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TV-Kritik „Maybrit Illner“ : Knapp vorbei ist leider auch daneben

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Inhaltlich wollte dann aber auch Maybrit Illner werden und fragte nach dem Verhältnis der CDU zur Linkspartei und zur AfD. Es ist im Grunde die aktuelle Gretchenfrage der CDU, an dieser Stelle droht der CDU die Zerreißprobe – und das nicht erst seit der Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten in Thüringen mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD. Kurze Einspieler illustrierten denn auch diese tiefe Zerrissenheit in wenigen Sätzen: Während Bayern Ministerpräsident Markus Söder (CSU) jede Art von Verbindung zur AfD ablehnt, plädieren CDU-Politiker aus Thüringen und Sachsen-Anhalt vehement für eine Zusammenarbeit mit der AfD.

Der Boden für eine hitzige Diskussion ist bereitet, doch scheinbar ist der Illner-Redaktion bei der Gästeauswahl ein Fehler unterlaufen. Denn beide anwesenden CDU-Politiker vertreten an diesem Abend unnachgiebig die gleiche Position: die zuletzt oft genannte Brandmauer in Form der CDU-Unvereinbarkeitsklausel, wonach es weder eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei noch mit der AfD geben werde. Tilman Kuban beruft sich auf vermeintliche 99 Prozent der Mitglieder, die hinter diesem Beschluss stehen würden. Tobias Hans nennt Björn Höcke von der AfD einen Faschisten, der schlicht unwählbar sei für einen Christdemokraten. Hans-Georg Maaßen, dem ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz und aktuellem Mitglieder der „Werteunion“, legt Hans zudem nahe, dass CDU-Parteibuch zurückzugeben. Ein Ausschlussverfahren würde ihm schlicht zu lange dauern.  

Es ist wieder Robin Alexander, der frische Denkanstöße in die Diskussion brachte. Hans-Georg Maaßen sei einst vom SPD-Innenminister Otto Schily zum Verfassungsschutz geholt worden. Er mache sich jedenfalls Sorgen um die Union, wenn nun schon Entscheidungen eines Sozialdemokraten zu rechts für die CDU seien. Auch könne er den Begriff der Brandmauer nicht mehr hören. Die CDU solle sich vielmehr fragen, wie man das mögliche Feuer hinter jener Brandmauer löschen könne.

Sendung der verpassten Chancen

Und so endet eine Sendung der verpassten Chancen. Zwar hat man die spannenden Themen der Woche erkannt: den Kampf um den CDU-Parteivorsitz und den Richtungsstreit in der Union. Doch in beiden Fällen bleibt man Antworten, Analysen oder zumindest Denkanstöße schuldig. Im Hinblick auf den Machtkampf um den CDU-Vorsitz: Natürlich geht es hier um Personen. Aber diesen Kandidaten werden Positionen zugeordnet. Welche? Etwas mehr Informationen als „konservativ“ oder „Mann, der in die Mitte ausstrahlt“ wären für den Zuschauer sicherlich interessant gewesen. Wie auch die Frage, ob diese Etiketten den jeweiligen Personen zurecht nachgesagt werden? Und auch im Hinblick auf den Richtungsstreit innerhalb der Union wird die Chance auf eine tiefere Erkenntnis verpasst: Es ist eine gute Idee, zu einem Richtungsstreit zwei CDU-Politiker einzuladen, aber dann sollten diese beiden auch die unterschiedlichen Richtungen innerhalb der Partei repräsentieren. Bei Tobias Hans und Tilman Kuban ist das nicht der Fall. Und so bleibt dem Zuschauer die alte Binsenweisheit: Knapp vorbei ist eben auch daneben.

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