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Neue „The Daily Show“ : Der schießt aber scharf

  • -Aktualisiert am

Die Richtung stimmt: Trevor Noah, Nachfolger Jon Stewarts in der „Daily Show“, wird immer besser. Bild: AP

Jon Stewart war der klügste und härteste journalistische Kritiker im amerikanischen Fernsehen. Seine satirische „Daily Show“ hat jetzt Trevor Noah übernommen. Wie schlägt er sich?

          Man durfte dem Südafrikaner Trevor Noah schon vorab Respekt zollen - weil er „ja“ rief, als der Sender Comedy Central einen Nachfolger für Jon Stewarts „Daily Show“ suchte. Zuvor hatten etliche amerikanische Unterhaltungsgrößen dankend abgelehnt. Wie sollte jemand diese Show weiterführen, die Jon Stewart zu einer Institution der politischen Auseinandersetzung im amerikanischen Fernsehen gemacht hatte? Noah war sich der Fallhöhe bewusst. Und so zog er erst einmal den Hut vor Stewart: „Er war unsere Stimme, unsere Zuflucht und in vielerlei Hinsicht unsere politische Vaterfigur.“ Dann fuhr Noah fort: „Nun scheint die Familie einen neuen Stiefvater zu haben. Und der ist schwarz, was nicht ideal ist.“

          Es war eine clevere Eröffnung, weil sie das Unmögliche und das Mögliche skizzierte. Unmöglich: Stewart ersetzen. Möglich: einer prestigeträchtigen Late-Night-Show einen neuen Rahmen geben. Noah ist der Sohn einer Xhosa aus Soweto und eines Deutschschweizers. In dem von Weißen dominierten Viertel von Johannesburg, in dem Noah aufwuchs, wurde seine Mutter nur als vermeintliche „Angestellte“ geduldet. Trevor Noah scherzte einst, schon seine Geburt sei unter dem Apartheidsregime ein „krimineller Akt“ gewesen. Mit diesem Regime und seinen Folgen ist Noah vertraut, aber die spezifisch amerikanischen Rassenklischees und die unausgesprochenen Richtlinien politischer Korrektheit in den Vereinigten Staaten sind für ihn eher neu. Er muss noch austesten, was die Amerikaner witzig finden und sich als Satire gefallen lassen - und was nicht. So stieß er gleich zu Beginn mit einem derben Witz über den inzwischen drei Jahre zurückliegenden Tod der Sängerin Whitney Houston, die bekanntlich drogenabhängig war, viele Amerikaner und auch seine Zuschauer vor den Kopf.

          Eine ungewohnte Zumutung

          Noah hat Jon Stewarts bewährtes Autorenteam im Rücken. Die Struktur der Late-Night-Show mit einem prominenten Gast zum Interview und dem abschließenden „Moment of Zen“ ist geblieben. Unter seinen „Korrespondenten“ hat Noah ein paar echte Talente versammelt, darunter den herausragenden Ron Wood Jr., der gleich positiv als „Senior Mars Correspondent“ auffiel und den Fund flüssigen Wassers auf dem Mars kommentierte. Ob das bedeute, dass wir nun früher zum Mars aufbrächen, wollte Noah von seinem dunkelhäutigen Kollegen wissen. „Wir?“, fragte der ungläubig zurück. „Wir kriegen ja nicht mal ein Taxi. Du glaubst, die nehmen uns in einem Raumschiff mit?“

          Trevor Noah ist schlagfertig, er hat Charme, sein Humor zündet. Und sein Job bereitet ihm augenscheinlich eine diebische Freude. Spaß hat er insbesondere, wenn er sich über amerikanische Eigenheiten amüsiert. Was Noah fehlt, ist Stewarts kultivierte Verzweiflung über ein heillos verlogenes politisches Personal. Stattdessen ist Noah ein energischer Optimismus eigen, der im Vergleich zu Stewarts mühsam kontrollierter Wut zunächst fast harmlos wirkte. Er sei „kompetent, aber hasenfüßig“, schrieb die Zeitschrift „Vanity Fair“ bei Noahs Premiere Ende September.

          Dieses Urteil hat der Entertainer inzwischen widerlegt. Er hat FBI-Ermittlungen gegen Wettbetrug beim „Fantasy Football“ persifliert und die Debatte unter den demokratischen Präsidentschaftskandidaten aufs Korn genommen. Mit seinem Blick des Außenseiters, dessen Witz wehtun kann, stellt Noah für die Amerikaner eine ungewohnte Zumutung dar. Seine Form hat er noch nicht ganz gefunden, doch die ersten Auftritte waren vielversprechend. „Wir werden den Krieg gegen den Bullshit weiterführen“, hat Noah den Zuschauern versprochen. Da bleibt ihm noch einiges zu tun.

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