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TV-Kritik: Hart aber fair : Corona – zwölf verrückte Jahre?

  • -Aktualisiert am

„Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg Bild: obs

Die Demonstration in Berlin verleiht der Corona-Diskussion bei Frank Plasberg neue Schärfe. Berlins Regierendem Bürgermeister bekommt das allerdings nicht gut.

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          Besser hätte das Timing von „Hart aber fair“ an diesem Montag kaum sein können. Die Steilvorlage stammt aus Berlin, wo es am vergangenen Wochenende hoch hergegangen war: Zunächst wurde geklagt, dann doch protestiert, wenig später gestoppt, dann fast gestürmt und seither viel kritisiert. Denn abgesehen von den unsäglichen Wirrköpfen mit ihren Reichsflaggen auf den Stufen des Berliner Reichstags wird nun heftig gestritten über die „Hart aber fair“-Frage des Abends: „Streit um Corona-Verbote: Wie viel Freiheit ist noch drin?“ Auch die im Studio anwesenden Gäste haben zu diesem Thema sehr unterschiedliche Meinungen: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, die Wissenschaftsjournalistin Julia Fischer, die Publizistin Lamya Kaddor, der Kabarettist Bernd Stelter und der F.A.Z.-Innenpolitikchef Jasper von Altenbockum.

          Zunächst ist es an Michael Müller, die Ereignisse in Berlin zu bewerten. Zu Recht habe man versucht, die Demonstration schon vorab zu verbieten, macht Müller unmissverständlich klar. Die Erfahrungen hätten keine Zweifel zugelassen, dass es auch an diesem Wochenende zu einem Protest kommen werde, auf dem keine Masken getragen und kein Abstand eingehalten werde – und wo sich zudem Rechtsextreme mit Reichsflaggen zeigen würden. Vor allem Müllers letzter Schwenk erinnert sehr an die Wortwahl der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken, die die Demonstranten pauschal als „Covidioten“ bezeichnet hatte.

          Nicht Schulmeister der Demonstranten

          Jasper von Altenbockum widerspricht Berlins Regierendem Bürgermeister umgehend, wobei der F.A.Z.-Innenpolitikchef gleich beide Teile der Müllerschen Argumentation indiskutabel findet. Würde man aufgrund von alten Erfahrungen entscheiden, müsste zukünftig noch Vieles mehr verboten werden als nur einige Demonstrationen in Berlin. Und inhaltlich habe man sich schon gar nicht einzumischen. Der Staat dürfe sich nicht zum Schulmeister der Demonstranten aufschwingen, mahnt Altenbockum. Bliebe noch zu erwähnen, dass dem F.A.Z.-Journalisten nichtsdestotrotz die Bilder der grölenden Menge auf den Stufen des Berliner Reichstags sehr weh getan hätten. Wie Frank Plasberg von einem Sturm auf den Reichstag will Altenbockum jedoch nicht sprechen, das ginge zu weit und würde lediglich helfen, an einem Mythos mitzuschreiben.

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          Lamya Kaddor ist ebenfalls der Meinung, dass der Versuch des Berliner Innensenators, die Demonstration im Voraus zu verbieten, das Gegenteil bewirkt habe. Es sei dadurch bei vielen ein „Jetzt erst recht“-Gefühl entstanden. Zudem habe der Innensenator dadurch auch sie selbst in eine sehr unangenehme Situation gebracht: Plötzlich habe sie den Claqueuren der AfD Recht geben müssen, dass das Grundrecht auf Demonstration nicht aufgrund von vagen Befürchtungen eingeschränkt werden dürfe. Frank Plasberg, der an diesem Abend angenehm sachlich und informiert Fragen stellt, bringt es auf den Punkt: Mit einem Mal sind die Fronten unübersichtlich geworden.

          Bernd Stelter hingegen spricht sich deutlich gegen eine solche Corona-Demonstration aus und verweist darauf, dass wenn 38.000 Menschen bewusst Neuinfektionen riskieren, sie allein aufgrund der großen Teilnehmerzahl eine Bedrohung – und damit im nächsten Schritt eine Einschränkung – der Freiheit der Anderen darstellten.  

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