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TV-Kritik: Maischberger : AfD-Mitbegründer trifft „Monitor“-Mann

  • -Aktualisiert am

Bernd Lucke und Georg Restle treffen in der Sendung von Sandra Maischberger aufeinander. Bild: WDR/Max Kohr

Für Maischbergers Woche im neuen Format gilt: Was ihr zugespielt wird, greift sie auf. Was sie und ihre Gäste – wie Bernd Lucke und Georg Restle – daraus machen, wirkt aber halbgar, mit heißer Nadel genäht.

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          Erneut wurde am Maischberger-Sendetag die Vorlesung von Bernd Lucke an der Universität Hamburg gestört. Sicherheitskräfte mussten ihn aus dem Hörsaal eskortieren. Wer aus diesem Vorgang den Satz bosselt, Andersdenkende würden verunglimpft, hat manches nicht verstanden.

          Studentische Proteste haben auch 51 Jahre nach 1968 ihre eigene Dynamik. Bevor wir darauf zurückkommen, lohnt es sich, die Vorgeschichte der AfD-Gründung Revue passieren zu lassen. Einige Ökonomen fanden sich zusammen, die mit ihren Klagen gegen den Euro und später gegen die Eurorettung ihre Disziplin wie Hohepriester zelebrierten und mit Glaubensbekenntnissen gegen die Wirklichkeit anrannten. Sie glauben sich noch immer im Recht, wüten jetzt über negative Zinsen und verkennen den Zusammenhang zwischen Schulden und Guthaben. So weit, so schlecht.

          Dass ihr Fach nach 1945 schon mal politischer gedacht worden war und seine hellsten Augenblicke in der ersten nennenswerten Wirtschaftskrise 1966/67 erlebte, ist vergessen. Wie kann man sich die Scheuklappen maßschneidern, um nicht zu verstehen, in welche Richtung seit Gründung der AfD die Reise geht?

          Finsteres Potenzial

          Der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer hat mit der Studienreihe „Deutsche Zustände“ vor knapp zehn Jahren bis auf die zweite Stellen hinter dem Komma das Potenzial einer Partei vorhergesagt, die rechts vom demokratischen Spektrum angesiedelt sein würde. Wer unter den Gründungshonoratioren der AfD hat damit geliebäugelt und damit in Kauf genommen, dass so eine Partei zur Selbstradikalisierung neigt?

          Der gärige Haufen war anfangs doktrinär untergärig. In der Hefe des Jahres 2015 hat sich das schlagartig geändert. Selbstradikalisierung hat sich bezahlt gemacht. Erste Mandate im verhassten Brüssel und Straßburg wurden errungen, nicht etwa, weil die Partei über ein konzises Programm verfügt hätte, sondern weil sie so viele Leerstellen anbot, an die quecksilbrige Opportunisten andocken konnten.

          Maischberger Dreierbande

          Jetzt aber legt erst einmal Maischbergers Dreierbande los, um im Parforceritt durchzuhecheln, was die letzte Woche zu bieten hatte. Schauspieler Til Schweiger hat den jüngsten Tatort und die Vorabkritik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisiert. So what? Auch Nikolaus Blome von der „Bild“ hat den Tatort gesehen und nicht verstanden. Ihn interessiert mehr der Vorstoß der Bundesbank, der „Generation Greta“ Rente erst ab 70 zu gewähren. Gretas Generation könnte als Retourkutsche danach fragen, was der Goldschatz der Bundesbank beruflich macht und warum er nicht dazu herangezogen wird, als Startkapital eines Staatsfonds zu dienen, der investiv mehrere Versäumnisse der deutschen Politik zu beheben helfen könnte: von Bildung über Infrastruktur bis zu Klimapolitik und sozialer Sicherung.

          Die Bundesbank ist nicht dazu bestimmt, Omelettes surprises zu liefern. Ihre Intervention schreckt die SPD aus dem Sekundenschlaf, in dessen hellsichtigen Pausen sie darüber nachdenkt, wie sie die Halbzeitbilanz der eigenen Arbeit in der Regierung bewerten soll. Die harsche Reaktion des Bundesaußenministers auf Pläne der Verteidigungsministerin wirkt so, als sei sie eigenen Plänen zuvorgekommen, was ja nicht schlecht sein müsste, wenn zwei in dieselbe Richtung denken angesichts der chaotischen Situation in Nordsyrien.

          Die Bundesbank findet im politischen Raum kein Echo. Dass Bundesinnenminister Horst Seehofer mit 69 Jahren noch arbeitet, hat kaum etwas mit den Pensionsansprüchen eines Sozialwirts im gehobenen Dienst zu tun. Als der Radio- und TV-Moderator Micky Beisenherz drei Jahre alt war, zog Seehofer erstmals in den Bundestag und fuchste sich in BTX ein.

          Beachtliche Halbzeitbilanz?

          Ferdos Forudastan, Innenpolitikchefin der Süddeutschen Zeitung, findet die Halbzeitbilanz der Bundesregierung beachtlich. Sie wundert sich darüber, wie schwer sich die Verantwortlichen damit tun, ihre Erfolge zu vermarkten. Verzagt geht das nicht. Die Bundesregierung mache Politik, als befänden wir uns noch im Jahr 2014, behauptet Nikolaus Blome, sie wirke, als sei sie aus der Zeit gefallen, als habe sie die Dramatik der kommenden Umbrüche verschlafen.

          Hässlicher springt die Dreierbande mit Heiko Maas um. Seine Selbstinszenierung scheine darauf erpicht, durch Werbung zu ersetzen, was er politisch nicht liefere. Noch schlechter kommt nur Verkehrsminister Andreas Scheuer weg. Nicht einmal Blome will ihn noch verteidigen. Erstaunen erntet Jens Spahn, der seine Niederlage beim Kampf um den CDU-Parteivorsitz durch zahllose Initiativen wettmacht.

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