https://www.faz.net/-gqz-9zn5i

TV-Kritik: Maischberger : Zurück in die Normalität

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger und ihre Gäste im Studio Bild: WDR/Max Kohr

Zur Normalität gehören zweifellos auch innerparteiliche Machtkämpfe. Die AfD macht schon einmal einen Anfang. Warum das aber alles nicht so schlimm ist, versucht deren Parteivorsitzender Jörg Meuthen bei Maischberger zu erklären.

          5 Min.

          Immerhin haben wir am Mittwoch schon einen weiteren Schritt in Richtung Normalität getan. Volkswagen schaffte es für kurze Zeit, mit einem als rassistisch interpretierten Werbespot auf Instagram jene Empörung zu erzeugen, ohne die man heute keine Aufmerksamkeit mehr findet. Es ist eine weiße Hand zu sehen, die einen Schwarzen in ein Haus namens „Petit Colon" schnippst. Die Buchstaben des Slogans „Der neue Golf“ fliegen dabei so ins Bild, dass dort für den aufmerksamen Zuschauer „Neger“ zu lesen ist. Der Konzern hat sich für diesen Film entschuldigt und kann sich das Zustandekommen „auch nicht erklären“, wie ein Sprecher erklärte. So bleibt Raum für Spekulationen: Gibt es in Wolfsburg eine heimtückische Marketing-Guerilla, die mit chiffrierten Botschaften den Rassenkrieg auslösen will? Oder sitzen dort clevere Aktivisten, die wegen der einkalkulierten Empörung das antirassistische Bewusstsein der Bürger schärfen wollen?

          Der Spot spielt mit den klassischen Zutaten der großen Verschwörung. Eine Hand agiert wie ein Marionettenspieler mit seinen Puppen, ein ansonsten harmloser Slogan wird zur geheimnisvollen Botschaft. Erklären kann sich das niemand, weshalb alle Erklärungen erfinden müssen. So entstehen alle möglichen Theorien, oben sind zwei zu lesen. Zumeist bestimmt die Interpretation die Suche nach den Ursachen: Hier muss ein böser Hintergedanke und eine lenkende Hand am Werk gewesen sein. So sind wir bei dieser Sendung, die das in den vergangenen Tagen mit besonderer Leidenschaft diskutierte Thema der Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit dem Coronavirus diskutierte.

          „Ungewissheit nicht aushalten“

          Die journalistischen Kommentatoren versuchten das Rätsel zu lösen, aber ohne nach einer lenkenden Hand zu suchen. So machte niemand Bots oder den Kreml verantwortlich, die die Stabilität des Westens untergraben wollten. Die Spiegel-Redakteurin Christiane Hoffmann warnte davor, „noch den letzten Schwachsinn salonfähig“ zu machen. Die Autorin Lamya Kaddor sah angesichts der überschaubaren Teilnehmerzahlen an den Lockdown-Protesten eine noch überschaubare Bedeutung dieser Bewegung. Wogegen Werner Bartens die Erklärung fand, Menschen seien empfänglich für solche Ideen, weil sie die „Ungewissheit nicht aushalten.“ Damit hatte der Wissenschaftsredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ aber kein Problem, weil er in 75 Minuten Sendezeit lauter Gewissheiten artikulierte.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

          Dazu gehörte seine vernichtende Kritik an den vorsichtigen Lockerungsmaßnahmen der vergangenen Wochen. Außerdem wollte er die die mit dem Lockdown verbundenen Probleme nicht „bagatellisieren“, um das aber mit solcherart Apodiktik trotzdem zu tun: „Wenn Menschen krank sind oder tot, hilft das der Wirtschaft auch nicht.“ Das ändert aber nichts an der tristen Tatsache, dass auch ohne diese Pandemie immer Menschen krank sind und sterben. Die Frage ist lediglich, ob die Verhinderung der zusätzlichen Toten durch Covid-19 den ökonomischen Ruin oder die Zerrüttung sozialer Beziehungen legitimieren können. Und ob die Quarantäne die einzige Maßnahme ist, um die Opferzahl von Covid-19 zu reduzieren. So verwies auch Frau Hoffmann auf die jetzt geforderte Eigenverantwortung des Bürgers, das Infektionsrisiko zu reduzieren. Zudem machte sie eine interessante Beobachtung aus der Entstehungsgeschichte des Lockdown. Damals habe es „eine Tabuisierung“ gegeben, „dass wir auch wieder raus müssen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kritik an Manchester City : Guardiola attackiert Klopp und Mourinho

          Manchester City erhält doch keine Europapokal-Sperre. Die Kritiker sind entsetzt ob des Urteils. Pep Guardiola geht prompt zur Gegenattacke über – und bekommt wohl ziemlich viel Geld für eine Transferoffensive.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.