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Trumps konservative Feinde : Kann er die Wahrheit ertragen?

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Wenn er mal nicht nur twittert: Trump spricht zu den Medien. Bild: EPA

Die Zeit der Skepsis ist vorbei: In Amerika treten auch konservative Medien der Präsidentschaft von Donald Trump zunehmend feindlich gegenüber. Dort versteht man sich als Bollwerk der Freiheit.

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          Wenn man die amerikanischen Medien als Gradmesser nehmen darf, dann darf man vermuten, dass sich auch in konservativen Kreisen zunehmend Widerstand gegen den amtierenden Präsidenten formiert. Nach der Trump-kritischen Website „The Bulwark“ (zu deutsch „Wellenbrecher“), die seit vergangenen Dezember existiert, startet mit „The Dispatch“ (zu deutsch „Die Depesche“) nun eine weitere konservative News-Plattform, die sich von Trump distanziert.

          Man wolle keinen Anti-Trump-Reflex kultivieren, sagt der Journalist und Autor Jonah Goldberg, der bis zum Mai Redakteur der konservativen „National Review“ war und die neue Nachrichtenseite als Chefredakteur leiten soll, gegenüber „Politico“. Auf „The Dispatch“ seien politische Prinzipien wichtiger als die Parteilinie der Republikaner. Goldberg sagte, er sei in erster Linie Konservativer und „Trump-Skeptiker“. Stephen F. Hayes, einst Chefredakteur des von Rupert Murdoch finanzierten und kürzlich eingestellten konservativen Politmagazins „Weekly Standard“, der Trump als chronischen Lügner bezeichnet hat, soll als Vorstandschef der neuen Publikation fungieren.

          „Weekly Standard“-Mitbegründer Bill Kristol hatte bereits im vergangenen Januar gemeinsam mit dem konservativen Kommentator Charlie Sykes ein digitales Nachrichtennetzwerk namens „The Bulwark“ gegründet, das weitgehend mit ehemaligen Mitarbeitern des „Weekly Standard“ besetzt ist. Mit der Gründung von „The Dispatch“ verbreitert sich die Front gegen den Präsidenten: „Trump-Kritiker auf der Rechten treten in den Medienkrieg ein“, titelte das Nachrichtenmagazin „Politico“ dramatisch.

          „Trump-Kritiker auf der Rechten treten in den Medienkrieg ein“

          Tatsächlich zeichnet sich hier womöglich ein Wandel ab, der lauter werdender Kritik an Donald Trump aus dem eigenen Lager mehr journalistischen Raum gibt. Die beiden neuen Nachrichtenportale sind so etwas wie die digitalen Nachfolger zweier Magazine, die lange die konservative Debatte in den amerikanischen Medien prägten – mit ihrer Trump-kritischen Haltung jedoch Leser verprellten: die „National Review“, gegründet 1955 von William F. Buckley als zweiwöchentlich erscheinendes Magazin, und der „Weekly Standard“, gegründet 1995 von Rupert Murdochs News Corp. als Wochenmagazin. Als sich die beiden Blätter im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf scharf gegen Trump stellten – die „Review“ nannte ihn einen „philosophisch ankerlosen politischen Opportunisten“ – wandten sich viele Leser ab.

          Angesagt waren plötzlich Publikationen, die den aggressiven, unreflektierten und zusammenhanglosen Stil Trumps spiegelten – Ben Shapiros „The Daily Wire“, Steve Bannons „Breitbart“, Glenn Becks „The Blaze“. Im vergangenen Dezember wurde der „Standard“ eingestellt; die „National Review“, die während der republikanischen Nationalversammlung 2016 eine ganze Ausgabe dem Thema „Gegen Trump“ gewidmet hatte, sah sich längst gezwungen, auch Trump-freundliche Stimmen zu publizieren, um nicht weiter Leser und Sponsoren zu verjagen.

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