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TV-Kritik: Sandra Maischberger : Die Frauen haben es den Männern richtig gezeigt

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Viel interessanter sind doch die Leistungen in diesem Beruf. So machte Kerner eine interessante Anmerkung. Die Grünen, so erklärte er deren Erfolg, verkörperten ein Lebensgefühl. Deshalb warnte er auch davor, diese lediglich „als Verbotspartei“ zu charakterisieren. Mit dieser Stimmungslage versuchten Amthor und Marktwort an die alten Zeiten christlich-liberaler Verbundenheit anzuknüpfen. Nur hat sich das Lebensgefühl in einem Jahr wirklich so verändert? Frau Göring-Eckhardt war nämlich mit dem anderen grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir für den Platz sechs nach der letzten Bundestagswahl verantwortlich. Mit der Inthronisierung der beiden grünen Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck haben sich die Machtstrukturen in der Partei allerdings dramatisch verschoben. Die Bundestagsfraktion spielt kaum noch eine Rolle. Das neue Führungsduo verkörpert den Spaß an der Politik, um gleichzeitig mit tiefem Ernst die Welt zu retten. Insofern wirkte in diesem Jahr Frau Göring-Eckardt so alt, wie sie es beim bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) feststellte. Die innerparteiliche Absteigerin des Jahres 2018 heißt bei den Grünen Katrin Göring-Eckhardt.

Oder ist der Aufstieg der Grünen in erster Linie mit dem desaströsen Zustand der Regierungsparteien zu erklären? So argumentierte wenigstens Tina Hassel, Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios. Es existiert tatsächlich in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung ein Überdruss an den drei Regierungsparteien. Da wirken die Grünen als Lichtgestalt, vor allem auch wegen ihrer Rolle als good guy im Vergleich zum bad guy namens AfD. Seltsamerweise bemühen sich aber Teile der veröffentlichten Meinung immer darum, die Bundeskanzlerin aus der allgemeinen Groko-Schelte herauszulassen. Sie hat nie etwas damit zu tun. So sah Frau Hassel im selbstbestimmten Abgang Angela Merkels vom Amt der Parteivorsitzenden eines der wichtigen Ereignisse des Jahres. Gleichzeitig sprach sie aber vom Ende der „bleiernen Zeit“. Es ist jene Formulierung, die Frau Kramp-Karrenbauer im innerparteilichen Wahlkampf der CDU nutzte, um sich rhetorisch von der Bundeskanzlerin abzugrenzen. Amthor war als Delegierter auf diesem Parteitag. Er hätte im ersten Wahlgang Jens Spahn gewählt, und im zweiten Wahlgang die neue Parteivorsitzende. Sie wäre das bessere Angebot für die CDU gewesen, so seine Begründung. Über diese Auskunft wäre Friedrich Merz am Donnerstag unter Umständen noch überrascht gewesen. Amthor hatte nämlich vor dem Parteitag eisern geschwiegen. So war der junge Mann für Überraschungen gut, die man ihm gar nicht zugetraut hätte.

Verwirrende Erfahrung für einen Jungpolitiker

Markwort ist zwar Jungpolitiker, war aber trotzdem gestern Abend das Sinnbild für den „alten, weißen Mann“. Als er es wagte, Frau Kramp-Karrenbauer zu kritisieren, waren sich Frau Hassel und Frau Göring-Eckhardt einig. Das geht gar nicht, so der Eindruck beim Zuschauer. Zwar suggerierte Frau Göring-Eckhardt, sie könnte mit der neuen CDU-Vorsitzenden politische Differenzen haben. Aber weiblicher Pragmatismus ist eine Tugend, die schon seit dreizehn Jahren die Kanzlerin perfekt verkörpert. Tatsächlich war dieses Jahr von einem Lebensgefühl geprägt. Kerner traf hier den Punkt, aber anders als gedacht. Das hat nämlich wenig mit der neu erwachten Sorge der Deutschen um verhungernde Eisbären zu tun, wie es Frau Göring-Eckhardt so schön als Warnung vor dem Klimawandel formulierte.

Vielmehr haben es die Frauen der Babyboomer-Generation das erste Mal den Männern so richtig gezeigt. Das damit verbundene Glücksgefühl ist angesichts einer von Männern geprägten Kultur nachvollziehbar. Für die Männergeneration des Jungpolitikers Markwort ist das zweifellos eine verwirrende Erfahrung. Und ein Amthor wirkte trotz seiner Warnungen vor „grüner Verbotskultur“, wie der nette Junge von nebenan. Er hat ja auch am vergangenen Freitag richtig gewählt. Ernst nehmen müssen ihn die Frauen einstweilen noch nicht. So wurde dieses Jahr von einem Lebensgefühl geprägt, das es zum Jahr der Frauen werden ließ. Wie weit das trägt, wird sich zeigen. Im Dezember 2019 werden wir es beim nächsten Jahresrückblick wissen. Eine Fußball-WM findet zum Glück nicht statt.

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