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TV-Kritik „Maybrit Illner“ : Knapp vorbei ist leider auch daneben

  • -Aktualisiert am

Aber zumindest wurde danach der Blick endlich nach vorne gerichtet. Jens Spahn, Friedrich Merz und Armin Laschet gelten als die aussichtsreichsten Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz. Während die beiden Erstgenannten bereits ihre Bereitschaft signalisiert haben, hält sich Armin Laschet noch zurück. Weil man ihm als NRW-Ministerpräsident zuhören würde, erklärt Robin Alexander. Herr Laschet wolle einen strukturierten Prozess, an dessen Ende sich die drei Kontrahenten auf ihn einigen sollen, orakelt der Welt-Journalist und zählt die Vorzüge der einzelnen Kandidaten auf: Die CDU-Mitglieder würden mehrheitlich Merz unterstützen, jemanden der die klassische CDU vertrete, ein konservativer Transatlantiker, der für ein scharfes Schwarz-Gelbes Angebot stehe. Jens Spahn hingegen würde eher vom politischen Berlin geschätzt, während Armin Laschet für das alte bundesrepublikanische Deutschland stehe. Er könne mit jedem und wäre ein Kandidat, der in die Mitte reinstrahle, meint Alexander. Es bleibt die klarste Analyse an diesem Abend.

Weitere Kumpanei mit der AfD?

Tobias Hans mahnt, man müsse das genau durchdenken und wahltaktisch überlegen, wie die einzelnen Kandidaten auf die Wähler wirkten. Tilman Kuban nutzt seine Energie entweder, um anderen Gästen – vorzugsweise Katja Kipping – ins Wort zu fallen oder um die SPD in Person von Norbert Walter-Borjans zu attackieren. Es ist das alte Spiel, von eigenen Durcheinander abzulenken, in dem man mit dem Finger auf andere zeigt. Blieben noch besagte Katja Kipping und Norbert Walter-Borjans. Der SPD-Vorsitzende zweifelt an der Wirtschaftskompetenz von Friedrich Merz und verweist auf dessen Rolle als ehemaliger Verkäufer der WestLB. Fast läuft die Sendung an dieser Stelle Gefahr, inhaltlicher zu werden. Aber statt den Punkt der Wirtschaftskompetenz zu erörtern, oder gar auf die anderen Kandidaten zu übertragen, bleibt die Moderatorin still. Vielmehr setzt Katja Kipping zu ihrer ganz eigenen Analyse an: Sie prophezeit, dass Friedrich Merz vor allem für eine weitere Kumpanei der CDU mit der AfD stehe.

Anschließend fallen sich Herr Kubman und Frau Kipping gegenseitig so lange ins Wort, bis dank Robin Alexander wieder Inhaltliches in die Runde findet. Friedrich Merz habe nie für die Zusammenarbeit mit der AfD geworben, er sei vielmehr ein klassischer CDU-Mann. Einen Rechtsruck könne er an der Person Merz jedenfalls nicht festmachen. Die Politikwissenschaftlerin Sabine Kropp würde derzeit jedenfalls auf Friedrich Merz wetten, merkt jedoch an, der er vor allem bei den Themen Digitalisierung oder Regelung des Arbeitsmarktes großen Nachholbedarf habe. Kropp sieht Kandidaten- und Inhaltsfragen eng miteinander verbunden, denn die zukünftige Richtung der CDU könne nicht über den Kopf eines neuen Vorsitzenden hinweg entschieden werden. Hier widerspricht Robin Alexander vehement. Inhaltlich würde jetzt bei der CDU rein gar nichts passieren, er verweist exemplarisch auf den Werdegang des aktuellen CDU-Generalsekretärs Paul Ziemiak. Ziemiak war bei der vorangegangenen Wahl des CDU-Vorsitzenden solange Unterstützer von Friedrich Merz bis dieser verlor, und er selbst unter der Gewinnerin Kramp-Karrenbauer neuer Generalsekretär wurde. Alexanders Fazit: Es ist die Zeit der Deals, nicht der Inhalte.

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