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TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Aktien als Allheilmittel

  • -Aktualisiert am

Die Moderatorin Susan Link vertritt den erkrankten Moderator Frank Plasberg in der WDR-Talkshow „Hart aber fair“. Hinter ihr die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, der CSU-Generalsekretär Markus Blume und die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl (von links) Bild: dpa

Die Deutschen sind ein Volk der Sparer. Doch in Zeiten von Negativzinsen muss man umdenken. Bei „Hart aber fair“ raten alle Gäste zu einer Lösung – bis auf Sahra Wagenknecht: Sie setzt auf ein Konzept, das viele als überholt ansehen.

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          Die größte Veränderung gleich vorweg: „Hart aber fair„ läuft an diesem Abend erstmals ohne Frank Plasberg. Der Moderator leidet an einem temporären Ausfall des rechten Gleichgewichtsorgans und wird in den kommenden Wochen von Susan Link aus dem ARD-Morgenmagazin vertreten. Die 42-Jährige versucht denn auch gleich zu Beginn die Plasberg-Fans zu beruhigen: Frank, wir wünschen Dir gute Besserung. Das hier ist Dein Platz, ich halte ihn lediglich für Dich warm. Dann kann es losgehen mit einem Thema, dass wohl jedem Bundesbürger die Zornesröte ins Gesicht treibt: „Wer jetzt noch spart, ist selber schuld.“ Diese Aussage dem Volk der Sparer vorzuhalten birgt Sprengkraft.

          Vom Weltspartag über bunte Spardosen bis hin zur schwäbischen Hausfrau, die immer nur ausgibt, was sie zuvor eingenommen hat: Wohl in keinem anderen Land der Welt wird Sparen von Kindesbeinen an derart glorifiziert. Das Ergebnis: Über sechs Billionen Euro haben die Deutschen angespart. Doch was passiert mit den Ersparnissen, wenn immer mehr Banken Minuszinsen erheben? Insgesamt 16 Kreditinstitute sollen laut „Hart aber fair“ inzwischen von Sparern solche Strafgebühren kassieren. Weitere werden diesem Beispiel sicherlich bald folgen.

          Christian Achilles vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband DSGV beschwichtigt umgehend. Man wolle auch weiterhin das Sparen fördern, Bestandskunden seien – zumindest bei den Sparkassen – von derartigen Strafen nicht betroffen, man halte diese Bastion. Manch einer wäre verleitet, dem Sparkassenvertreter ein kurzes, aber nicht unwichtiges „noch“ in den Mund zu legen. Die Moderatorin jedoch nicht.

          Suche nach dem Buhmann

          Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen unterstreicht, dass bislang vor allem wohlhabende Kunden betroffen seien. Zu wichtig sei vielen Banken das Girokonto als Kontaktbasis zu den Kunden. Denn diese könnten jederzeit preissensibel das Kreditinstitut wechseln. Bliebe die Frage nach dem Wohin angesichts der zuvor genannten Zahlen. Aber leider hält sich die Moderatorin wieder zurück.

          Den Vorwurf, dass Banken nicht zwangsweise Negativzinsen an die Kunden weiterreichen müssen, kontert Achilles mit einem Angriff auf die Europäische Zentralbank: Aus seiner Sicht sind nicht die Banken die Buhmänner, sondern jene europäische Institution mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie kaufe sämtliche guten Anlagemöglichkeiten auf, nehme so den Banken eine wichtige Verdienstmöglichkeit und zerstöre den Zins-und-Zinseszins-Effekt.

          ARD-Börsenexpertin Anja Kohl sieht in einer Welt ohne Zinsen die Banken in der Falle. Doch die Zeiten, in denen der Zins höher als die Inflationsrate ausfalle, seien schlichtweg vorbei. Das gesamte System gerate derzeit in eine Schieflage. Und für die Zukunft sei keine Änderung in Sicht: „Der Zins wird nicht wiederkommen.“ Kohl erzeugt Handlungsdruck – und Moderatorin Link meldet sich endlich mit der berechtigten Frage, was das zu bedeuten habe. Kohl spricht von einer gesellschaftlichen Dimension. Es sei zynisch und unverschämt, nun die Sparer verantwortlich zu machen. Konkreter wird sie leider nicht – und eine abermalige Nachfrage bleibt ebenfalls aus.

          Erwartungsgemäß attackiert Sahra Wagenknecht die Banken. Angesichts von Vorstandgehältern in Millionenhöhe könne die Lage nicht sonderlich dramatisch sein. Danach nimmt Plasberg-Vertreterin Link dankenswerterweise die Rolle der Gruppe ein, um die es geht – und dennoch nicht direkt am Tisch vertreten ist: die Sparer. Was sollen die Bürger denn nun tun?

          Markus Blume, Generalsekretär der CSU, gleitet in unkonkrete Wahlkampfparolen à la „Jetzt müssen wir etwas für den Sparer tun“ ab. Moderatorin Link lässt sich davon nicht einlullen und reicht die Frage weiter an die Verbraucherzentralen. Als auch Dorothea Mohn nur sagt, dass man bei teuren Konten zum Wechseln rate, nutzt die Moderatorin ein Einspielfilmchen, um die schwierige Situation der Kunden aufzuzeigen: Gezeigt wird, dass Banken unbefristete Sparverträge mit guten Zinsen sukzessive kündigen, frei nach dem Motto: Gute Verträge sind alte Verträge sind Vergangenheit. Gerichtlich seien diese Kündigungen rechtens, heißt es.

          Fachbegriffe und Konzepte werden nicht näher erklärt

          Börsenexpertin Kohl interveniert umgehend. Sie rät, sämtliche Kündigungen prüfen zu lassen, da diese eben nicht zwangsläufig rechtens seien. Ohnehin ist es Anja Kohl, die an diesem Abend immer wieder mit großer Leidenschaft in die Diskussion eingreift, mal auf Ungenauigkeiten von Vorrednern hinweist (im Fall des Sparkassenvertreters Achilles), mal ein klares Urteil fällt (über den „halbgaren“ Vorschlag von CSU-Mann Blume).

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