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TV-Kritik: „Maischberger“ : ARD und ZDF in der letzten Reihe?

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger mit Georg Kofler (links) und Tom Buhrow Bild: WDR/Max Kohr

Wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen über sich selbst diskutiert, wird es mitunter skurril. So auch in der Sendung von Maischberger gestern Abend. Dabei könnte es so einfach sein.

          Den Medienwandel hat der Kabarettist Emil Steinberger am Mittwochabend gut beschrieben. Er ist im Jahr 1933 geboren, somit sicherlich kein Experte für die ominöse Digitalisierung. Aber mit seinem Unverständnis brachte er den Medienwandel gut zum Ausdruck. Er wunderte sich im Interview mit Sandra Maischberger über die Studenten aus St. Gallen, die „beim Bier“ auf eine interessante Idee kamen. Nämlich in der Schweiz durch eine Volksabstimmung die verbindliche Rundfunkabgabe abzuschaffen. Das bedeutete dort das faktische Ende des öffentlichen-rechtlichen Fernsehens. Und das ohne eine Idee, wie es danach weitergehen soll, so Steinberger.

          Das war die entscheidende Frage: Wie kommen die auf so eine Idee? Sicher gibt es bei einigen Unterstützern politische Motive. Die Rechte störte schon immer ein kritischer Journalismus. Aber letztlich ist diese Initiative Ausdruck eines gravierenden Veränderungsprozesses. Viele Menschen brauchen offensichtlich keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr. Sie finden online und in sozialen Netzwerken eine beispiellose Medienvielfalt, selbst wenn sie sie nur zur Bestätigung der eigenen Meinung nutzen. Diese Bürger sollen aber gleichzeitig mit einer Abgabe dafür zahlen. Das empfinden sie als Zwang. Es zerrüttet die Legitimation der altehrwürdigen Rundfunkanstalten.

          Populärer als Politiker

          Kein Wunder, wenn ARD und ZDF diese Volksabstimmung als Menetekel empfinden. Das ist sogar unabhängig von ihrem Ausgang am Sonntag. Selbst eine deutliche Niederlage können die Befürworter der Abschaffung als Sieg verbuchen. Die Unterstützer des alten Mediensystems finden sich vor allem in den älteren Jahrgängen. So befasste sich die ARD gestern Abend in weiten Teilen mit sich selbst. Es gab Beiträge in Plusminus und den Tagesthemen, unter anderem mit einem Kommentar von Sonia Mikich. Anschließend fragte Maischberger: „Wozu brauchen wir noch ARD und ZDF?“ In die Sendung eingeschoben war zudem ein „Weltspiegel extra“ mit Berichten über die Lage der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in anderen Ländern Europas. Der über Norwegen geriet dabei fast schon zur kitschigen Posse. Dafür brachte ein Veteran der BBC auf den Punkt, was seinen Sender vor politischen Anfeindungen geschützt hatte: Die BBC wäre am Ende „doch populärer gewesen als die Politiker“.

          Da sind sich ARD und ZDF nicht mehr so sicher. Thomas Gottschalk empfahl ihnen sogar „mehr Arroganz“ zu zeigen, gerade in Abgrenzung zu anderen Medienanbietern. Nur worauf soll die beruhen? Auf guten Journalismus. Den erläuterte die Tagesthemen-Moderatorin Pinar Atalay. Sie verwies auf das Korrespondenten-Netz und die ungebrochene Reputation der Tagesschau. Jeden Tag einen informativen Überblick über das Geschehen zu bieten. Darum geht es. Im Weltspiegel ging es aber im Beitrag über Norwegen nicht etwa um Journalismus. Vielmehr darum, wie der dortige Sender NRK das Volk der Samen integriert. Und ob eine gebürtige Norwegerin, die mit einem Samen verheiratet ist, darüber berichten könnte. Solche Identitätsfragen beschäftigten die Autoren. Nur ist es das kein Journalismus, sondern Gesellschaftspolitik. Man kann ein guter (oder schlechter) Journalist sein, völlig unabhängig von seiner Herkunft, seinem Geschlecht oder seiner sexuellen Orientierung. Atalay machte schon in den Phoenix-Runden einen guten Job, allerdings wegen ihrer Professionalität. Sie schaffte das als Arbeiterkind ohne Studium. Wen interessiert dann ihre Identität?

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