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TV-Kritik „Maischberger“ : Wie integrationsfähig ist die CDU?

  • -Aktualisiert am

Der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet war zu Gast bei Sandra Maischberger. Bild: WDR / Ben Knabe

Vor den Landtagswahlen durfte sich der CDU-Vorsitzende Armin Laschet bei Sandra Maischberger mit den Fragen des politischen Gegners beschäftigen. Dagegen ist nichts zu sagen – wenn man nur Antworten hätte.

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          In früheren Jahrzehnten gab es in Wahlkämpfen eingespielte Rituale, die mit verbissener Ernsthaftigkeit betrieben wurden. Zwar beanspruchten beide große Volksparteien die politische Mitte für sich, trotzdem bemühten sie sich um maximale Abgrenzung von der Konkurrenz. So hatten die Unionsparteien nie Hemmungen, den Sozialdemokraten wegen der unterstellten Nähe zu Kommunisten demokratische Unzuverlässigkeit vorzuwerfen.

          In der SPD wiederum klagte man die Union für eine historische Nähe zu Alt-Nazis an. Politisch schloss das eine Zusammenarbeit nie aus, etwa in der ersten noch wirklich großen Koalition von 1966 bis 1969. Damals saßen mit Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger (CDU) und seinem Bundesminister Herbert Wehner (SPD) ein ehemaliges NSDAP-Mitglied aus dem Auswärtigen Amt mit einem früheren stalinistischen Spitzenfunktionär an einem Kabinettstisch.

          Erfahrung mit Terroristen

          Stefan Aust hätte aus dieser Zeit berichten können, wenn ihm damals auch niemand eine besondere Nähe zu Kiesinger oder Wehner unterstellt hätte. Am Mittwochabend stellte er in der Sendung von Sandra Maischberger seine Biografie vor. Es ist die eines der einflussreichsten Journalisten der vergangenen Jahrzehnte. Sein Aufstieg scheiterte nicht an der Nähe zu Ulrike Meinhof, die in den 1970er Jahren zu einer der Protagonisten der RAF wurde.

          Der heutige Herausgeber der „Welt“ hat die Härte des politischen Konflikts in einem Land erlebt, in dem nahezu jeder Bürger von der Katastrophe der Nazidiktatur geprägt wurde. Dazu kam die deutsche Teilung, die Mauer als Sinnbild für den Kampf der Ideologien. Trotzdem – oder gerade deshalb – gab Aust einen wichtigen Hinweis auf die Bedeutung gesellschaftlicher Integrationsfähigkeit. Terroristische Gruppen, so seine Erfahrung, seien zwar klein, begriffen sich aber als Teil einer großen Bewegung. Man müsse daher aufpassen, dass „diese Teile einer Gesellschaft nicht so auseinanderbrechen durch die Art der Politik, die gemacht wird.“

          Klimaverträgliches Wandern in deutschen Auen

          Das war der wichtigste Satz des Abends. Der frühere Chefredakteur des „Spiegel“ machte damit zugleich die Defizite unseres politischen Systems deutlich. Das liegt nicht an der Substanz der politischen Konflikte, wie irrtümlich häufig angenommen wird. Im Vergleich zur ideologischen Todfeindschaft im Kalten Krieg ist es vergleichsweise belanglos, ob etwa im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegendert wird.

          Eine schon etwas ältere taz-Kollegin wie Ulrike Herrmann nimmt Debatten wie letztere deshalb auch nicht ganz so ernst wie ihre jüngeren Kolleginnen, wie am Mittwochabend deutlich wurde. Der sprachpolitische Rigorismus scheitert am Desinteresse der Mediennutzer, so das Ergebnis von Umfragen aus den vergangenen Tagen. Gendern ist vor allem eine Möglichkeit, sich vom politischen Gegner abzugrenzen.

          Das betrifft allerdings nicht nur solche Symbolthemen, sondern selbst den Umgang mit dem Klimawandel. Hubertus Meyer-Burckhardt sprach zwar von „den zwei Seelen in seiner Brust“, von seinem Bedürfnis nach Mobilität und Klimaschutz. Aber wer erwartet schon ernsthaft, dass dass Wandern in deutschen Auen und Wäldern wie in der Vorkriegszeit unsere bevorzugten Reiseziele werden?

          Eigenheim mit Solardach nur für Privilegierte

          Selbst gegendertes klassisches deutsches Liedgut würde daran vermutlich nichts ändern. Der effektivste Klimaschutz wird somit eine dramatische Reduzierung der verfügbaren Einkommen bleiben. Damit wird aber keine Partei im kommenden Bundestagswahlkampf antreten. So wird weiterhin jeder gerne auf das verzichten, was er selbst nicht braucht. Bei Jan Fleischhauer kam diese Paradoxie gut zum Ausdruck. Er kündigte den Einbau einer von seiner Gemeinde hoch subventionierten Solaranlage in seinem Eigenheim an. Der „Focus“-Kolumnist definierte das sinnvollerweise als eine Privilegierung gegenüber allen Einkommensgruppen, die sich ein Eigenheim selbst außerhalb Münchens nicht leisten können.

          Aus Sicht von Ulrike Herrmann ließe sich die soziale Schieflage durch ein „Energiegeld“ für die ärmeren Bevölkerungsgruppen ausgleichen. Interessant an dier Diskussion war aber vor allem das, was nicht zur Sprache kam. Offenbar fragt sich niemand mehr, oder immer noch nicht, warum der Einbau einer solchen Solaranlage überhaupt subventioniert werden muss.

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