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„Troja“ bei Sat.1 : Ein Mann namens Indiana Schliemann

  • -Aktualisiert am

Troja leuchtet: Heino Ferch als Schliemann Bild: Sat.1

Der Troja-Entdecker reitet, schießt und prügelt, übersteht Anschläge und Malaria-Attacken - nur bei den Frauen wird er schwach. Der Sat.1-Film mit Heino Ferch als Schliemann ist eine Räuberpistole mit Herz-Schmerz-Einlagen.

          Heinrich Schliemanns Lebensgeschichte klingt wie ein Märchen: Ein Dorfjunge in Mecklenburg verträumt die Tage über Homers Epen. Aus dem versponnenen Buben wird ein kühl rechnender Großkaufmann, der fünfzehn Sprachen beherrscht, als deutscher Generalkonsul in Sankt Petersburg amtiert und ein riesiges Vermögen anhäuft. Auf der Höhe des Erfolgs besinnt er sich der Kindheitsträume, entdeckt 1870 Troja, gräbt später, von deutschen und europäischen Gelehrten fortwährend verspottet, Agamemnons Mykene aus und Tyrins, den legendären Fürstensitz des Nestor. In zweiter Ehe heiratet er eine schöne junge Griechin, die ihm bei seiner Arbeit zur Seite steht. Die Krönung ihrer Mühen sind Goldschätze, die sie in Troja und Mykene finden. Schliemann schenkt Trojas Gold dem Deutschen Reich und wird endlich anerkannt.

          Schliemanns Biographie liest sich nicht nur wie ein Märchen. Sie ist es teilweise auch, erfunden und niedergeschrieben von ihm selbst. Diese ruhmsüchtige Fabulierlust war gekoppelt an die verbissene Buchstabengläubigkeit des Mannes, der - oft wider besseres Wissen - jede Zeile der Ilias beim Wort nahm und so die Wirklichkeit zwang, ihm zu Willen zu sein. Was nicht in sein Bild der homerischen Epoche und nicht in sein Selbstbild passte, blendete er aus. Welch eine Vorlage also für einen Film, was für eine Chance, über die Kraft und die Gefahr von Lebensillusionen zu erzählen. Und was für eine Gelegenheit zu opulenten Bildern, die von stickigen Kaufmannskontoren bis zu den sonnendurchglühten Hügeln Anatoliens reichen.

          Empfindsamkeit und Härte

          Der größte Reiz aber für einen Regisseur und Drehbuchautor dürfte sein, dass Heinrich Schliemann in seinem romantischen Fanatismus ein für jene Ära typischer Deutscher war, ein faszinierendes Gemisch aus Empfindsamkeit und Härte. Das haben Don Bohlinger (Buch) und Dror Zahavi (Regie) bei den Vorarbeiten ihrer Schliemann-Saga nach eigenem Bekunden sehr wohl erkannt. Trotzdem haben sie einen - man kann es nicht höflicher formulieren - bodenlos dummen Film gemacht. „Der geheimnisvolle Schatz von Troja“ heißt der Zweiteiler, an dem geheimnisvoll nur ist, wie derart viele Klischees sich auf einen Haufen türmen können, der so hoch wächst, wie die Mauern von Troja gewesen sein sollen.

          Ein Vermögen für die Archäologie: Schliemann in Fernseh-Troja

          Das Dilemma beginnt bei der Besetzung: Heino Ferch als Schliemann wirkt, als wolle Harrison Ford den Hamlet üben. Ferch ist ein ausgezeichneter Schauspieler. Ihm wäre zuzutrauen gewesen, trotz seiner athletisch virilen Erscheinung - historische Fotografien zeigen Schliemann als ausgemergelten und vorzeitig gealterten Mann, der in seinen russischen Pelzmänteln steckte wie ein Kind in der Kleidung eines Riesen - die Besessenheit darzustellen, dank derer dieser zartgliedrige Mann über sich selbst hinauswuchs. Doch für Sat.1 mimt Heino Frech eine Art deutschen Indiana Jones mit Homer-Spleen, der plötzlich noch (kostenloses Verteilen von Chinin an malariakranke Dörfler rings um Troja) zum Vorläufer Albert Schweitzers mutiert.

          Nur nicht auf den Mund schauen

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