine Kropp, Tilman Kuban, Tobias Hans, Maybrit Illner, Norbert Walter-Borjans, Katja Kipping, Robin Alexander Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Maybrit Illner identifiziert die brisanten Fragen der Woche: Wer gewinnt den Kampf um den CDU-Vorsitz? Und zerbricht die CDU am internen Richtungsstreit? Der Boden für eine spannende Sendung ist bereitet.

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          Annegret Kramp-Karrenbauer zieht sich von der CDU-Spitze zurück und in der CDU geht es drunter und drüber. Wie steht man zur Linkspartei, wie zur Kanzlerin, wie zur Werteunion oder wie zur AfD – und alles mündet in der Frage: Wer soll die Partei zukünftig führen? Die scheidende Vorsitzende plant, dass die CDU diese Frage erst in einem Jahr beantworten solle. Es ist ein eher realitätsfernes Vorhaben. Und so stellt auch Maybrit Illner in ihrer Sendung die drängende Frage „Machtkampf in der CDU – wer kann Kanzler außer Merkel?“

          Doch zunächst geht es nicht um Aktualität oder gar Zukunft, nein, die Sendung startet mit Vergangenheitsbewältigung. Es geht zurück in den September 2015. Damals sagte Angela Merkel: Als Gerhard Schröder und die SPD den Parteivorsitz vom Kanzleramt getrennt haben, war mir klar, dass das Konsequenzen haben werde. Tja, sie selbst scheint daraus wohl keine Konsequenzen gezogen zu haben, zumindest nicht für ihre eigene Partei im 15. Jahre ihrer Kanzlerschaft.

          Der CDU nicht mehr getraut

          Dass Frau Illner daraus jedoch allen Ernstes die Frage ableitet, ob Frau Kramp-Karrenbauer sich als Parteivorsitzende selbst überschätzt habe, ist doch sehr verwunderlich. Tilman Kuban als Vorsitzender der Jungen Union nimmt diese schräge Vorlage jedenfalls dankbar auf und schickt der scheidenden Parteichefin ein vergiftetes Kompliment hinterher. Er respektiere diese persönliche Entscheidung, denn im Grunde müsse sich jeder fragen, ob man sich, seiner Familie und seinem Umfeld die Kanzlerschaft zutraue. Es sind dann Tobias Hans (CDU-Ministerpräsident des Saarlands) und Robin Alexander (stellvertretender Chefredakteur der Zeitung „Welt“), die diesen schrägen Sendungsbeginn geraderücken: AKK habe für die Partei gehandelt, urteilt Tobias Hans, während Robin Alexander es noch klarer auf den Punkt bringt: Annegret Kramp-Karrenbauer habe nicht sich selbst nicht getraut, sondern sie habe der CDU nicht mehr getraut.

          Anschließend versuchen sowohl Katja Kipping (Parteivorsitzende der Linkspartei) als auch Norbert Walter-Borjans (Parteivorsitzender der SPD) die CDU-Personalfrage in eine inhaltliche Debatte zu verwandeln, was Maybrit Iller jedoch unverblümt ablehnt, das wäre eine inhaltliche Frage. Nun gut, aber ihre eigene Frage nach der Zukunft von Angela Merkel mündet bedauerlicherweise in Floskeln wie „Sie ist der Stabilitätsanker der Großen Koalition“ (Tilman Kuban) und „Wir haben die Aufgabe, die Regierung gut zu gestalten“ (Tobias Hans). Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, die Frage nach einem möglichen Ende der Merkelschen Kanzlerschaft nicht den beiden CDU-Gästen zu stellen, die sich an dieser Frage nicht die Finger und damit die eigene Zukunft verbrennen möchten.

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