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TV-Kritik „Friesland“ : Hinterm Deich wird’s platt

Guck mal, wer da ermittelt: Sophie Dal und Florian Lukas spielen die neuen Streifencops, friesisch-herb Bild: Stephanie Kulbach

Eine Leiche liegt an der Waterkant, die Verdächtigen züchten Kaninchen oder dilettieren im Posaunenchor. Die neue ZDF-Serie „Friesland“ droht, im Fischkopf-Klamauk zu versinken.

          Und hier der nächste Streich des ZDF bei der Runderneuerung seines Samstagabends: „Friesland“ heißt die vierte neue Krimiserie, und während „Helen Dorn“ sich eher subtil gibt, „München Mord“ handfest und „Kommissarin Heller“ speziell, versuchen sich die Mördergeschichten von hinterm Deich in der schwierigsten aller Disziplinen: in Komik, die nicht im Klamauk enden will, sondern manchmal sogar von echten Gefühlen durchschossen sein. Eingebettet ist das Ganze - Deutschland, Land der Regionalermittler - in der Heimat der Friesenwitze, und von denen bekommen wir in der Auftaktfolge „Mörderische Gezeiten“ gleich eine ganze Reihe schlechte zu hören.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          „Findet ein ostfriesischer Polizist eine Leiche im Gymnasium“, hebt einer an, aber so geht es nicht zu in diesem Film (Regie: Dominic Müller), stattdessen hängt eine vermeintliche Selbstmörderin am Balken, die, der Zuschauer weiß es, in Wahrheit erdrosselt wurde. Was die patente Streifenpolizistin Süher Özlügül (Sophie Dal) gleich ahnt, die mit ihrem einfältigen, herzensguten Kollegen Jens Jensen (Florian Lukas) lieber Mordkommission im Kaff an der See spielt, als Radarfallen aufzustellen - und Raser wieder laufenzulassen, mit denen man im Posaunenchor spielt. Ein Umstand übrigens, der den Gagschreibern (Buch: Arne Nolting, Jan Martin Scharf) gleich die Vorlage für den ersten ihrer zahlreichen Knallerscherze liefert, die wiederzugeben keinen Spaß macht: die Frage des (korrupten) Vorgesetzten nämlich, ob Jens ihm einen zum Dienstjubiläum blase. Mit der Posaune. Ha. Ha.

          Friesischer als alle Friesen

          Nach diesem Tiefpunkt zieht sich das Dorfpolizistenduo erstaunlicherweise noch mal für eine rasante Viertelstunde aus dem Schlick, jagt einer Leiche auf dem Weg ins holländische Krematorium hinterher und leiert eine illegale Obduktion an, unterstützt von einem routinierten Matthias Matschke, der den Bestatter mit Marihuanaplantage im Keller gibt, und Therese Underberg als Apothekerin mit forensischen Ambitionen.

          Tapfere Hauptdarsteller: Florian Lukas muss meistens treudoof gucken, Sophie Dal dann eher streng

          Doch dann versandet die Komik zwischen sich prostituierenden Hausfrauen (Blick auf Vibratoren in der Spülmaschine), Kaninchenzüchtern (Blick auf den besten Rammler) und Weisheiten des vollintegrierten türkischen Papas mit Prinz-Heinrich-Mütze (Blick in sein Herz). Vater Özlügül (Tayfun Bademsoy) auf seinem Kahn, friesischer als alle Friesen, ist schrecklich gewollt, aber immer noch ein Anker im Panoptikum der halbgaren Charaktere, das kein Ende nehmen will. Immer neue Figuren treten auf, ein Augenarzt, ein Frauenmörder, ein Windparkbetreiber, noch eine Nebenrolle, noch eine, fehlt nur noch eine Robbe. Beinprothesen fallen ab, die zweite Leiche liegt an der Waterkant, der Posaunenchor bläst, die Mordkommission rückt an.

          Jetzt wird es endlich - nein, auch nicht spannender und lustiger. Sondern immer öder. Florian Lukas und Sophie Dal spielen tapfer - er guckt treudoof, sie mal streng, mal lieb -, die Dialoge sind erbärmlich, wer der Mörder war, ist einem längst schnuppe, stattdessen beginnt man nachzusinnen, ob das jetzt etwas besser oder sogar schlechter ist als „Wilsberg“. Dann ist es vorbei. Schade. Lustige Provinzkrimis können funktionieren, das zeigen die Monreal-Storys im Ersten. Aber diesen Versuch hier, den hat das Zweite gründlich ins Watt gesetzt.

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