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TV-Kritik: „Maischberger“ : „Wer hat denn das gesagt, Höcke oder Dutschke?“

Eva Schulz (Moderatorin „funk“), Jan Fleischhauer („Focus“-Kolumnist) und Melanie Amann (Leiterin „Spiegel“-Hauptstadtbüro) diskutieren in der Sendung „maischberger.die woche“ vom 19. Februar 2020. Bild: WDR/Oliver Ziebe

Thüringen, Tesla, Terrorgruppe: Bei Maischbergers Talkshow gerät so einiges durcheinander – was nur teilweise an der Überfülle der angebotenen Themen liegt, zum anderen Teil an kalkulierten Entgleisungen.

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          Eine orientierungslose CDU sucht nach einer neuen Führungsfigur. Die parlamentarische Demokratie in Thüringen steckt nach einer Wahlfinte der AfD in der Krise. Die SPD beschließt die Grundrente und kommt trotzdem nicht aus dem Umfragetief heraus. Ein Gericht stoppt die Rodungen für die Tesla-Fabrik in Brandenburg. Eine rechtsextreme Terrorgruppe plante offenbar Anschläge auf Politiker und Moscheen in ganz Deutschland.

          Patrick Schlereth

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Was das alles miteinander zu tun hat? All diese Themen wurden in der ARD-Talkshow „Maischberger. Die Woche“ in etwas mehr als einer Stunde Sendezeit zu einem einzigen Brei zusammengerührt. Das liegt nicht etwa daran, dass der Moderatorin die Diskussion entgleitet, sondern das ist Teil des Konzepts. Jede Diskussion wird nach zwei bis drei Sätzen im Keim erstickt, weil noch etliche andere Themen auf der Agenda stehen.

          Los geht das Themen-Potpourri damit, dass die Gäste ihre Verlierer der Woche benennen dürfen. Für „Funk“-Moderatorin Eva Schulz ist es Papst Franziskus, der sich trotz seines Reformwillens nicht an das Zölibat herantraut. „Focus“-Kolumnist Jan Fleischhauer wittert sogleich seine Chance, sich über die „sinnstiftenden Angebote“ von Greenpeace und den Grünen lustig zu machen – und macht nach dem Gerichtsbeschluss gegen Tesla-Rodungen in Brandenburg die deutsche Wirtschaftskraft als Verliererin der Woche aus. Neben Fleischhauer sitzt seine ehemalige Kollegin Melanie Amann, Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, die NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Machtkampf um den CDU-Vorsitz zum Verlierer kürt, weil „drei aus seinem Landesverband denken, sie können es besser, selbst Norbert Röttgen“, der eigentlich eher in dritter oder vierter Reihe stehe.

          Über Hoffnungsträger und ihre Frisuren

          Bei der Frage, wer denn nun der mächtige Mann bei der CDU werden könnte, wenn die übermächtige Frau Merkel abgedankt habe, bleibt man etwas länger hängen, verliert sich dabei aber umso mehr in Oberflächlichkeiten, diskutiert lieber über Frisuren als über Inhalte der potentiellen Kandidaten. Fleischhauer betont die Wichtigkeit der körperlichen Ausstrahlung, und Röttgen sieht für ihn „so aus, wie sich Leute einen Kanzler vorstellen. Kanzler haben ein energisches Gesicht und strahlen Führung aus. Laschet hat eher ein weiches Gesicht, da kann er ja nichts für.“ Auch was den politischen Kurs angeht, hat Fleischhauer nur Spott für Laschet übrig, verkörpere der NRW-Landesvater doch genau das, „was die moderne CDU eben auch ist, eine bessere SPD.“

          Die richtige SPD ist an diesem Abend auch da, Familienministerin Franziska Giffey steht Maischberger Rede und Antwort zu Fragen aller Art. Im Schnelldurchlauf geht es um ihre eigene Plagiatsaffäre, die Dienstreiseaffäre ihres Mannes, ihr Verhältnis zu Heinz Buschkowsky sowie die neuen SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, was sie als einzige ostdeutsche Bundesministerin vom „Jammer-Ossi“ hält und warum sie mit ihrem „zarten Stimmchen“ keine Lehrerin werden wollte, dafür aber Politikerin geworden ist.

          Giffeys Auftritt ist mindestens eine Bewerbungsrede für die Spitze der Berliner SPD, wahrscheinlich für mehr, ist sie doch auf längere Sicht die einzig verbliebene Hoffnungsträgerin ihrer Partei. Andrea Nahles hat genug vom politischen Geschäft, Katarina Barley ist nach Brüssel entschwunden, Malu Dreyer bleibt in Rheinland-Pfalz und Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern, erst recht nach ihrer Krebserkrankung.

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