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TV-Kritik: „Maischberger“ : Die Verseifung des Politischen

  • -Aktualisiert am

TV-Moderatorin Sandra Maischberger Bild: WDR/Max Kohr

Die Sendung von Sandra Maischberger scheint nun da angekommen, wo die Gastgeberin hin will: auf dem Boulevard, auf dem man den Ball flach halten kann, solange es irgendwie bunt ist und prominente Gäste aus der Patsche helfen.

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          Hat sich die große Koalition gerettet? Was macht Deutschland mit IS-Kämpfern? Was wird aus Sahra Wagenknecht? Ach, und neben der „Reporterlegende“ Marcel Reif macht auch Quiz-Papst Günther Jauch mit.

          Nichts stimmt in der Sendung von Sandra Maischberger. Keine Frage wird gestellt, keine Antwort gegeben, die über die 75 Minuten der Sendung hinaus wichtig sein könnte. Der Rechtsausschuss des Bundestages hat seinen Vorsitzenden Stephan Brandner (AfD) abgewählt. Das ist sein gutes Recht. Wer von der AfD für die Nachfolge vorgeschlagen wird, bleibt abzuwarten. Wenn die AfD diese Angelegenheit dazu nutzt, sich als Opfer aufzuspielen, dann ist das bloß lachhaft. Die Zitatstrecke Brandners verwandelt seine Partei in einen Bürgerschreck. Die Abwahl war eine Premiere. Das geschah zum ersten Mal in der Geschichte des Parlaments. Der Vorgang bezeugt den Willen der übergroßen Mehrheit des Hauses, der AfD mit der notwendigen Entschiedenheit entgegenzutreten.

          Robin Alexander von der „Welt“ verweist darauf, dass AfD-Abgeordnete auch den Tourismus- und den Haushaltsausschuss leiten, ohne bisher durch Provokationen wie Brandner aufgefallen zu sein. Ob das dazu führt, dass der Bundestag bald doch noch einen Vizepräsidenten aus der Fraktion erhält, ist nicht ausgemacht. In den ersten zwei Jahren gab es für keinen Kandidaten die notwendige Mehrheit.

          Marcel Reif ist besorgt. Kann die AfD den Vorgang dazu nutzen, sich als Opfer aufzuführen? Er warnt davor, die Wählerschaft der AfD zu missachten, obschon die Botschaft des Rechtsausschusses eine Grenze zieht, die auch ihre Wähler interessieren könnte. Wer findet Hetzer sympathisch?

          Große Koalition im Aufwind?

          Für Robin Alexander ist Hubertus Heil Gewinner der Woche. Gegen viele Wetten habe Heil die Grundrente in der Großen Koalition durchgesetzt und damit auch Olaf Scholz einen Erfolg ermöglicht. Machtpolitisch übersetzt: die Kanzlerin hat ihren Koalitionspartner gepflegt. Ob das Scholz auch auf dem Bundesparteitag der SPD hilft? Der Erhalt der großen Koalition sei wahrscheinlicher geworden, meint Christiane Hoffmann vom „Spiegel“.

          Unruhe darüber in der CDU findet ihre Schranke in den Regularien des Parteitags. Werden sich nach der Grundsatzrede der Vorsitzenden nur genug Mitglieder zu Wort melden, hat Friedrich Merz vielleicht fünf Minuten für seine Rede. Doch Brutus ist ein ehrenwerter Mann.

          Marcel Reif scheint die Tücken des dritten Abschnitts der Abgabenordnung nicht zu kennen. Er regelt die steuerbegünstigten Zwecke. Gleichstellungsbeschlüsse mit Gesetzeskraft haben auch Folgen dafür, was steuerbegünstigt ist und was nicht. Wie gut müsse es einem Land gehen, das sich mit solchen Fragen beschäftige, bemerkt Reif etwas spitz. Die SPD werde damit gewiss wieder große Volkspartei. Robin Alexander sekundiert und bewertet identitätspolitische Vorstöße als absurd. Die jüngere Geschichte der Demokraten in Amerika sei abschreckend genug, um das nicht nachzuahmen. Schließlich darf Reif auch Uli Hoeneß was fürs Austragsstüberl mitgeben. Natürlich werde der nicht loslassen, so einer sei ihm lieber als einer, der hintenrum Politik betreibe.

          Was ist Wissen?

          Nun ist Günther Jauch dran. Abinote 3,1. Drei Studiengänge hat er abgebrochen. Aus einem Grund, der nur aus den Wirrnissen der deutschen TV-Kultur zu erklären ist, gilt der Quizmaster als klügster Deutscher. Seine Lebensphilosophie als junger Mensch beschreibt er wurstig-pragmatisch: Ein Pferd springe so hoch, wie es müsse. Er wollte keinen Stress zuhause. Für Nadelarbeiten kassierte er in der Grundschule eine fünf, obwohl er den bestickten Turnbeutel schön fand. Leutselig zitiert er den besorgen Brief seines Vaters an einen Freund: „Günther verdient beim Fernsehen viel Geld. Keiner weiß warum.“

          Die folgenden Fragen der Gastgeberin werden der Kommission für die Ermittlung des Finanzbedarfs für die Rundfunkanstalten (KEF) zu denken geben. Der Bildungsauftrag ist noch nie so dämlich und verquast vergeigt worden wie in diesem Gespräch mit Günther Jauch. Der macht wenigstens gute Miene und haut ein paar Sprüche raus, aber er hat schon seine Gründe, dass er seine Millionärsshow nicht für die ARD macht.

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