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TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Wie kann Trump noch gewinnen?

  • -Aktualisiert am

Frank Plasberg diskutiert in seiner Sendung „Hart aber fair“ am 2. November 2020 mit seinen Gästen die bevorstehende Präsidentschaftswahl in Amerika. Bild: WDR/Dirk Borm

Die Präsidentschaftswahl in Amerika ist für viele ein Kampf zwischen Gut und Böse. Aber nicht jeder Trump-Fan ist böse. Diese Erkenntnis könnte Demokraten und Medien helfen, den politischen Gegner nicht zu unterschätzen.

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          Im Jahr 2016 galt Hillary Clinton noch am Wahltag als wahrscheinliche Siegerin. Die Meinungsumfragen prognostizierten einen sicheren Vorsprung der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin, erst im Laufe der Wahlnacht sollte sich das ändern: Ihr Gegenkandidat Donald Trump gewann der Reihe nach die wahlentscheidenden Swing States. Am Morgen nach der Wahl war der Katzenjammer groß, die Irritation in den deutschen Medien noch größer. Berühmt wurden die Titelbilder des Spiegel, die etwa einen die Welt verschlingenden Donald Trump zeigten. Die meisten der damaligen Warnungen vor einem Krieg oder der Abschaffung der amerikanischen Demokratie sind zwar in Vergessenheit geraten, bestimmen aber heute wieder die Schlagzeilen.

          Es wird das erzählt, was wir schon damals hörten: Joe Biden gilt als sicherer Sieger, weil die Demoskopen jetzt wirklich richtig liegen werden. Und falls Trump trotzdem gewinnen sollte, wird das passieren, was man schon vor vier Jahren befürchtete. Wobei der amerikanische Präsident dafür eine gute Gelegenheit verpasst hat: Die Pandemie-Bekämpfung hätte die Durchsetzung eines autoritären Staates ermöglicht, in dem die Exekutive durchregiert. Stattdessen erlebten die Amerikaner die chaotische Kommunikation des Mannes im Weißen Haus. Auch beim Umgang mit einem Virus geht es bei Donald Trump erst einmal um Donald Trump.

          Versuchen, die andere Seite zu verstehen

          Nun ist nichts leichter, als über die Bretter vor dem Kopf der anderen zu diskutieren. Die eigenen sieht man halt nicht so gut. Das gilt nicht zuletzt für Journalisten, den Autor dieser Zeilen eingeschlossen. Umso bemerkenswerter ist es, wenn Kollegen ihre Perspektive nicht nur von Wunschgedanken bestimmen lassen. Dieses Kunststück gelang Ingo Zamperoni und Matthew Karnitschnig, Europa-Korrespondent des amerikanischen Online-Nachrichtenportals „Politico“.

          Der Tagesthemen-Moderator eröffnete diesen Abend in der ARD über die Präsidentschaftswahlen mit einer sehenswerten Reportage über die politische Atmosphäre in den Vereinigten Staaten. Anschließend war er aus Washington in die Sendung von Frank Plasberg zugeschaltet. Zamperoni machte dabei keinen Hehl aus seiner eigenen Haltung, die mit der Lebenswelt und der Ideologie der Republikaner wenig anfangen kann. Trotzdem bemühte er sich, die Perspektive dieses Lagers zu verstehen.

          Dabei half zweifellos sein Schwiegervater, ein überzeugter Trump-Wähler. Dieser ist kein Rechtsextremist, kein Klu-Klux-Klan-Anhänger oder dogmatischer Evangelikaler. Er hat schlicht gute Gründe für seine Wahlentscheidung, selbst wenn Zamperoni und seine amerikanische Ehefrau das anders sehen. Das anzuerkennen, bedeutet, den politischen Gegner nicht mehr als Feind zu betrachten. Es ist auch nicht zu erwarten, dass Zamperonis Schwiegervater einem Wahlverlierer Trump unterstützen wird, um ihm trotzdem an der Macht zu halten.

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