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TV-Ausfallfonds : Es bewegt sich doch

  • -Aktualisiert am

Zukunft ungewiss: Auch die Fernsehbranche leidet unter der Corona-Pandemie. Bild: dpa

Mit gutem Beispiel hinterhergehen: Endlich verhandeln Bundesländer, Sender und Plattformbetreiber direkt über TV-Ausfallfonds für deutsche Fernsehproduktionen. Andere Länder sind da weiter.

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          Am Donnerstag fand erstmals ein direktes Gespräch zwischen Vertretern von Bundesländern, TV-Sendergruppen und Plattformbetreibern über einen Ausfallfonds für Fernsehproduktionen statt. Die Basis der Verhandlungen war ein Eckpunktepapier der Länder. Danach wollen die Länder 45 Prozent der Schadenskosten absichern. Weitere 45 Prozent sollen von den Fernsehveranstaltern kommen. Der Eigenanteil der Produzenten könnte demnach 10 Prozent betragen. Wie aus Verhandlungskreisen zu hören war, verlief das Gespräch sehr konstruktiv. Die Sender würden jetzt bereit sein, weiterhin einen Teil des Risikos bei coronabedingten Produktionsstopps zu übernehmen. Die Suche nach einer einvernehmlichen Lösung soll in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Aus sieben Bundesländern liegen aktuell Zusagen für solche Hilfen von maximal 45 Millionen Euro vor. Allerdings soll der größte Teil davon den Ausfallfonds des Bundes für Kinoproduktionen und High-End-Serien unterstützen. Auf den Fonds für TV-Produktionen würden davon nur annähernd 15 Millionen Euro entfallen. Das entspricht jedoch nicht der wirtschaftlichen Bedeutung dieses Bereiches: Achtzig Prozent des Produktionsvolumens entfallen auf das Fernsehen. Deshalb erwarten die Sender, dass der Länderanteil für die Absicherung solcher Dreharbeiten höher ausfällt. Das könne geschehen, indem sich weitere Bundesländer an dem Ausfallfonds beteiligen oder die jeweilige Risikozusage für Fernsehproduktionen erhöht wird.

          Nach Auffassung der Produzentenallianz, das teilte sie in einer Presseerklärung mit, sei eine Absicherung in Höhe von rund 100 Millionen Euro erforderlich. Dies entspreche bei einem geschätzten jährlichen Produktionsvolumen von rund zwei Milliarden Euro einem Schutzschirm von fünf Prozent. Das Engagement, was man von den Sendern erwarte, liege bei mindestens vierzig Millionen Euro, „verteilt auf alle beteiligten Sendergruppen und Streamer“.

          „Fernseh- und Auftragsproduktionen machen mehr als drei Viertel unserer gesamten Branche aus und sind für eine Mehrheit der Produktionsfirmen in Deutschland das zentrale finanzielle Standbein“, betont Alexander Thies, der Vorsitzende der Produzentenallianz. Genau dieser Bereich warte weiterhin sehnlichst auf eine Ausfallsicherung für Covid-19-bedingte Drehausfälle und sehe sich kontinuierlich einem enormen unternehmerischen Risiko ausgesetzt. Diesem nicht versicherbaren Zusatzrisiko stehe bei der klassischen Auftragsproduktion keine Aussicht auf entsprechende Mehrerlöse gegenüber.

          In anderen europäischen Ländern hingegen existieren bereits entsprechende staatliche Risikofonds. So sichern Frankreich mit 100 Millionen Euro, Großbritannien mit 500 Millionen Euro, Österreich mit 25 Millionen Euro und Belgien mit fünf Millionen Euro ihre nationalen Filmwirtschaften ab.

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