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Türkischer Sender kündigt ZDF : Deutsche Kindernachrichten fliegen raus

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„Mit dem Zweiten sieht man besser“ lautet der Werbespruch des ZDF. Der türkische „Kanal D“ sieht das jetzt offenbar anders und reiht sich ein in die Abschottungspolitik der Regierung. Bild: dpa

Zehn Jahre lang belieferte das ZDF den türkischen „Kanal D“ mit den Kindernachrichten „logo!“. Damit ist jetzt Schluss. Der angebliche Grund: die Armenien-Resolution des Bundestags.

          Die Abschottungspolitik der türkischen Regierung gegenüber Deutschland wirkt sich nun auch auf bilaterale Medienprojekte aus. So teilte heute der türkische Privatsender „Kanal D“ dem ZDF mit, dass die Ausstrahlung der täglichen Kindernachrichten „logo!“ eingestellt werden müsse. Als Grund nannte der Sender zahlreiche Zuschauerbeschwerden über die vor kurzem im Bundestag verabschiedete Armenien-Resolution.

          Kanal D ist der meistgesehene Sender der Türkei und Teil der Dogan-Mediengruppe, zu der mit „Hürriyet“ auch die auflagenstärkste unabhängige Tageszeitung des Landes gehört. Das ZDF hatte dem europäischen Programm von Kanal D fast zehn Jahre lang die Sendung „logo!“ zugeliefert, bei der politische Nachrichten für junge Zuschauer aufbereitet werden. Das Ziel der Ausstrahlung bei „Kanal D“ war vor allem, einen Beitrag zur Integration zu leisten, indem gezielt Kinder aus türkischstämmigen Familien angesprochen werden sollten, die türkische Sender nutzen, teilte das ZDF mit. „Wir bedauern die Entscheidung unserer türkischen Partner sehr, eine solche integrationsfördernde Ausstrahlung von ,logo!' zu beenden“, sagte Frank-Dieter Freiling, Leiter Internationale Angelegenheiten des ZDF.

          Die Kündigung der Zusammenarbeit dürfte einen vielschichtigen Hintergrund haben. Seit der Bundestag die Resolution zum Völkermord an den Armeniern verabschiedet hat, setzt die türkische Regierung auf eine Politik der Nadelstiche und bringt türkische Organisationen, die mit Deutschland zusammenarbeiten oder in der Bundesrepublik wirken, auf Kurs. Hinzu kommt die juristische Verfolgung des ZDF-Moderators Jan Böhmermann durch den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan wegen des in der Sendung „Neo Magazin Royale“ ausgestrahlten „Schmähkritik“-Gedichts. Ein Reporter eines anderen türkischen Senders hatte sich zudem kürzlich einen absurden Auftritt vor dem Sendegelände des ZDF auf dem Mainzer Lerchenberg geleistet.

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