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TV-Kritik: „Maischberger“ : Ein Ende mit Schrecken

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger begrüßte in ihrer Sendung am 22. Januar 2020 den Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke, die ARD-Moderatorin Anna Planken und den Kabarettisten Florian Schroeder (von links). Bild: WDR/Max Kohr

Ist unser Essen zu billig? Ist Greta Thunberg schlimmer als Donald Trump? Sandra Maischberger lässt unaufgeregt die Woche Revue passieren. Doch dann kommt Gloria von Thurn und Taxis – und sorgt für ein dickes Ende.

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          Im schweizerischen Davos kommen zurzeit wichtige Politiker, einflussreiche Konzernchefs und allerlei Prominente zum 50. Weltwirtschaftsforum zusammen. Es ist ein weltpolitisches Großereignis, an dem auch Sandra Maischberger mit ihrer Sendung „Die Woche“ nicht vorbeikommt. Die eingeladene Anna Planken vom ARD-„Morgenmagazin“ redet nicht lange um den heißen Brei herum und knöpft sich umgehend den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dessen Rede in Davos vor. Sie habe sich sehr geärgert darüber, dass Trump sich auf die Bühne stelle und ernsthaft behaupte: Alles einfach so machen wie wir in den Vereinigten Staaten. Wir sind die Besten. Neu sind solche Worte nicht, muss auch Planken zugeben. Und so kann man zusammenfassen: Die Moderatorin ärgert sich darüber, dass Donald Trump auch in Davos Donald Trump bleibt.

          Das ist nicht weiter tragisch, denn Sandra Maischberger hat sich ohnehin einen anderen Kniff ausgedacht, wie man sich an diesem Abend dem Weltwirtschaftsforum annähern könnte: nicht über den Twitter-Rowdy aus dem Weißen Haus, sondern über den Twitter-Abstinenzler Robert Habeck. Der Grünen-Chef ist erstmals in Davos dabei – und nimmt sich im gewählten Einspieler ebenfalls die Rede des amerikanischen Präsidenten vor. Trump, so meint Habeck, sei der Gegner, er stehe für all die Probleme, die wir haben.

          Beide Male geht es um Trump oder besser gesagt: gegen Trump. So erschließt sich dem Zuschauer nicht, weshalb Frau Maischberger den Umweg über Habeck wählte, um doch wieder beim amerikanischen Präsidenten zu landen. Aber sei es drum. Denn der „Cicero“-Chefredakteur Christoph Schwennicke nutzt den Einspieler, um seinerseits Habeck Grobschlächtigkeit vorzuwerfen. Von Politikern, zumal von einem, der bald Kanzler werden könnte, erwarte er mehr Differenziertheit.

          Greta, Donald und die Top-Manager

          Gut, dass an diesem Abend mit Florian Schroeder auch ein Kabarettist mit am Tisch sitzt. Schroeder nutzt den Moment, um Schwennicke – und zugleich wohl vielen anderen Journalisten – einen Spiegel vorzuhalten. Es sei doch eine verlogene Diskussion, urteilt Schroeder: Einerseits beschwerten sich Journalisten fortlaufend über die vorgestanzten Sprachschablonen der Politiker. Wenn dann doch mal jemand wie Habeck spontan, emotional und frei von der Seele weg spreche, sei das auch wieder nicht in Ordnung.

          Es ist der Moment, in dem Sandra Maischberger rasch den Fokus legt auf das aus ihrer Sicht legendäre Fernduell zwischen Donald Trump und Greta Thunberg. Es entspricht schlicht dem ausgeprägten Faible von Sandra Maischberger, komplexe Themen wie den Klimawandel an einem simplen Duell zweier Antagonisten festmachen zu wollen. Dass dies dem wichtigen Sachverhalt nicht gerecht wird – und zudem rein gar nichts zum Erkenntnisgewinn der Zuschauer beiträgt – scheint der Moderatorin gleichgültig zu sein. Woran soll sich der Zuschauer nach der Sendung eigentlich erinnern: Welche Ideen oder Lösungsvorschläge Thunberg in Davos genannt hat?

          Hier sorgt zum Glück Christoph Schwennicke kurzzeitig für Abhilfe. Thunberg habe vorgeschlagen, Geschäfte mit fossilen Brennstoffen umgehend zu beenden. Den nach Davos gepilgerten Top-Managern wirft der „Cicero“-Chefredakteur denn auch ein gehöriges Maß an Bigotterie vor. Das Treiben in dem Schweizerischen Skiressort erinnere ihn stark an den Ablasshandel im Mittelalter – nur das heutzutage die Top-Manager zum Vortrag von Greta Thunberg pilgern, um anschließend mit diesem Plazet beruhigt wieder in ihre Privatjets zu steigen.

          Anna Planken nimmt unterdessen Maischbergers Duellanten-Faible auseinander. Sie könne die Fokussierung auf Donald Trump und Greta Thunberg nicht mehr ertragen. Es bringe doch nichts, eine sechzehnjährige Mahnerin einem Präsidenten gegenüberzustellen, der unentwegt das Mantra von „America is better than ever!“ zum Besten gibt. Gefragt seien vielmehr ein klarer Kopf und kluge Gedanken. Vor allem müsse man miteinander reden. Schwennicke warnt an diesem Punkt sogar vor einer Infantilisierung der Politik.

          Und Sandra Maischberger? Sie stellt allen Ernstes fest, dass Donald Trump demnächst drei Jahre im Amt – und die Welt trotzdem noch nicht untergegangen sei. Bravo.

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