https://www.faz.net/-gqz-a2nhy

TV-Kritik: Hart aber fair : Warum der Appell an amerikanische Werte ein Irrweg ist

  • -Aktualisiert am

TV-Moderator Frank Plasberg Bild: obs

Frank Plasberg will von seinen Gästen wissen, ob Amerika an Donald Trump zerbricht. Ein Vertreter der Republikaner fühlt sich genötigt, die öffentlich-rechtlichen Sender an ihren Programmauftrag zu erinnern.

          5 Min.

          In der deutschen Amerika-Publizistik gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert eine Konstante. Dem Land der Freiheit seine Doppelmoral und kulturelle Rückständigkeit vorzuwerfen. Das änderte sich zwar nach dem Zweiten Weltkrieg, aber das blieb nur von kurzer Dauer. Mit dem Vietnamkrieg wurden die Vereinigten Staaten gerade in der Perspektive vieler Linken wieder zu einem Staat über den man viel zu sagen hatte, aber selten etwas Gutes. Außer natürlich, wenn es gerade nicht  um die weitgehende Übernahme des amerikanischen Lebensstils gegangen sein sollte. Linke Antiamerikaner waren immer amerikanisch sozialisiert. Es hatte damit ein Rollentausch stattgefunden, weil der Antiamerikanismus bis 1945 vor allem im rechten Lager zu finden war. Das wurde aber nach 1945 zum wichtigsten Unterstützer des transatlantischen Bündnisses.

          Vor diesem historischen Hintergrund sollte man diese bemerkenswerte Sendung betrachten. Es ging um den „Wahlkampf mit allen Mitteln – zerbricht Amerika an Donald Trump?“ Daran lassen die meisten unserer Kommentatoren bekanntlich keinen Zweifel. Sie sehen es wie der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden als einen „Kampf gegen die Finsternis“. Die hätte der frühere Präsident Ronald Reagan zweifellos noch in der damaligen Sowjetunion vermutet, unter lebhaften Protest der westdeutschen Presse. Die Kritik am manichäischen Denken amerikanischer Konservativer gehörte zu deren Allgemeingut. Insofern ist Christiane Meier durchaus repräsentativ für unsere gegenwärtige Publizistik: Die Leiterin des ARD-Studios in New York sieht den derzeitigen Präsidenten in einem fundamentalen Gegensatz zu den amerikanischen Werten. Diese erfreuen sich einer erstaunlichen Renaissance. Linksradikale riefen früher auf ihren Demonstrationen „USA, SA, SS“, um ihr Verständnis des amerikanischen Wertesystems auszudrücken. Heute gilt der Faschismus-Vorwurf nicht mehr dem Land, sondern nur noch ihrem Präsidenten.

          Angriff auf die freie Presse

          Das könnte man für einen Fortschritt halten, aber verdeckt wohl die eigentlichen Konflikte. Dabei geht es keineswegs um George Weinberg, der bei Frank Plasberg die Republikaner vertrat. Er begründete seine Unterstützung für Donald Trump sachlich und ohne jede Aggressivität. Dass ihm dessen lautsprecherisches Auftreten nicht gefiel, wurde durch seine Reaktion auf das beharrliche Nachfragen des Moderators deutlich. Er bevorzugte das beredte Schweigen. Natürlich wollte er sich nicht im Wahlkampf von Trump distanzieren. Trotzdem wirkte Weinberg nicht wie ein Vertreter der Finsternis, der in den Vereinigten Staaten die Demokratie abschaffen will. Wie polarisiert die Debatte ist, wurde aber durchaus deutlich. So kritisierte Weinberg die einseitige Berichterstattung in den klassischen Medien. Die meisten Journalisten seien links und definierten sich als pro-demokratisch. Dann erinnerte er Frau Meyer sogar noch an den Programmauftrag unserer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, die sie zu Ausgewogenheit und fairer Berichterstattung verpflichteten. Diese harmlose Kritik interpretierte die ARD-Korrespondentin so: Hier zeige sich, mit welcher „Brachialität die freie Presse angegriffen wird“. Dazu gehöre „auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk.“ Um das zu übersetzen: Weinberg hat sich zwar den Vorwurf anzuhören, die amerikanische Demokratie mit seiner Unterstützung für Trump zu gefährden. Aber die Kritik an dieser Sichtweise wird gleichzeitig als „Angriff auf die freie Presse“ definiert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach Wahl Laschets : Söder hat keine Eile in Sachen Kanzlerkandidatur

          Markus Söder warnt nach dem CDU-Parteitag vor einem „Frühstart“ bei der K-Frage und nennt einen für ihn geeigneten Zeitpunkt. Die Grünen machen klar, dass sie im Wahlkampf die Unterschiede zur Union betonen wollen – trotz Aussichten auf eine Koalition.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.