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TV-Kritik: Sandra Maischberger : Die Frauen haben es den Männern richtig gezeigt

  • -Aktualisiert am

Genausowenig hätte sich Katrin Göring-Eckhardt (Grüne) vor einem Jahr vorstellen können, über unseren Mittelfeld-Star Mesut Özil als Rassismus-Opfer zu diskutieren. Schließlich hatte nur ein Alexander Gauland (AfD) etwas gegen einen aus Berlin stammenden Innenverteidiger als Nachbarn einzuwenden. Sie hätte angesichts der Stimmungslage wohl eher vermutet, im Spätsommer 2018 vor den patriotischen Aufwallungen nach einer Titelverteidigung warnen zu müssen. Zu Siegesfeiern am Brandenburger Tor kam es bekanntlich nicht. Dafür zu einer Debatte über ein Foto Özils mit einem Despoten und anschließend eine auf allen Seiten misslungene Kommunikation darüber, wie Kerner diagnostizierte. Das endete schließlich mit der luizid formulierten Rücktrittserklärung Özils aus der Nationalmannschaft, wie wir alle wissen. Kerner und Markwort artikulierten gewisse Zweifel daran, ob diese Erklärung von Özil selber verfasst worden ist. Dafür sind seine jüngsten Partyfotos absolut authentisch, sicher auch ohne Hilfe von PR-Beratern entstanden. So hat jeder seine Sorgen. Ein Özil bei Arsenal London neuerdings sogar wegen des Konsums von Lachgas.

Absteigerin des Jahres – bei den Grünen

Aber natürlich ging es in diesem Jahresrückblick auch um Politik. Frau Göring-Eckhardt, Markwort und der CDU-Jungstar Philipp Amthor repräsentierten drei unterschiedliche Politikergenerationen. Die Bundestagsfraktionsvorsitzende der Grünen ist die klassische Berufspolitkerin. Als Amthor im Jahr 1992 geboren wurde, arbeitete sie schon als Referentin in der Thüringer Landtagsfraktion ihrer Partei. Die Einschulung war für Amthor im Jahr 1998 bestimmt ein prägendes Erlebnis. In diesem Jahr gelang Frau Göring-Eckhardt erstmals der Sprung in den Bundestag. Markwort war in dieser Zeit auch gut beschäftigt. Es galt den „Focus“ als Alternative zum „Spiegel“ zu konsolidieren. Die Etablierung eines zweiten Nachrichtenmagazins ist zweifellos eine der bemerkenswerten verlegerischen Leistungen in der deutschen Mediengeschichte. Markwort kritisierte die fehlende Erfahrung des neuen CDU-Führungsduos Annegret Kramp-Karrenbauer und des Generalsekretärs Paul Ziemiak außerhalb der Berufspolitik. Letzteren nannte er sogar berufslos, was einen schon erstaunte. Nach dieser Definition wäre auch Willy Brandt berufslos gewesen. Und die beruflichen Erfahrungen der früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (Historiker) und Helmut Schmidt (Volkswirt) hielten sich vor ihrer politischen Laufbahn ebenfalls in überschaubare Grenzen. Das Ressentiment gegen die Politik als Beruf zu mobilisieren, ist eine der leichteren Übungen in unserer Gesellschaft. Das macht es aber nicht überzeugender. Wer sich alle vier Jahre dem Wähler stellen muss, braucht sich nicht für seinen Beruf zu rechtfertigen.

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