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TV-Kritik: Maischberger : Ilkay und Mesut sind unsere Jungs!

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Das mit den „fröhlichen Spielen“ gelang, bis palästinensische Terroristen israelische Sportler ermordeten. Die Attentäter nahmen nicht nur die Israelis zur Geisel, sondern den Sport für ihre politischen Interessen. Dem kam dieser sich selten entziehen. Pleitgen nannte als Beispiel das erste Länderspiel einer deutschen Nationalmannschaft in der damaligen Sowjetunion im Jahr 1955. Der Kreml wollte das instrumentalisieren, Adenauer das Spiel erst gar nicht stattfinden lassen. Am Ende siegten die Sowjets mit 3:2. Der deutsche Torhüter Fritz Herkenrath sei überragend gewesen, sagte Pleitgen. Die Zuschauer in Moskau seien begeistert gewesen, obwohl der Krieg gerade erst zehn Jahre vorbei war. Es siegte die Faszination des Fußballs über die Politik.

Schluss mit den Pfiffen

Wenn heute die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, freuen sich nicht nur die Menschen in Russland. Die aber besonders als gute Gastgeber, gleichgültig, wie ihr Präsident heißt. Es ist ein Fest, trotz der Schattenseiten der Kulturindustrie und der Politik. Der Bundestrainer muss eine Mannschaft formen, die mehr ist als ein Aufguss der Weltmeistertruppe von 2014. Das könnte nur schiefgehen. Ob es gelingt, weiß niemand. Aber es dürfte niemandem damit gedient sein, sich den ganzen Tag nur mit der politischen Instrumentalisierung zweier Schlüsselspieler zu beschäftigen.

Es müsse einmal „Schluss sein mit den Pfiffen“ gegen Özil und Gündogan, sagte Claudia Roth. Sie gehört einer Partei an, die es mit Schlussstrichen ansonsten nicht so hat. Und die nicht gerade als Bollwerk gegen die Moralisierung aller Lebensbereiche bekannt ist. In dem Fall aber möchte man ihr zustimmen. Ilkay und Mesut sind unsere Jungs, selbst wenn sie manchmal törichte Bilder machen. Beide haben unsere Unterstützung verdient. Ansonsten hat Sandra Maischberger gestern Abend Toni Schumacher sogar nach seinem Foul an Patrick Battiston im Halbfinale gegen Frankreich im Jahr 1982 gefragt. Er zeigte sich eher uneinsichtig. Die rote Karte hätte er damals trotzdem bekommen müssen, auch ohne Videobeweis. Um eine Frage muss sich Fußball-Deutschland indes nicht mehr kümmern: Warum in Brasilien Philipp Lahm bis zum Achtelfinale auf der Sechs spielen musste. Das wird der Mannschaft aber auch nicht dabei helfen, bei dieser WM wenigstens die Vorrunde zu überstehen.

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