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TV-Kritik Anne Will : Mittelstürmer Putin?

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Die Fußball-WM in Russland ist Thema bei Anne Will: Wenn sich Politik und Sport vermischen, bleibt es dem ehemaligen Fußballer Arne Friedrich überlassen, charmant für Klarheit zu sorgen. Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Dürfen wir eine Fußball-WM in Russland gut finden? Was können wir von Nationalspielern erwarten? Bei Anne Will vermischen sich Sport und Politik. Einzig ein ehemaliger Fußballer kann die Künste der Politiker ausstechen.

          Man hätte Charlie Chaplin auf Wolke sieben fragen können, ob die Fußball-Weltmeisterschaft ihn nicht dazu reizte, im Himmel ein Remake seines Films „Der große Diktator“ zu drehen. Darin liefe, so steht zu vermuten, Zar Putin als Mittelstürmer zu größter Form auf. Spränge er vielleicht sogar von der Tribüne, um das russische Gewinnertor im Endspiel eigenfüßig zu schießen?

          Dazu wird es nicht kommen. Erstaunlicherweise redete kein politischer Veteran an diesem Abend in der Sendung von Anne Will von dem Versuch, die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau zu boykottieren. Grund dafür war der Einmarsch der UdSSR in Afghanistan. Man hätte an die damaligen Debatten zumindest in einem Einspieler erinnern können, um den hohen oder hohlen Ton mancher Argumente zu prüfen.

          Frau Will aber, so viel steht zu vermuten, wollte das Ass ausspielen, dass mit Arne Friedrich ein Fußballspieler in ihrem Studio saß, der das Ranking der alten Männer in der Politik und ihre Wiederholungskünste mühelos ausstach, auch weil er so charmant sagte, was er für richtig und wichtig hält.

          Politische Hochkaräter auf der Tribüne – ja oder nein?

          Tatsächlich stritten sich eine etwas sauertöpfisch wirkende grüne Abgeordnete des Europäischen Parlaments mit Edmund Stoiber (CSU) und Gregor Gysi (Die Linke) darüber, ob deutsche Spitzenpolitiker auch dieses Jahr auf der Tribüne sitzen werden oder besser nicht. Großbritannien und Island werden die WM politisch boykottieren. Vielleicht macht Außenminister Boris Johnson eine Ausnahme, weil er der Premierministerin so gerne auf der Nase herumtanzt.

          Arne Friedrich sagt, ein Besuch der Bundeskanzlerin werde der Mannschaft bestimmt gut tun. 77 Prozent der Deutschen glauben, dass Putin sich von der WM politische Vorteile verspricht. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

          Rebecca Harms erinnert an die Annektion der Krim, den unerklärten Krieg in der Ostukraine und den Abschuss des niederländischen Flugs MH17 durch eine russische Rakete, bei dem 298 Menschen ums Leben kamen. Dazu dürfe man keine gute Miene zeigen. Politische Hochkaräter sollten besser zuhause bleiben.

          Bitte keine Symbolpolitik!

          Edmund Stoiber dreht in Gedanken versunken seinen Ehering und erklärt die WM zum größten Sportereignis des Jahres. Einen Boykott hält der bekennende kalte Krieger von einst für Symbolpolitik. Jede Möglichkeit, mit den Russen zu sprechen, solle genutzt werden. Die Abwesenheit deutscher Politiker löse kein einziges Problem. Ob das auch für die Anwesenheit deutscher Politiker gilt? Wie würde Putin Bundesaußenminister Maas herzen und küssen, wenn die Russen gegen Uruguay gewinnen? Nur was sollte Maas bei diesem Spiel, außer für Uruguay die Daumen zu drücken?

          Norbert Röttgen (CDU) ist zwar einer Meinung mit Rebecca Harms, was die russische Politik angeht, sieht aber die WM als eine sportliche Völkerbegegnung. Sportliche Großereignisse sollten nicht für Sanktionsmaßnahmen missbraucht werden. Sanktionen seien politische Instrumente, auf die das betroffene Land reagieren können müsse. Wie aber soll Russland auf einen Boykott der WM reagieren? In der Außenpolitik muss man der Gegenseite Gelegenheit geben, das Gesicht zu wahren, auch wenn es gute Miene zu einem falschen Spiel machen wird. Ein Boykott führte dazu, dass Putin abermals seinen Gospel von russischen Opfern abspult.

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