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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Jenseits der medialen Aufmerksamkeitszyklen

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So saß Scholz gestern Abend im ZDF-Spezial, um diesen Eindruck zu korrigieren. Mit der ihm eigenen Ruhe und Gelassenheit beantwortete er die Fragen, die aber andere als Schläfrigkeit empfinden. Aber man kann es nicht allen recht machen, noch nicht einmal Studentinnen. Zudem musste er den Eindruck zerstreuen, der Sturz der Vorsitzenden wäre zugleich sein eigener Untergang gewesen.

Politisch ging es ihm darum, seine Partei als verlässlichen Partner zu präsentieren. Zwar hatte schon immer jede Partei ein natürliches Interesse daran, Koalitionskrisen als Sprungbrett für mögliche Wahlsiege zu nutzen. Das würde aber aktuell nur den Grünen nutzen. Diese haben schließlich eine famose Doppelstrategie entwickelt. Sie schicken ihre Kinder mit der Angst vor dem Weltuntergang auf die Straße, um aber gleichzeitig als Partei fröhlichen Optimismus auszudrücken. Das ist das Kontrastprogramm zur Tristesse der Berliner Koalitionsparteien – und damit das Problem von Union und SPD.

Anstandswauwaus in den Medien

Aber zurück zur Sendung von Frank Plasberg: Der Moderator konnte sich nicht die Bemerkung verkneifen, es gäbe noch andere Themen als der Klimawandel. Die Anstandswauwaus in den Medien hatten ihn schließlich für seine Sendungen über die Flüchtlingskrise kritisiert. In der ARD nennen sie sich Faktenfinder oder moderieren „Monitor.“ Damals war die Pflege ein großes Thema, weil es gerade nicht um das AfD-Thema Flüchtlinge ging. Für den Klimawandel interessierten sich damals noch nicht einmal die Grünen. Das hat sich bekanntlich geändert. Schließlich ist das deren Thema. Wobei sich die Faktenfinder jetzt darüber empören könnten, sich nicht am Framing grüner Themen beteiligen zu wollen. Das könnte damit zu tun haben, dass sich Plasberg als Journalist und nicht als Aktivist versteht.

Diese Sendung war lange geplant. Die Bundesregierung hat mit der „Konzertierten Aktion Pflege“ einen Handlungsrahmen geschaffen, um auf die im Bundestagswahlkampf diskutierte Problematik zu reagieren. Plasberg hatte drei Bundesminister eingeladen: Bundessozialminister Hubertus Heil, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (beide SPD) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Einträchtig standen sie auf der einen Seite des Studios. Sie trafen auf vier Experten aus diesem Sektor „mit 5,7 Millionen Beschäftigten“, wie Frau Giffey feststellte.

Das waren die Auszubildende Clarissa Gehring, die Gewerkschafterin Silke Behrendt-Stannis, der Medizin-Journalist Gottlob Schober und der Pflegeheim-Betreiber Bernd Meurer. So bedankte sich Spahn, an diesem Thema festgehalten zu haben, anstatt über die SPD und die Lage der Koalition zu diskutieren. Den drei Politikern war ihre Irritation über mediale Aufmerksamkeitszyklen anzumerken. Sie müssen umsetzen, was noch vor einem Jahr die politische Agenda bestimmte. Die Pflege interessiert aber niemanden mehr, außer Fachjournalisten wie Schober. Da konnten die anwesenden Minister die gesellschaftspolitische Bedeutung und Sprengkraft des Themas noch so sehr hervorheben.

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