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Neue Enthüllungen : Trump und der „Reichstagsmoment“

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Er traute ihm alles zu: General Mark Milley und Donald Trump im Februar 2020 in Washington. Bild: AFP

Amerikas oberste Militärs rechneten in den letzten Tagen der Präsidentschaft Donald Trumps mit dem Äußersten: einem Putschversuch. Zwei Journalisten der „Washington Post“ berichten, was Stabschef General Mark Milley unternahm.

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          Dass die letzten Tage Donald Trumps im Präsidentenamt zu den explosivsten in der Geschichte der Nation zählen, war nach dem Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol am 6. Januar nicht von der Hand zu weisen. Nun machen zwei Autoren der Washington Post die erschreckende Erkenntnis öffentlich, dass es beinahe zu einer Kraftprobe zwischen Trump und dem Militär kam: Amerikas ranghöchster Offizier und Militärberater des Präsidenten, General Mark Milley, befürchtete demnach einen Coup Trumps und ergriff Gegenmaßnahmen.

          „Dies ist ein Reichstagsmoment“ soll Milley vor dem Sturm auf das Kapitol zu Mitarbeitern gesagt haben, in Anspielung auf den Reichstagsbrand vom Februar 1933 und die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Trumps Gerede von der gestohlenen Wahl, so Milley, ähnele der „Botschaft des Führers“, Trump inszeniere sich wie Hitler als Opfer und Retter. So berichten es Carol Leonnig und Philip Rucker in ihrem gerade erschienenen Buch „I Alone Can Fix It – Donald J. Trumps Catastrophic Final Year“, für das sie mit mehr als 140 Menschen gesprochen haben, die sich meist nur anonym zitieren lassen.

          Mit anderen Militärs soll Milley diskutiert haben, wie man einen Coup verhindere – etwa durch Rücktritte hochrangiger Offiziere, falls Trump gesetzwidrige Befehle erteile. Vor der Wahl hatte Trump erwogen, unbotmäßige Figuren in Militär und Geheimdienst, etwa die CIA-Chefin Gina Haspel, durch loyale Anhänger zu ersetzen. Nach der Wahl forderte Trumps einstiger Sicherheitsberater, der pensionierte (und bis zu seiner Begnadigung durch Trump wegen Falschaussagen inhaftierte) General Michael Flynn, Trump solle das Kriegsrecht ausrufen und eine Neuwahl unter militärischer Aufsicht anordnen.

          Milley war im Oktober 2019 Stabschef geworden. Im Juni des vergangenen Jahres wurde er für seinen Auftritt in Kampfuniform neben Trump kritisiert, nachdem dieser den Lafayette Square vor dem Weißen Haus hatte räumen lassen, um sich vor einer Kirche mit Bibel in der Hand zu inszenieren. Milley sagte später, dies sei ein Fehler gewesen. Im August 2020 hatte Milley eine freie, faire Wahl am 3. November ohne militärisches Eingreifen zugesichert. Angesichts Trumps andauernder Behauptung nach der Stimmenauszählung, man habe ihm die Wahl gestohlen, sei Milley zunehmend nervös geworden, schreiben Leonnig und Rucker.

          „Braunhemden auf den Straßen“

          Bei einem Sicherheitsbriefing vor dem „Million MAGA March“ von Trump-Anhängern am 14. November habe Milley gesagt, er fürchte „Braunhemden in den Straßen“. Den Autoren zufolge rief ihn ein alter Freund an und warnte vor einem Umsturz durch Trumps Gefolgschaft. „Sie mögen das versuchen“, habe Milley später zu Offizieren gesagt, „aber sie werden verdammt noch mal keinen Erfolg haben. So was kann man nicht ohne das Militär durchziehen. So was kann man nicht ohne das FBI und die CIA machen. Wir sind die Jungs mit den Waffen.“ Nach dem 6. Januar habe die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, Milley um die Garantie gebeten, dass Trump keine Nuklearwaffen abschießen könne. Milley habe geantwortet: „Ma’am, ich garantiere Ihnen, dass Kontrollmechanismen eingerichtet sind.“

          Das Trump-Buch von Leonnig und Rucker ist eines von dreien in diesen Tagen. Michael Wolff wirft in „Landslide“ den Medien vor, sie hätten Trump nie verstanden. Er sei mit normalen Maßstäben nicht zu messen, weil er in einer abgespaltenen Realität lebe. In Michael Benders „Frankly, We Did Win This Election“ kommt wiederum Hitler vor: Trump wird mit der Einschätzung zitiert „Hitler hat viele gute Dinge getan“. Bender zeichnet insbesondere Trumps Niedertracht und Verachtung für seine Gegner und in Ungnade gefallene Gefolgsleute auf.

          Neben einem gewissen Überdruss angesichts der Flut von Trump-Büchern wird Kritik an der Selbstdarstellung von Journalisten laut. Bender zog sein Buch vor, nachdem sein Verleger die bevorstehende Veröffentlichung der beiden anderen entdeckt hatte. Weitere fünf Trump-Bücher von Journalisten sind angekündigt, darunter eines von Bob Woodward. Und dann ist da noch das Stück aus der New York Times über die Trump-Bücher. Es geriet selbst zum Skandal, weil die Autorin Katie Rogers einen Literaturagenten zu Wort kommen lässt, der – was sie verschweigt – ihr eigenes Buch über Jill Biden vermarktet. Trump, dessen Pläne für eine erneute Präsidentschaftskandidatur das Land bewegen, mag es recht sein. Er gab den Buchautoren ausführliche Interviews. Einmal mehr beherrscht er die Bühne.

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