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TV-Kritik: „Maybrit Illner“ : Bedingt abwehrbereit

  • -Aktualisiert am

Maybrit Illner diskutiert in ihrer Sendung am 10. Januar 2019 zum Thema „Datenklau und Meinungsmache – droht ein schmutziges Wahlkampf-Jahr?“ Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Der Heranwachsende, der sich G0d nannte, hat über Nacht eine Debatte über private Datensicherheit in Gang gesetzt. Die Bürger sind darauf ebenso wenig vorbereitet wie die politisch Verantwortlichen.

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          Betrachtet man die Geschichte aus dem Blickwinkel digitaler Unternehmen wie Amazon, Apple, Facebook, Google und dem kleinen Twitter, zuckt man vielleicht mit den Schultern und verweist auf die Unternehmensverantwortung und ihr wasserdichtes Krypto-Latein. So what? Wir haben G0d  gelöscht. G0d  aber hat die gehackten Datensätze weltweit auf Servern gespiegelt, deren Betreiber der deutschen Strafverfolgung entzogen bleiben.

          Was geht in einem Menschen vor, der sich an den Pranger gestellt sieht, verhöhnt und verspottet wird? Wie lassen sich die Erschütterungen angemessen beschreiben? Welche Antworten bleiben ihm oder ihr? Der Hinweis auf Routinen sicherer Netznutzung ändert nichts am erlittenen Schaden. Er geht auch an denen vorbei, die ihre Kommunikation im Netz auf den Austausch von Katzenbildern und Kochrezepten beschränken und sich damit auf der sicheren Seite wähnen.

          Die Zerlöcherung der Privatsphäre ist technisch de facto so weit gediehen, dass man weit in der Geschichte zurückgehen muss, um einen angemessenen Vergleich zu finden. Wie wäre es mit dem Bauernlegen, als aus kleinen Bauern und Leibeigenen Bettler und Landstreicher wurden? Karl Marx beschrieb diese Geschichte als ursprüngliche Akkumulation im Übergang von der feudalen zur kapitalistischen Ökonomie. Das heutige Bauernlegen erfolgt subtiler: Der moderne Bauer gibt sich selber preis und bleibt in seinem Gehäuse. Ein neuer globaler Feudalismus verwandelt seine Hintersassen in verkäufliche Datenpakete. G0d hat nicht anders gehandelt als Facebook und Google, mit dem Unterschied, dass sie die Nutzerdaten verkaufen, damit die Gadgets der digitalen Ökonomie ihre Nutzerinnen und Nutzer noch besser … bedienen können.

          Blick verstellt

          Zugleich verdeckt der zweifelhafte Erfolg der Ermittlungsbehörden einen anderen Sachverhalt, den die Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg anspricht. Die Sicherheitsbehörden nutzen selber Hintertüren und Sicherheitslücken in weit verbreiteter Hard- und Software, statt vor ihnen zu warnen. Der vorgebliche Datenklau-Skandal verstellt den Blick auf einen Skandal im Zuschnitt der digitalen Daseinsvorsorge in Deutschland. Fast könnte man froh darüber sein, dass der Zustand der Netze so marode ist. Nicht alles, was technisch möglich wäre, funktioniert deshalb hier. Gut auch, dass bei Wahlen in Deutschland keine Wahlcomputer eingesetzt werden.

          Innenstaatssekretär Stephan Mayer hat an diesem Abend eine einzige Aufgabe: Er soll den Erfolg der Ermittlungsbehörden loben und kritische Nachfragen abbügeln. Das gelingt ihm – glücklicherweise – nicht so gut wie geplant. Ganz so schlecht wie behauptet seien die deutschen Sicherheitsbehörden nicht. Als Schulnote wäre das eine vier minus.

          Schlafender Rundumbetrieb

          Die Idee von Miriam Meckel, Herausgeberin der Wirtschaftswoche, die Behörden müssten besser verzahnt werden, geht aus von der Annahme, dass Kooperation gut sei. Was aber ist von einer Kooperation zu halten, in der Dienststelle 1 Dienststelle 2 nicht über den Weg traut? Mehrere Untersuchungsausschüsse zum Fall Amri gelangen inzwischen zu dieser Erkenntnis: nicht viel. Stephan Mayers Idee von einem „dauerhaften Rundumbetrieb“ gibt uns zu verstehen, dass in der Zeit von Anfang bis Ende Dezember der „Rundumbetrieb“ geschlafen habe. G0ds Adventskalender öffnete jeden Tag ein neues Türchen. Einzelne Bundestagsabgeordnete informierten das Bundesamt über bei ihnen eintreffende „komische Meldungen“.

          Frau Barley nutzt die Gelegenheit, die Datenschutzgrundverordnung zu loben, übersieht dabei aber, dass im Alltag der Netznutzer das Dasein der Verordnung nur als Zeitdiebstahl durch das  Wegklicken von Einwilligungserklärungen wahrgenommen wird. Sie stellen damit stillschweigende Generalvollmachten aus.

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