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TV-Kritik: Hart aber fair : Hasspropaganda und geistiger Müll

  • -Aktualisiert am

Zu Gast bei Frank Plasberg sind Uwe Junge von der AfD, Georg Mascolo, Journalist, Herbert Reul, CDU-Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Irene Mihalic von den Grünen und Mehmet Daimagüler, Strafverteidiger Bild: WDR/Dirk Borm

Zuletzt wurde viel über die Rolle der AfD in Bezug auf rechtsextremistischen Terror diskutiert. Jetzt hat Frank Plasberg einen ihrer Vertreter in seine Talkshow eingeladen. Die Empörung war groß – und die Folgen bemerkenswert.

          In sozialen Netzwerken können die Zuschauer ihre Mitmenschen live bei der Synthese von Denken und Sprechen erleben. Das ist wie früher beim Stammtisch, nur halt mit größerer Reichweite. Das war auch gestern wieder zu erleben. Frank Plasberg diskutierte über „Aus Worten werden Schüsse – wie gefährlich ist rechter Hass?“ Er hatte das getan, was früher als selbstverständlich galt: Mit denen zu diskutieren, die seit Wochen heftigen Vorwürfen ausgesetzt sind.

          Hier betrifft es die AfD und ihre politische Rolle im Umfeld jenes Rechtsextremisten, der den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet hat. Schon die Einladung des AfD-Politikers Uwe Junge sorgte für Empörung in den bekannten Verlautbarungsmedien. Die lassen sich nicht alle zitieren, aber zwei Tweets sind bemerkenswert. Sie dokumentieren, wie die Synthese aus Denken und Sprechen es schafft bisweilen ohne Nachdenken auszukommen.

          „Dafür entschuldigen wir uns“

          Das erste Beispiel stammt vom SPD-Politiker Ralf Stegner. Er berichtete während der Sendung über seine Eindrücke: „Herr Junge von der AfD, der bei „Hart aber Fair“ seine rechte Hasspropaganda und seinen geistigen Müll abladen darf, ist ein elender Hetzer und seine Partei besteht aus rechtsradikalen Demokratiefeinden. Diese Leute müssen mit allen friedlichen Mitteln bekämpft werden!“

          Nun war Stegner schon öfter ein Experte darin, sein Denken als Selbstbezichtigungsschreiben zu formulieren. So könnte man sich hier die Frage stellen, ob Hasspropaganda über Hasspropaganda nicht auch ein Thema für Freunde der Metaebene sein müsste. Grotesker ist aber seine Fehlwahrnehmung. Junge war in Wirklichkeit an staatstragender Rhetorik nicht zu überbieten. Es gab keine einzige Aussage von ihm, wo Stegner einen Beleg für seine wilden Thesen hätte finden können.

          Im zweiten Tweet offenbarte sich ein Social-Media-Redakteur des Ersten. Um sich der Anfeindungen wegen dieser Selbstverständlichkeit namens Einladung zu erwehren, schrieb er: „Die Redaktionen der Talksendungen bemühen sich insbesondere, AfD-Vertreterinnen kein Forum für ihre Zwecke zu bieten. Je nach Thema ist es aber von Fall zu Fall nötig, AfD-PolitikerInnen selbst zu Wort kommen zu lassen.“

          Das war scheinbar die Bestätigung dessen, was viele schon immer vermuteten: Die AfD als größte Oppositionspartei wird systematisch ausgegrenzt. Das wiederum rief die Chefin der Zuschauerredaktion des Ersten auf den Plan, um sich in Relativierung zu üben. Dieser Tweet sei „leider nicht mit der Redaktion von Hart aber fair abgestimmt. Dafür entschuldigen wir uns. Wir betonen, dass bei uns für alle Parteien dieselben Standards gelten.“ Womit Sabine Knott allerdings dieser Redaktion die Verantwortung zuschob. Ansonsten hätte sie den Grundsatz als den des Ersten formuliert. Die müssen das wohl anders sehen als Frank Plasbergs Redaktion.

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