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Anne Will und Maybrit Illner : Improvisation als neue Normalität

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Auch bei „Maybritt Illner“ wurde auch diesmal ausschließlich über das Coronavirus debattiert. Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Zwar will die Bundesregierung über einen Ausstieg aus dem derzeitigen Stillstand noch nicht reden. Trotzdem wird es ihn geben müssen. Fraglich ist nur, was an dessen Stelle tritt.

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          Es ist Halbzeit. Beim Fußball gehen die Mannschaften in die Kabine, und die Zuschauer vor dem Fernseher zumeist auf die Toilette. Über fehlendes Klopapier machte sich dort noch niemand Gedanken, wenigstens nicht als ein volkswirtschaftliches Problem. Halbzeit haben wir mittlerweile auch bei der historisch einzigartigen Zwangspause unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Wie beim Sport wird die Halbzeitpause genutzt, um die bisherige Taktik zu überprüfen. Allmählich wird aber eines deutlich: An einer Verlängerung hat niemand ein Interesse. Die Situation im Profisport als eine der wichtigen Sektoren in der Dienstleistungsbranche ist dafür paradigmatisch. Selbst im reichen Profi-Fußball drohen bei einer Fortsetzung Insolvenzen.

          So soll am ominösen 19. April dieses Spiel zwar abgepfiffen werden, nur ist deshalb die Saison noch nicht zu Ende. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) nannte bei Anne Will einen Zeitraum von zwei Jahren, in denen uns diese Pandemie noch beschäftigen wird. Das entspricht den historischen Erfahrungswerten, zuletzt bei der Hongkong-Grippe von 1968 bis 1970. So ging es in beiden Sendungen um die Frage, wie diese Neuaufstellung ab Ende April aussehen könnte. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck machte im ZDF deutlich, worum es geht. Die Menschen bräuchten „keine Meinungen und Spekulationen, sondern wissenschaftlich gesicherte Fakten.“ Streeck versucht dafür die Grundlagen zu schaffen: Sein Team macht in diesen Tagen im Landkreis Heinsberg eine repräsentative Studie, um die Dunkelziffer bei der Durchseuchungsrate besser auszuleuchten. Zudem sollen die bisherigen Maßnahmen auf ihre Effizienz überprüft werden: Wie gefährlich sind die Viren auf Gegenständen, oder wo beginnen die gefürchteten Infektionsketten? Mittlerweile gibt es zwar weltweit unzählige Studien zum Virus und der Krankheit namens Covid19, aber wenig systematisierbares Wissen als Voraussetzung politischen Handelns.Nicht zuletzt deshalb findet die Politik nicht aus dem Dilemma zwischen Gesundheitsschutz und den dadurch verursachten Kollateralschäden heraus. Schließlich ist niemanden geholfen, wenn sich Menschen nach Schlaganfall-Symptomen wegen der Angst vor dem Virus nicht mehr ins Krankenhaus trauen. So argumentierte Martina Wenker bei Frau Will. Sie ist Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen.

          Das ließ sich durch praktisch alle Sektoren dieser Gesellschaft durchdeklinieren. Sonntag Abend standen die 800.000 Bewohner in unseren Alten- und Pflegeheimen im Vordergrund. Mittlerweile machen wir dort mit Italien oder Spanien vergleichbare Erfahrungen. Der neue Coronavirus erreicht unsere Hochrisikogruppe, während er bis dahin eher bei den weniger gefährdeten jüngeren Alterskohorten zu finden war. Das brachte der Präsident der Bundesärztekammer bei Frau Illner gut auf den Punkt. So habe gerade diese Struktur der Alten- und Pflegeheime die Ausbreitung des Virus bisher eingedämmt. Allerdings könnte sich der Virus umso schneller ausbreiten, wenn er dort erst einmal angekommen sei. Klaus Reinhardt meinte die fehlende physische Nähe zwischen den Generationen in Deutschland. Die Altenpflegerin und Buchautorin Eva Ohlerth gewährte im ZDF in einem Nebensatz einen Einblick in die bundesdeutsche Wirklichkeit. Viele Bewohner dieser Heime bekämen überhaupt keinen Besuch, so ihre Aussage. Deren Isolierung von der Gesellschaft besteht somit schon längst. Gleichzeitig sind die Lebensbedingungen in der älteren Generation höchst unterschiedlich. Manche 80jährige würde es sich deshalb verbitten, als Schutzmaßnahme faktisch unter Hausarrest gestellt zu werden. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hielt dann auch nichts von solchen pauschalen Vorschlägen zum Schutz von Risikogruppen.

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