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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Sizilianische Verhältnisse in Deutschland?

  • -Aktualisiert am

Deren widersprüchliche Lage wurde an Ahmad Omeirat deutlich. Er entstammt dem Milieu, das mittlerweile als Keimzelle organisierter Kriminalität identifiziert wird. Omeirat sitzt für die Grünen im Essener Stadtrat. Nachvollziehbarerweise wollte er nicht mit kriminellen Machenschaften identifiziert werden. Nur warum jeder, der, wie Sundermeyer oder Frau Leister, das Wort „Clan“ benutzt, kein Interesse an Integration haben soll, konnte er nicht erklären.

Nicht jeder mit dem Nachnamen Omeirat ist ein Schwerkrimineller. Wer das behauptete, wäre ein Rassist. Aber nicht jeder, der so heißt, ist deswegen berufen, mit multikultureller Beliebigkeit jedes Problem abzustreiten. Omeirat machte keine Anstalten über die soziokulturellen Missstände in seiner Community zu reden. Vielmehr beschränkte er sich darauf, die Deutschen für jedes Integrationsproblem verantwortlich zu machen. Dabei ließ Reul keinen Zweifel am Versagen der deutschen Politik im Umgang mit diesen Gruppen. Er wollte sich aber auch nicht „von diesem Gerede in die Defensive drängen lassen.“

Wenig ehrenwerte Gesellschaften

Omeirat macht in einem bezeichnenden Satz die Misere der deutschen Einwanderungspolitik deutlich: „Wir sind in dieses Land eingereist, weil der Rechtsstaat das zugelassen hat.“ Was wollte er den Zuschauern damit sagen? Selbst schuld? Dieser Staat hat die berechtigte Erwartung an diese Menschen, sich seinen Bedingungen unterzuordnen. Der Rechtsstaat orientiert sich an Gesetzen, nicht am Solidaritätsverständnis vormoderner Clanstrukturen. Das gilt für alle, keineswegs nur für Einwanderer. Wenn das über den demokratischen Diskurs nicht gelingen sollte, wird das der Rechtsstaat mit Repression durchsetzen müssen.

An seiner Entschlossenheit ließ Reus keinen Zweifel, wenn auch Sundermeyer über die Erfolgsaussichten dieser Strategie seine Zweifel deutlich machte. Dem Ethnozentrismus dieser Milieus ist tatsächlich nicht allein mit Polizei und Justiz beizukommen. Ihnen muss gleichzeitig das Gefühl vermittelt werden, in dieser Gesellschaft ankommen zu können. Wobei Michael Kuhr in einer Nebenbemerkung deutlich machte, was die Politik in den vergangenen Jahren zur Kursänderung veranlasste. Der Betreiber eines Sicherheitsdienstes in Berlin fragte nämlich, was passierte, wenn die in den vergangenen Jahren aufgenommenen Flüchtlinge ein mit diesen Clans vergleichbare Mentalität entwickelten.

Das zu verhindern, ist die eigentliche Aufgabe der Politik: mit positiven Integrationsangeboten und strafrechtlicher Repression bei Gesetzesverstößen.

Jenseits dessen gibt es immerhin einen gravierenden Unterschied zu sizilianischen Verhältnissen: Dort war der italienische Staat lange Zeit ein Fremdkörper. Die Abschottung unserer mafiösen Milieus als Parallelgesellschaft hat aber den paradoxen Effekt, unsere Gesellschaft vor der völligen Korrumpierung zu bewahren. So weit reicht der Einfluss solcher wenig „ehrenwerten Gesellschaften“ bei uns zum Glück noch nicht. Das ist immerhin eine Erkenntnis dieser alles in allem gelungenen Sendung.

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