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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Jenseits der medialen Aufmerksamkeitszyklen

  • -Aktualisiert am

Frank Plasberg widmet sich echter Politik und diskutiert mit seinem Gästen die Zukunft der Pflege. Bild: © WDR/Oliver Ziebe

In all der Aufregung um den Nahles-Rücktritt beschäftigt sich Frank Plasberg mit der wirklichen Politik. Es kommt zu einer interessanten Diskussion um die Zukunft der Pflege. Das geht uns alle an.

          Den Darwin-Award bekommen jene Zeitgenossen, die sich auf besonders skurrile Art um ihre Fortpflanzungschancen brachten. Die Preisträger zeichnen sich durch ein besonderes Missverhältnis in der Zweck-Mittel-Relation aus. Die Sozialdemokratie könnte in diesem Jahr zum Favoritenkreis für diese seit dem Jahr 1994 vergebene Auszeichnung gehören.

          So passte die Sendung von Frank Plasberg zum Thema Pflege gut ins Programm – und wirkte trotzdem wie aus der Welt gefallen. Es ging nicht um den Weltuntergang, sondern um die Zukunft in der Pflege. Und das an einem Tag, wo sich alle mit dem versehentlichen Ableben der Sozialdemokratie beschäftigten.

          Denn eigentlich geht es nur um das ewig gleiche Ritual: Eine erst seit kurzer Zeit amtierende Parteivorsitzende wieder loszuwerden. Sie war halt so, wie sie jeder kannte, auch schon vor ihrer Wahl. Das gelang überraschend gut, wie immer mit tätiger Mithilfe der Medien. So trat am vergangenen Sonntag Andrea Nahles zurück und verabschiedete sich zugleich aus der Politik. Der Zweck war somit erreicht, um allerdings mittlerweile das eigentliche Ergebnis zu bemerken. Die Sozialdemokratie hat versehentlich Selbstmord begangen.

          Am Tag danach gibt es die SPD zwar noch als Organisation. Mit einer Parteizentrale in Berlin, Mitgliedern und Funktionsträgern. Mit viel Gefühl wurde bestimmt auch die zurückgetretene Vorsitzende im Parteivorstand verabschiedet. Sentimentalität wurde schon öfter mit Empathie verwechselt. Anschließend gingen ihre Stellvertreter vor die Presse, um mit bedeutungsschweren Worten halt etwas zu sagen: Krise, Neuanfang, bessere Umgangsformen und politische Inhalte. Ältere Zeitgenossen haben das alles schon ein dutzend Mal gehört. Der Unterschied ist nur der, dass es mit dem Sturz von Andrea Nahles und ihres Vizekanzlers am Sonntag das verbliebene Zentrum der Partei erwischte.

          Plasberg hatte drei Bundesminister eingeladen: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dazu noch Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD).

          Das waren früher die Funktionäre, die unterschiedliche Milieus banden und in der Partei repräsentierten. Mittlerweile ist diese Partei ein Ansammlung von Individualisten, die außer sich selbst, niemanden mehr binden. Jeder betrachtet Sozialdemokratie als eine Art Privatissimum. In den sozialen Netzwerken findet das seinen spezifischen Ausdruck. So hat der Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach etwa seinen Twitter-Account zum Kunstwerk gemacht. Dort findet der Leser jeden Tag alles Wissenswerte über die Schlechtigkeit der Welt. Er repräsentiert eine Partei, die in den vergangenen zwanzig Jahren fast ununterbrochen regierte.

          Tiefpunkt bei Anne Will

          Andrea Nahles und Olaf Scholz waren die letzten Mohikaner, die in diesem Haufen die Wirklichkeit nicht nur als Beleidigung des eigenen Weltbildes verstanden. Politik als Gestaltungsaufgabe ist eine sozialdemokratische Kernkompetenz. Dabei nicht im Alltagstrott zu versauern, der Unterschied zur konservativen Konkurrenz. Das wurde am Sonntag über Bord geworfen. Der Tiefpunkt war der Auftritt von Scholz bei Anne Will. Dort ließ er sich zusammen mit dem früheren CDU-Umweltminister Norbert Röttgen von einer Vertreterin der Grünen im außerparlamentarischen Kampagnen-Netzwerk abkanzeln. Beide wirkten wie kleine Jungs in kurzen Hosen. Die Wissenschaft wird bekanntlich zur Zeit gerne in Anspruch genommen. Sie hat sicherlich auch festgestellt, dass kleine Jungs in kurzen Hosen über nur geringe Autorität in Kommunikationssituationen verfügen.

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