https://www.faz.net/-gqz-9dpjr

TV-Kritik: „Sportstudio“ : Premiere von Dunja Hayali

  • -Aktualisiert am

Dunja Hayali hat am Samstag zum ersten Mal das „Aktuelle Sportstudio“ moderiert Bild: dpa

Dunja Hayali machte wenig falsch in ihrer ersten Sendung. Nur erfüllte sie auch wenige der Ansprüche, die sie vorher selbst aufgebaut hatte.

          5 Min.

          Friedhelm Funkel ist ein interessanter Gast. Ihm gelang mit verschiedenen Vereinen sechsmal der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga, in der vergangenen Saison mit Fortuna Düsseldorf. Zudem repräsentiert der frühere Bundesligaspieler von Bayer 05 Uerdingen und des 1. FC Kaiserslautern einen Fußball, wo sich Spieler nicht kurz vor Spielbeginn unbedingt die Haaren frisieren mussten.

          Allerdings kann man auch unfrisiert in Vorrunden ausscheiden, wie es der Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft im Jahr 1984 passiert war. So begrüßte Dunja Hayali in ihrer Premierensendung mit Funkel einen „erstklassigen Gast“, wie sie es formulierte.

          Sicherlich kann man zum Auftakt einer neuen Bundesligasaison jemanden einladen, der in seiner langen Karriere wie kaum ein anderer die Veränderungen im Profi-Fussball erlebte. Gerade weil Funkel diese als langjähriger Trainer von Zweitliga-Vereinen nicht nur aus dem Blickwinkel der Beletage erlebt hat. Nur erstklassig ist angesichts der von Frau Hayali für ihre erste Sendung formulierten Ansprüche eine etwas unglückliche Formulierung.

          Es fehlte nicht nur Mesut Özil

          Schließlich wollte sie ursprünglich sogar Mesut Özil in die Sendung holen, um mit ihm über die leidigen Fotos mit dem türkischen Staatspäsidenten und die rassistischen Angriffe auf ihn zu sprechen. Ausgerechnet den großen Schweiger, der außer drei PR-Tweets anläßlich seines Rücktritts aus der Nationalmannschaft noch gar nichts gesagt hat. Und schon in früheren Zeiten nicht gerade mit seiner Redseligkeit aufgefallen ist.

          Versuchen kann sie es mit einer Einladung zwar trotzdem, aber es ist schon recht seltsam, sich in Interviews über seine zu erwartende Absage enttäuscht zu zeigen. Anschließend versuchte sie einen Verantwortlichen des DFB zu bekommen, um über die Weltmeisterschaft zu reden. Diese sagten ebenfalls ab, weil vor allem der Bundestrainer offenbar bis zum ersten Länderspiel gegen Frankreich am liebsten gar nichts sagen will.

          So ging Frau Hayali mit großen Ansprüchen in ihre Premierensendung, um aber so zu enden, wie die Nationalmannschaft in Russland. Sie schied journalistisch in der Vorrunde aus. Anstatt Özil und Löw kam Funkel. Deshalb hörte sich das „erstklassig“ auch so schal an. Das ist der Trainer von Fortuna Düsseldorf zweifellos nicht, sondern etwas viel besseres. Er verkörpert Solidität und Ernsthaftigkeit, somit das, was der Nationalmannschaft als Marketing-Mannschaft verloren gegangen ist. Das reicht für eine gute Sendung.

          Zu ambitionierte Zielsetzung

          Gerade deshalb fragt man sich, wie Frau Hayali überhaupt auf die Idee kam, solche ambitionierten Ziele für diese Sendung anzustreben. Weil sie glaubte, eine vielfach ausgezeichnete Moderatorin könnte mit ihrer Reputation endlich einen Özil zum Reden bringen? Oder die „Beteiligten“ des deutschen Desasters hätten nur auf sie gewartet, um endlich wirklich „Stellung zu beziehen“ und „den Blick nach vorn zu richten“, so ihre Aussagen in einem Interview mit der Sport-Bild.

          Wie das dramaturgisch in eine Sendung mit dem Schwerpunkt Spielberichterstattung gepasst hätte, musste sich die Redaktion zum Glück nicht fragen. Wahrscheinlich wollte Frau Hayali mit Özil über Rassismus und die Türkei zwischen zwei Spielberichten diskutieren. Notfalls hätte sie noch den Videoassistenten dazwischen schieben können.

          Anderer Blick auf den Sport

          Ohne diesen Vorlauf wäre diese Premiere völlig in Ordnung gewesen. Zwar war der Moderatorin ihre Nervösität anzumerken, bisweilen fehlte es ihr auch noch an der Routine im Umgang mit dem neuen Format. Ansonsten hätte sie Funkel nicht die Frage gestellt, ob „das am Ende reichen wird, um die Liga zu halten.“ Ob er „jetzt Nein sagen“ soll, so seine Antwort. Das hatte immerhin einen gewissen humoristischen Effekt, wobei Funkel sicherlich eines wusste. Ohne die vielen Absagen wäre er gar nicht in die Verlegenheit geraten, darauf antworten zu dürfen. Daran hätte auch die Erstklassigkeit nichts geändert.

          Weitere Themen

          Schöpferische Befreiung

          Arnulf Rainer zum Neunzigsten : Schöpferische Befreiung

          Der obsessive Charakter seines ebenso kraftvollen wie hochsensiblen Werks lässt keine Altersschwäche zu. Zeichnen und Malen war für ihn immer „provoziertes Leben“. An diesem Sonntag wird Arnulf Rainer neunzig Jahre alt.

          Topmeldungen

          Ärger beim FC Bayern : „Ich könnte durchdrehen“

          Joshua Kimmich kocht nach dem 1:2 der Bayern in Gladbach vor Wut, Thomas Müller faucht, Hasan Salihamidzic ist ratlos. Und Trainer Hansi Flick wirkt angeschlagen. Die Münchner haben ein großes Problem.
          Bei welcher Krankenkasse man unter welchen Bedingungen durch Vorauszahlungen Geld sparen kann, hängt auch vom Einzelfall ab.

          Die Vermögensfrage : Mit Vorauszahlungen Steuern sparen

          Wer seine Krankenversicherungsbeiträge im Voraus bezahlt, kann damit nicht unbeträchtlich Steuern sparen. Ob dies im Einzelfall immer möglich ist, hängt allerdings auch von Versicherung und Krankenkasse ab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.