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TV-Kritik „Maischberger“ : Sandras Flotte Lotte

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger Bild: dpa

Im Kessel Buntes von Sandra Maischberger liegen diese Woche der brennende Regenwald, die nicht brennende SPD, die kokelnde Vermögenssteuer und der vor allem für sich brennende Gregor Gysi. Italien und England sind zu weit weg. Oder zu kompliziert.

          6 Min.

          In diesem Format haben die Gäste aus der Publizistik (Susanne Gaschke, Anja Kohl und Michel Friedman) die Aufgabe, wie eine Echokammer die Aussagen der Einzelgäste (der Klimaforscher Karsten Brandt, die kommissarische SPD-Vorsitzende Malu Dreyer und Gregor Gysi) hin- und herzuwenden. Das Publikum im Studio darf Beifall spenden oder besorgt in die Kameras schauen.

          Den Anfang macht der Klimaexperte Karsten Brandt. Die Satellitenbilder vom Regenwald in Südamerika und im Herzen Afrikas zeigen riesige Brände. Das Wetterphänomen des El Nino hat zuvor für zu trockene Sommer gesorgt. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat Viehzüchter, Schatzsucher und Landwirte dazu animiert, die Wälder in Brand zu setzen. Der brennende Regenwald ist daher nicht nur eine Naturkatastrophe, sondern auch ein Fall vorsätzlichen Staatsversagens, auf den die Weltgemeinschaft unvorbereitet ist. Wie antworten die Vereinten Nationen auf diesen Fall flagranten Schadens an der globalen Daseinsvorsorge? Haben die dazu fähigen Geberländer für den Erhalt des Regenwaldes zu wenig Mittel eingesetzt? Bolsonaro hat früh und unmissverständlich angekündigt, was er vorhat.

          Im Amazonas brennt eine Fläche, die so groß ist wie die Europäische Union. Die Wertschöpfung, die Viehzüchter, Sojabauern und Schatzsucher erzielen, wird nur kurzfristig sein. Die Böden sind bald ausgelaugt. Was Goldgräber hinterlassen, ist auf lange Zeit Giftdeponie. Dass der Regenwald sich in vielleicht hundert Jahren regenerieren könnte, ist ungewiss. In der lokalen Gewinn- und Verlustrechnung gibt es für kurze Zeit ein Plus, dann auf lange Zeit ein unabsehbares Minus.

          Pariser Klimaabkommen

          Die globale Rechnung sieht brutaler aus. Die von den Klimaforschern errechneten Temperaturen werden dramatischer ansteigen. In den Ergebnissen der Pariser Klimakonferenz basierten die Verpflichtungen auf der Annahme, dass 50 Prozent des Klimaschutzes durch die Regenwälder erbracht würden. Wenn sie abgefackelt werden, kommt das einem Fortfall der Geschäftsgrundlage gleich. Dann müssen die Anstrengungen der Industrieländer wesentlich schneller und radikaler ausfallen.

          Ein weiterer Treiber dieses verhängnisvollen Kreislaufes ist die amerikanische Handelspolitik. Die Chinesen kaufen jetzt in Brasilien Soja, statt bei amerikanischen Farmern. Ob es klug war, als Emmanuel Macron sagte, im Amazonas brenne unser Haus, sei dahingestellt, aber wie kann globale Daseinsvorsorge so formuliert werden, dass sie nicht auf gut geölte Reaktionen („Kolonialismus“) trifft?

          Die Franzosen würden sich auch bedanken für deutsche Kritik an ihrer nuklearen Stromversorgung. James Lovelock schrieb mal, die Erde brauche nicht den Menschen, aber die Menschen die Erde. Wird daher der Mercosur-Handelsvertrag scheitern oder wäre der Versuch, mit ihm Einfluss auf regionale Politik zu nehmen, auch zum Scheitern verurteilt? Wer stellt Brasilien eine Rechnung für die ungeheuren Mengen an CO2, die der brennende Regenwald in die Atmosphäre jagt? Oder gäbe es umgekehrt Geldtransfers für den Sauerstoff, den ein intakter Regenwald erzeugt?

          Trivial wirkt es, wenn die „Welt“-Journalistin Susanne Gaschke, früher war sie Oberbürgermeisterin von Kiel, dafür plädiert, im Gespräch zu bleiben. Das waren auch Molotow und Chamberlain, nur mit welchem Ergebnis? Macrons Regie für den G7-Gipfel kann man zugute halten, dass sie durch den Verzicht auf ein Kommuniqué und durch den Joker des iranischen Außenministers wieder zu dem deliberativen Format gefunden hat, das einst Helmut Schmidt und Giscard d´Estaing ersonnen hatten.

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