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Trump-Enthüllungen : Das lange Schweigen des Bob Woodward

Am kommenden Dienstag erscheint sein Buch mit dem Titel „Rage“: Bob Woodward. Bild: EPA

Anfang Februar erfuhr der Journalist Bob Woodward von Donald Trump, er halte das Coronavirus für hochgefährlich. Mit der Information kommt der frühere Watergate-Enthüller erst jetzt. Dahinter steckt eine simple Rechnung.

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          Ich spiele es immer noch gern herunter, sagt Donald Trump. Und zwar, weil er keine Panik verursachen wolle. Heruntergespielt hat er die Corona-Pandemie, was dem amerikanischen Präsidenten berechtigterweise härteste Kritik einbringt. Einen „Betrug auf Leben und Tod am amerikanischen Volk“ wirft ihm der Kandidat der Demokraten, Joe Biden, vor, und erntet damit nicht nur Zustimmung im eigenen Lager.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Von Bedeutung ist, wann und mit wem Trump von der Gefährlichkeit des Virus sprach. Es war am 7. Februar im Gespräch mit dem berühmten Watergate-Enthüller Bob Woodward. Der Journalist führte bis Juli achtzehn Interviews mit Trump, er durfte sie sogar aufzeichnen, weshalb man sich Trumps Worte nun im Originalton anhören kann.

          Aber warum erst jetzt, mehr als ein halbes Jahr später? Weil man bei Trump nie wisse, ob er die Wahrheit sage, führt Woodward an, und weil er nicht gewusst habe, auf welchen Quellen der Befund des Präsidenten beruhte. Hätte er die Geschichte im Mai, als ihm klargeworden sei, dass Trumps Angaben auf verlässlichen Quellen (nämlich dem Geheimdienst) beruhten, veröffentlicht, „hätte uns das nichts mitgeteilt, was wir nicht inzwischen wussten“, sagte Woodward im Interview mit Associated Press. Zu der Zeit sei das keine Frage der nationalen Gesundheit mehr gewesen, sondern längst eine der Politik.

          Das klingt so fadenscheinig wie die Selbstverteidigung Trumps, der meint, ihm sei als „Cheerleader“ der Nation die historische Mission aufgegeben, die Vereinigten Staaten durch die Krise zu führen, indem er mit der Wahrheit hinter dem Berg hält. Hätte er ein taugliches Krisenmanagement auf die Beine gestellt, käme er damit vielleicht durch. So aber nicht.

          Die Frage nach zweihunderttausend Toten aber, die zu verhindern gewesen wären, muss man auch dem Journalisten Woodward stellen. Seit Februar ist er Mitwisser. Anfang Februar allerdings war nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern in der ganzen Welt das Bedrohungpotential des Sars-CoV-2-Virus nicht so klar wie heute. Damals wirkte noch die Verharmlosungsstrategie der chinesischen Führung, die so tat, als habe sie rechtzeitig gewarnt, rechtzeitig reagiert und die Lage im Griff. Die Weltgesundheitsorganisation WHO war von der chinesischen Propaganda so durchdrungen, dass sie erst Ende Februar vor einer möglichen Pandemie warnte, als sich die Infektionsfälle in Italien, Iran und Südkorea häuften.

          Wäre Woodward damals mit seiner Information an die Öffentlichkeit getreten, hätte ihm vielleicht niemand geglaubt. Womöglich hätte es positiv für Trump gewirkt. Womöglich aber wäre die Pandemie in den Vereinigten Staaten ganz anders aufgenommen worden. Hätte er das gewusst, sagt der demokratische Gouverneur von New Jersey, Phil Murphy, jetzt, hätte er seinem Bundesstaat sofort den Lockdown verordnet. Mitte Februar gab es zudem, wie man heute weiß, die ersten, zunächst unentdeckten Corona-Infektionen in New York, das inzwischen mehr als 240.000 Infizierte und rund 23.700 Todesfälle registriert.

          Wichtig sei, dass die Information darüber, was Trump wann wusste, vor dem Wahltag am 3. November publik werde, sagt Woodward. Aus seinem neuen Buch, in dem sich die Angaben finden, zitiert seine frühere Zeitung, die „Washington Post“, nun seitenweise. Auf den Markt kommt es am kommenden Dienstag, womit die Frage, wieso Woodward erst und gerade jetzt mit den „Trump Tapes“ aufwartet, beantwortet ist. Woodwards Buch trägt den Titel „Rage“: Wut. Hinter dieser „Wut“ allerdings steckt Verkaufskalkül.

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