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TV-Kritik: „Maischberger“ : Keiner braucht Espressokapseln

  • -Aktualisiert am

Hannes Jaenicke, Sandra Maischberger und der Plastikmüll. Bild: WDR/Max Kohr

Nun ist Plastikmüll auch bei Sandra Maischberger Thema. Trotz fachkundiger Gäste kommt man über Appelle kaum hinaus. Das Problem ist der Massenkonsum, doch es fehlen konkrete Beispiele, was Deutschland besser machen kann.

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          Die persönliche Bilanz in Deutschland: Pro Kopf verursacht jeder Mensch im Jahr 38 Kilo Plastikmüll. Das ist der sichtbare Teil. Oft genug landet der, weil aus Verbundmaterial, in der falschen Tonne. Warum wird eine von der Natur durch ihre Schale perfekt geschützte Banane in Plastik eingeschweißt? Ranga Yogeshwar versteht es nicht. Wer macht was falsch? Helfen mehr Verbote, oder reicht für das gute Gewissen eine freiwillige Selbstverpflichtung von Handel und Industrie?

          Die Bilder von verendeten Orcas, Walen, und von Plastikmüllbergen im Pazifik sind bedrückend. Sie erzählen nur nicht, wie der Müllberg dort hinkommt. Haben wir keine Chance, oder nutzen wir sie nur nicht? Gibt es praktikable Alternativen? Was tun der Einzelhandel und die Discounter, damit sich etwas ändert? Eine neue Studie der Verbraucherschützer dokumentiert, dass 90 Prozent der Verbraucher Plastikmüll nicht gut finden und sich darüber beschweren, dass der Handel keine Alternativen anbietet.

          Die moderne Pest

          Der Schauspieler und Aktivist Hannes Jaenicke nennt Plastikmüll die Pest des 21. Jahrhunderts. Von den Plastikwohninseln der frühen Sechzigerjahre führt ein langer Weg zu dieser Einsicht. Auf seiner Strecke türmen sich jährlich 3,1 Millionen Tonnen Plastikmüll in Deutschland. Ist der Mensch nur eine dumme Sau? Was hat der hiesige Einzelhandel mit der Plastikinsel nördlich von Hawaii zu tun, die achtmal so groß ist wie die Bundesrepublik? Jedes Jahr verenden Millionen von Seevögeln und Fischen an Plastik. Besteht es gar aus dem viel gelobten PET, braucht das Zeug bis zu 500 Jahren, bis es zersetzt ist. Oder es landet als Plastiklöffel in der Nase einer Meeresschildkröte, die daran verendet, wie Yogeshwar berichtet. Fische verwechseln Plastiktüten mit leckeren Quallen. Wie furchtbar! Es gibt gute Gründe, Skandal zu rufen.

          Ob der Fisch im Restaurant tatsächlich Plastik enthält, daran meldet Toxikologe Gilbert Schönfelder Zweifel an. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass mit der Entfernung der Verdauungsorgane das Plastik aus dem Fisch weg sei. Aber ganz genau wisse man das noch nicht, weil Übergänge aus dem Verdauungstrakt bis in die Zellen des Fleisches noch nicht hinreichend untersuchbar seien.

          Auch im Trinkwasser treiben bis zu 6000 Mikroteilchen Plastik pro Liter. Sehr unerfreulich. Es wirkt erstaunlich hilflos, aufgrund solcher Einsichten an das individuelle Verhalten zu appellieren, wenn die Verbraucher durch Handel und Discounter dazu genötigt werden, zu viel in Plastik verpackte Produkte zu kaufen.

          Verbieten verboten

          Der Mehrweganteil an Verpackungen sinkt. Warum aber werden Bioäpfel in Plastik verpackt? Wie oft werden in Berliner Partynächten oder in der Düsseldorfer Altstadt an den Straßenrand geworfene Plastikflaschen mit einem Bußgeld geahndet? Es ist kaum die Liebe zum Plastik, vielmehr eine Nötigung durch den Einzelhandel, der die meisten Produkte in Plastik verpackt.

          Not macht erfinderisch. In Bangladesch, berichtet Yogeshwar, hat man erkannt, dass weggeworfene Plastiktüten die Kanalisation verstopfen und in der Monsunsaison zu Überschwemmungen führen. Man hat die Plastiktüten verboten. Kenia, Ruanda und San Francisco ebenso. In Deutschland wird daraus das ideologisches Dogma: verbieten sei verboten.

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