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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Der simuliert doch

Immerhin gelingt es Gastgeber Plasberg, die Diskussion dann doch noch von den Wartezeiten weg und zu der Frage zu lenken, woher die Versorgungsengpässe in den Städten und auf dem Land kommen. Daran, dass es zu wenig Mediziner in Deutschland gibt, liegt es schon einmal nicht, da ist sich die Runde einig – auch wenn an einer Stelle darauf hingewiesen wird, dass es vor der Wiedervereinigung mehr Studienplätze gab. Stattdessen setzt das System den Ärzten oft die falschen Anreize, wie der Gesundheitswissenschaftler der Uni Bremen, Gerd Glaeske, ausführt – etwa indem sich viele dort ansiedeln, wo es viele Privatpatienten gibt, die für den Arzt lukrativer sind als Kassenpatienten, weil er für dieselben Leistungen besser bezahlt wird. Allerdings beschränkt sich die Runde auch in diesem Punkt zu sehr darauf, das Problem zu beschreiben, als nach Lösungen zu suchen.

Lediglich in einem Punkt wird die Wirkung eines Gesetzes aus der Feder von Spahns Vorgänger Hermann Gröhe (CDU) einmal ausführlich diskutiert. Das „GKV-Versorgungsstärkungsgesetz" aus dem Jahr 2015 sollte die Kassenärztlichen Vereinigungen dazu bringen, dass sie frei gewordene Arztsitze in Gebieten mit einer Überversorgung aufkaufen, damit sich junge Mediziner andernorts niederlassen. Doch eine lange Liste von Ausnahmen führt dazu, dass die Vereinigungen das Gesetz vielfach umgehen und dies teils auch offen zugeben, wie eine gewinnbringende Recherche von „Hart aber fair“ ergeben hat.

Aufreger Grippeschutzimpfung

Die Bedeutung der gedeckelten Budgets für die Behandlung von Kassenpatienten wurde immerhin angerissen, die Rolle von Medizinischen Versorgungszentren war dafür kein Thema, auch die oft überlasteten Krankenhäuser, die überdies gerade mitten in einer ganz eigenen Strukturreform stecken, wurden nicht angesprochen. Genauso erging es der Landarztquote, also dem politisch gewollten Kontingent an Medizinstudienplätzen, das Bundesländer für jene Bewerber vorhalten können, die sich verpflichten, nach dem Examen als Landarzt zu arbeiten.

Dafür lenkt die Sendung den Blick der Zuschauer auf ein weiteres Thema, das wiederum eher die Gefühle anspricht als das eigentliche Problem zu adressieren – die Grippeschutzimpfung, die in diesem Jahr weniger wirksam war als zuletzt, weil sich ein bestimmter Stamm des Influenza-Virus unerwartet stark ausgebreitet hatte. Weil Privatversicherte vielfach die etwas wirksamere Vierfachimpfung bekamen, Kassenpatienten diese aber oft nur auf Nachfrage erhielten (und ihnen stattdessen ein Dreifachwirkstoff injiziert wurde, der meist ebenso gut wirkt, nur in diesem Jahr eben nicht), sollte an diesem in vielerlei Hinsicht heiklen Thema die Zwei-Klassen-Medizin durchdekliniert werden – dass das Sujet dafür völlig ungeeignet und sowieso sehr komplex sei, davor warnt Gesundheitsökonom Glaeske dann aber dankenswerterweise früh und auch hinreichend vehement.

Geradezu überflüssig war hingegen die Diskussion, ob es Spahn als Gesundheitsminister nun zusteht, sich – wie unlängst geschehen – zugespitzt über die Wirkung von Hartz IV zu äußern, also zu einem Politikfeld, das nicht unmittelbar in seiner Ressortverantwortung als Bundesminister liegt. So mancher Kommentator hatte sich in den vergangenen Tagen dazu hinreißen lassen, dem CDU-Politiker den Mund zu verbieten. Ob er nicht ausgelastet sei in seinem Amt, will Plasberg von Spahn wissen. Der behält die Fassung, auch wenn man ihm anmerkt, wie sehr ihn das wurmt – die Frage an sich und der Zynismus, dass sie ausgerechnet in einer Sendung gestellt wird, in der es eigentlich um Gesundheitspolitik gehen soll. Der Angegriffene kontert wirkungsvoll. An Plasberg gewandt, sagt er, dass doch auch diese Sendung von ebenjener Form der Debatte und der Kontroverse lebt.

Spätestens das ist der Moment, da man sich auf einer beliebigen Party wohl diskret an den Gastgeber wendet, ihm der Form halber noch einmal für die Einladung dankt, seinen Mantel nimmt – und geht.    

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