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TV-Kritik: Maischberger : Betreut – bereut

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen. Bild: WDR/Max Kohr

Die Fallbeispiele sind bestürzend: Auch weitsichtige Vorsorgeverfügungen können durch böswillige Personen ausgehebelt werden. Niemand ist vor Missbrauch durch Betreuer geschützt. Sind intakte Familien die beste Vorsorge?

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          Bettina Tietjens Vater, von Beruf Architekt, ist seit langem schon Witwer. Seine Töchter merken, dass er etwas schusselig wird. Nicht nur in Wuppertal nennt man das verkalkt. So können subtile Vorzeichen einer beginnenden Demenz aussehen. Schlüssel liegen in der Tiefkühltruhe, öfter hebt er mehrmals am Tag kleine Geldbeträge vom Konto ab. Bei Besuchen der Töchter zeigt er sich in bester Form und wiegelt Versuche ab, mit ihm über Hilfsangebote zu sprechen. Die Maskerade einer beginnenden Demenz hat Schattenseiten. Das ist die namenlose Angst der erkrankenden Person, die merkt, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Diese Angst verträgt es nicht, mit robusten Vorhalten konfrontiert zu werden: „Du brauchst Hilfe!“ – „Nein!“

          Wie findet man dafür den richtigen Augenblick, den richtigen Ton? Wenn der Arzttermin endlich vereinbart ist, haben Kinder und ihre dement werdenden Angehörigen schon eine längere Leidensstrecke hinter sich. Bei Tietjens Vater diagnostiziert der Neurologe eine beginnende Demenz. Noch ist der Vater in der Lage, mit den Töchtern eine Vorsorge- und Betreuungsvollmacht aufzusetzen. Darin schließt er aus, dass sie sein Haus verkaufen. Mit einer Organspende ist er auch nicht einverstanden. Er war schon immer ein großer Verdränger. Jetzt klappt das nicht mehr. Als er nicht mehr in seinem Haus wohnen kann, geht er in ein Pflegeheim in Hamburg. Die älteste Tochter wird gerichtlich als Betreuerin bestellt und kann dann auch das Haus des Vaters verkaufen.

          Ankreuzen oder besser nicht?

          Was heißt das, wenn der eigene Vater zum Schützling wird? Wenn man in der Nähe ist und medizinisch gut beraten wird, kann das gut gehen. Manche Menschen schließen in ihrer Patientenvollmacht lebensverlängernde Maßnahmen aus. Zack, ist das Kästchen angekreuzt. Wenn dann beim Essen Nahrungsbestandteile in die Atemwege gelangen, mit der Folge sich wiederholender Lungenentzündungen, dann ist das Siechtum nicht mehr fern. Für stundenlanges Füttern in Zeitlupe gibt es im Heim niemanden. Ist der Rat, die Ernährung über eine Magensonde zu geben, eine lebensverlängernde Maßnahme? Ja, sogar eine gute. Der Vater blüht noch einmal auf, kommt wieder zu Kräften. Ein Fallbeispiel, das gewiss für die Töchter nicht einfach war, aber es scheint alles geradezu vorbildlich gelungen zu sein.

          Ganz anders ist es Christa Lange ergangen. Sie erlitt nach dem Tod ihres Lebenspartners, den sie lange gepflegt hatte, einen Zusammenbruch, landete in einer Klinik und wurde nach einem schweren epileptischen Anfall in ein künstliches Koma versetzt. Als sie daraus wieder erwachte, diagnostizierten die Ärzte bei ihr eine Demenz. Aus dem Krankenhaus wird sie in ein Pflegeheim verlegt. Das Amtsgericht bestellt eine gesetzliche Betreuerin, die eines Tages die Wohnung von Frau Lange auflöst. Vier Jahre dauert es, bis sie aus dieser fatalen Abseitsfalle wieder herauskommt. Ihr Physiotherapeut, ein ehemaliger Richter und ein früherer Arbeitskollege, die sie im Pflegeheim besuchen, verhelfen ihr zurück in ihr früheres Leben. Die drei sehen, dass Lange durchaus nicht dement ist. Ihr altes Leben, ihr gesamter Hausrat und Besitz aber sind futsch. Der Verein, über den ihre gesetzliche Betreuerin vermittelt worden war, zahlt außergerichtlich 5.000 € als Entschädigung.

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