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Eine Woche nach Freilassung : Ahmet Altan abermals verhaftet

Ahmet Altan (2. v. l.) bei seiner Festnahme am Dienstag vor seiner Wohnung im Istanbuler Stadtteil Kadikoy, im Hintergrund seine Tochter Senem Altan Bild: AFP

Gerade erst war der türkische Journalist Ahmet Altan aus dem Gefängnis entlassen worden. Seit Mittwoch sitzt er wieder hinter Gittern. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ kritisiert die Verhaftung scharf.

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          Der türkische Journalist Ahmet Altan ist eine Woche nach seiner Entlassung aus einem türkischen Gefängnis wieder verhaftet worden. Ein Gericht in Istanbul hatte die Festnahme angeordnet, nachdem der Generalstaatsanwalt Einspruch gegen die Entlassung Altans eingelegt hatte. Als Grund für die abermalige Verhaftung nannte das Gericht unter anderem Fluchtgefahr. Zusammen mit der Journalistin Nazli Ilicak war Altan in der vergangenen Woche nach drei Jahren in Untersuchungshaft unter Auflagen freigekommen. Zuvor waren beide wegen „Unterstützung einer Terrororganisation“ verurteilt worden: Altan zu zehn Jahren und sechs Monaten, Ilicak zu acht Jahren und neun Monaten.

          Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ übte scharfe Kritik an der Verhaftung und forderte die sofortige Freilassung Altans. Alle Vorwürfe gegen ihn müssten fallen gelassen werden. Geschäftsführer Christian Mihr sagte: „Die abermalige Verhaftung von Ahmet Altan öffnet ein neues trauriges und wütend machendes Kapitel der Justiz-Willkür in der Türkei. Weil Altan genau diese Willkür immer wieder kritisiert und öffentlich gemacht hat, ist er der Politik und der Justiz ein Dorn im Auge.“

          Ihn nach nur einer Woche in Freiheit wieder einzusperren, solle einen allseits bekannten Kritiker der Regierung mürbe machen. Altans Anwältin Figen Albuga Calikusu sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Begründung, dass Fluchtgefahr bestehe, sei absurd. Das Gericht, das den Fahndungsbefehl ausgestellt habe, sei außerdem gar nicht zuständig. Ihr werde von so viel Unrecht „ganz schwindlig“.

          Altan und Ilicak hatten am Vorabend des Putschversuchs im Juli 2016 in einer Fernsehsendung die türkische Regierung kritisiert. Das Gericht hatte das als einen Versuch gewertet, die „verfassungsmäßige Ordnung zu stürzen“. Ursprünglich waren die beiden Journalisten daher zu lebenslanger Haft unter erschwerten Bedingungen verurteilt worden.

          Im Juli dieses Jahres hatte das oberste türkische Berufungsgericht die Haftstrafen aufgehoben. Mit dem Vorwurf der Unterstützung einer Terrororganisation wurde das Verfahren wieder aufgenommen. Der Vorwurf bezieht sich auf die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen, der in den Vereinigten Staaten lebt. Die türkische Regierung macht Gülen für den Putschversuch verantwortlich.

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