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TV-Kritik „Dunja Hayali“ : Vor Ort ist nirgends

  • -Aktualisiert am

Dunja Hayali nennt ihre Sendung ein Talkmagazin, eine Mischung aus Hintergrundreportagen und anschließenden kleinen Gesprächsrunden. Doch beides steht bislang zusammenhanglos nebeneinander. Bild: © ZDF/Jule Röhr

Dunja Hayali hat jetzt eine monatliche eigene Sendung, in der sie aktuellen Nachrichten nachgeht, um aus einer Beobachterin zu einer Betroffenen zu werden. Nur bleibt unklar, was einen Menschen zum Betroffenen macht.

          Dunja Hayali nennt ihre Sendung ein Talkmagazin. Das Genre verspricht eine Mischung aus zwei journalistischen Formaten, aus Hintergrundreportagen und anschließenden kleinen Gesprächsrunden zur Einordnung des jeweiligen Themas. In der gestrigen Ausgabe ging es um einen Prototyp der sogenannten Ankerzentren, die als sprachliche Neuschöpfung alles andere als den Halt eines Ankers geben sollen: In ihnen werden die Verwaltungsvorgänge der Ankunft von Geflüchteten, einer Entscheidung über ihren Aufenthaltsstatus und die Vorbereitung ihrer Rückführung unter einem Dach zusammengefasst.

          So etwas Ähnliches, nur ohne diesen Namen, gibt es seit einigen Jahren im Zirndorf, wohin Frau Hayali selbst fährt. Sie schaut zu, wie einer Irakerin Fingerabdrücke abgenommen werden und wohnt der Anhörung eines syrischen Flüchtlings teil, bei der die Sachbearbeiterin des Bamf die Gründe für die Flucht, den Fluchtweg und die bürokratischen Spuren in europäischen Datensammlungen untersucht. Sie hat in den vergangenen Jahren 250 Fälle entschieden und ärgert sich darüber, dass ihr und ihren Kollegen vorgeworfen wird, dass sie nicht sauber arbeiteten. Jeder Fall sei anders kompliziert.

          Das Krokodil fehlt

          Was kann so eine Minireportage als Informationsquelle für das Gespräch mit der grünen Landtagskandidatin Katharina Schulze, Spitzenkandidatin ihrer Partei im Landtagswahlkampf, und dem Bundestagsabgeordneten Peter Ramsauer von der CSU leisten? Fühlen sie sich besser informiert? Wird das Gespräch mit ihnen von Dunja Hayali von der vorhersehbaren Konfrontation weggeführt?

          Davon kann leider keine Rede sein. Peter Ramsauer spult in rasender Geschwindigkeit den CSU-Gospel vom Kontrollverlust ab. Frau Schulze schüttelt erwartbar kritisch den Kopf dazu, hält ihm vor, dass er bloß Wahlkampf betreibe, was bei ihr aber auch nicht anders ist. Aus dem Publikum erntet Ramsauer einen Lacher, was ihn auf die Palme bringt. Ramsauer entgeht das Lob der Grünen für die gute Verwaltungsarbeit im Freistaat. Die Gastgeberin überhört das Versöhnungsangebot. Ramsauer zieht es vor, die Überforderung auszumalen und versucht, Hayali mit Gegenfragen von ihrem Spickzettel abzubringen. Das ist unfreiwillig komisch. Man fragt sich, wann endlich ein Krokodil eingreift, aber das ist nicht eingeladen.

          Nach 25 Minuten ist das erste Kapitel abgeschlossen. Das Folgende widmet sich der furchtbaren Fluchtgeschichte einer afghanischen Familie, von der acht Verwandte auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind. Die schiffbrüchige Mutter kann noch einen Verwandten auf Samos anrufen, der vergeblich die griechische Küstenwache alarmiert. Ein Sohn der Frau lebt seit acht Jahren in Deutschland. Die Flüchtlinge seien Gefangene der Politik, klagt er in Hayalis Studio.

          Endstation Moria

          Der nächste Einspieler berichtet über die elende Situation in dem Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos, in dem heute fast 8000 Menschen aus 58 Nationen leben, obwohl es nur für maximal 3000 Menschen geplant war. Ein Fischer berichtet darüber, wie er Schiffbrüchige rettet. Wer heute als Flüchtling auf Lesbos ankomme, werde erst im April 2019 erstmals angehört.

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