https://www.faz.net/-gqz-8sl1t

Online-Medium „Özgürüz“ : Sie fürchten Dündar

  • Aktualisiert am

Der türkische Journalist Can Dündar bei der Eröffnung des Online-Mediums „Özgürüz“ in deutscher und türkischer Sprache auf der Plattform Correctiv. Bild: dpa

„Wir sind frei“ – von wegen: Die Türkei sperrt die neue Webseite des türkischen Journalisten Can Dündar. Und zwar zwölf Stunden, bevor die eigentliche Berichterstattung beginnt.

          Das neue zweisprachige Online-Medium des regimekritischen türkischen Journalisten Can Dündar ist in der Türkei gesperrt worden. „Özgürüz“ („Wir sind frei“) sei durch die Behörde für Informationstechnologie (BTK) geblockt worden, hieß es an diesem Freitag in einer Mitteilung, die anstatt der Webseite des Mediums erschien. Dabei beruft sich die Behörde auf ein Gesetz, das den Zugang zu als gefährlich eingestuften Webseiten regelt.

          Das Projekt „Özgürüz“ hatte Can Dündar gemeinsam mit dem Journalisten Hayko Bagdat und der Recherchegruppe Correctiv in Berlin gestartet. Sie wollen unter anderem über die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan berichten, auch mit Blick auf die von der AKP-Regierung betriebene Spaltung der türkischstämmigen Bürger in Deutschland. „Die Sperrung kam für uns nicht völlig überraschend, damit musste man rechnen“, sagte Correctiv-Chefredakteur Markus Grill. „Die Arbeit der Redaktion werde dadurch aber nicht beeinträchtigt. Wie geplant sollten auf der Webseite Berichte und Vidos auf Türkisch und Deutsch veröffentlicht werden. „Wir suchen außerdem nach technischen Möglichkeiten, die gesperrten Inhalte zugänglich zu machen und die Seiten zum Beispiel auf Servern mit anderen Adressen zu spiegeln.“

          Verbot der Website vor Kenntnis des Inhalts

          Can Dündar sagte, „Özgürüz“ sei bereits blockiert worden, zwölf Stunden bevor die eigentliche Berichterstattung begonnen habe. „Dass eine Webseite, deren Inhalt noch nicht bekannt ist, verboten wird, weil sie als verdächtig eingestuft wird, ist ein weiterer Beweis dafür, wie die Gerechtigkeit in der Türkei funktioniert.“ „Özgürüz“ sei entstanden, um genau gegen diese Zensur und Ungerechtigkeit zu kämpfen. „Diese Entscheidung hat nur dazu gedient, dass wir noch entschlossener sind. ,Özgürüz‘ wird frei weiter publizieren.“ Der Twitter-Account der Seite hat schon mehr als 27.000 Follower, er soll insbesondere zur Kommunikation mit den Lesern dienen.

          Seit dem Putschversuch in der Türkei im Juli geht die Regierung verschärft gegen Medien vor. Dündar, Ex-Chefredakteur der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, war im vergangenen Mai in der Türkei zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft wegen Geheimnisverrats verurteilt worden. Er legte Revision ein. Dündar lebt seit vergangenem Sommer in Deutschland.

          Weitere Themen

          Literarische Triebabfuhr

          Roman von Corinna T. Sievers : Literarische Triebabfuhr

          Corinna T. Sievers hat einen Roman über eine nymphomane Zahnärztin geschrieben. „Vor der Flut“ soll provozieren, schlingert aber nur zwischen Geschmacklosigkeit und unfreiwilliger Komik durch die Feuchtgebiete der Genreliteratur.

          Topmeldungen

          Undatierte Aufnahme der „Stena Impero“

          Straße von Hormus : Iran stoppt Öltanker im Persischen Golf

          Die Lage im Persischen Golf spitzt sich zu. Nach eigenen Angaben setzt Iran einen britischen Öltanker in der Straße von Hormus fest. Ein zweites aufgebrachtes Schiff ist mittlerweile wieder freigegeben.

          Transfer-Offensive : Borussia Dortmund hat ein großes Problem

          Der BVB beeindruckt mit seinen starken Neuzugängen. Doch die Offensive auf dem Transfermarkt hat auch ihre Schattenseiten. Der Kader ist nun viel zu üppig besetzt. Auf der Streichliste stehen prominente Namen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.