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Ankara : Türkei beschlagnahmt Aufnahmen nach Friedman-Interview

  • Aktualisiert am

Michel Friedman Bild: Frank Röth

Die türkischen Behörden haben die Ausstrahlung eines Interviews der Deutschen Welle mit Jugend- und Sportminister Akif Kilic verhindert. Der Minister ließ das Videomaterial des Gesprächs beschlagnahmen – was dieser bestreitet.

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          Die türkischen Behörden haben nach Angaben der Deutschen Welle Videoaufnahmen eines Interviews des Moderators Michel Friedman konfisziert. Das Material sei unmittelbar nach der Aufzeichnung eines Fernsehinterviews mit dem türkischen Jugend- und Sportminister Akif Kilic am Montagabend in Ankara beschlagnahmt worden, teilte der Auslandssender am Dienstag in Bonn mit. Intendant Peter Limbourg sprach von Nötigung und forderte die Herausgabe der Aufnahmen, der Deutsche Journalisten-Verband rief Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zum Einschreiten auf.

          Der türkische Sportminister Akis Cagatay Kilic widersprach der Darstellung des Senders. Er bestritt via Twitter, dass das Interview der Deutschen Welle beschlagnahmt worden sei. Man habe lediglich gefordert, das Interview nicht auszustrahlen. Die Deutsche Welle müsse diesem Wunsch nach Autorisierung nachkommen.

          Moderator Friedman stellte in dem Interview laut Deutscher Welle Fragen zum Putschversuch im Juli, zu den folgenden Massenentlassungen und Verhaftungen, zur Lage der Presse sowie zur Stellung der Frau. Die Themen des Gesprächs seien dem Ministerium vorab mitgeteilt worden. Friedman präsentiert im englischsprachigen Programm der Deutschen Welle den Polit-Talk „Conflict Zone“, den er im Wechsel mit dem britischen Fernsehjournalisten Tim Sebastian bestreitet.

          Unmittelbar im Anschluss an das Interview verabschiedete sich der Minister von Friedman, wie es hieß. Nachdem Kilic den Raum im Ministerium verlassen habe, habe sein Pressesprecher überraschend mitgeteilt, dass die Deutsche Welle das Interview nicht senden dürfe. Als Friedman und seine Redaktionskollegin protestierten, konfiszierten Ministeriumsmitarbeiter das Videomaterial, wie der Sender erklärte. Dabei sei den Deutsche-Welle-Mitarbeitern klar bedeutet worden, dass sie das Ministerium nicht im Besitz des Videomaterials verlassen dürften.

          „Schwerstmöglicher Angriff auf die Pressefreiheit“

          Intendant Peter Limbourg verurteilte den Vorfall. „Das stellt einen neuen eklatanten Verstoß gegen die Pressefreiheit in der Türkei dar“, sagte er. „Was wir erleben, erfüllt den Tatbestand der Nötigung durch die türkische Führung.“ Es dürfe nicht sein, dass ein Minister bereitwillig ein Interview gebe und dann auf derartige Weise dessen Ausstrahlung verhindere, weil ihm die Fragen nicht gepasst hätten. Limbourg forderte die türkische Seite zur unverzüglichen Herausgabe des Aufnahmen auf. Zudem prüfe die Deutsche Welle rechtliche Schritte.

          Der Sender habe nach dem Vorfall unverzüglich beim türkischen Ministerium für Jugend und Sport sowie beim türkischen Generaldirektorat für Presse und Information protestiert und die Herausgabe des Materials verlangt. Eine für Dienstagmittag gesetzte Frist ließen die türkischen Behörden den Angaben zufolge verstreichen. In mehreren Telefonaten habe das Ministerium erklärt, dass man der Ausstrahlung des Interviews nicht zustimme.

          Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Frank Überall, sagte: „Das ist der schwerstmögliche Angriff auf die Pressefreiheit, wie wir ihn nur aus Diktaturen kennen.“ Es sei unverzichtbar dass das Auswärtige Amt in dieser Sache aktiv werde.

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