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Tom Buhrow im Gespräch : Man kann nicht immer nur sparen

Tom Buhrow, früher Korrespondent und Moderator der „Tagesthemen“, seit Juli 2013 Intendant des Westdeutschen Rundfunks. Bild: dpa

Wieso diese neue Hörfunkdirektorin? Und woher kommt Ihr Minus? Im Interview äußert sich WDR-Intendant Tom Buhrow über den Sparzwang beim WDR und erklärt, warum seine Liebe zum öffentlich-rechtlichen Sender noch nicht erloschen ist.

          Haben Sie sich inzwischen damit abgefunden, dass Sie Intendant des Westdeutschen Rundfunks sind?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Gut formuliert. (Lacht.) Ich habe mich damit mehr als abgefunden. Ich will nicht jammern. Ich finde immer, wenn Chefs jammern, ist es das Schlimmste. Man hat es sich ausgesucht, man musste es nicht machen. Aber ich muss schon sagen, dass die Aufgabe so intensiv ist, habe ich mir nicht ausgemalt. Ich bemerke aber, auch wenn man sich das von außen vielleicht schwer vorstellen kann, echte Tupfer der Freude. Gremiensitzungen zum Beispiel beginnen mir Freude zu machen.

          Ist das Ihr Ernst? Gremiensitzungen? Rundfunkrat? Auch noch bei all dem Ärger um Ihren Vorschlag, Valerie Weber von Antenne Bayern zur Hörfunkdirektorin zu machen?

           Das ist mein Ernst. Es ist Überzeugungsarbeit, und es gibt auch nicht nur Streit. Wenn es Dissens gibt und ich Überzeugungsarbeit leisten muss - das macht mir Freude. Das ist ein Ringen. Es ist wie bei einem Anwalt: Man formuliert sein Plädoyer und versucht, die anderen zu gewinnen. Im Verwaltungsrat und im Rundfunkrat. Ein bisschen ist es auch wie in der Politik - man muss eine Mehrheit finden.

          Über den neuen Fernsehdirektor freut man sich im Sender, gegen die neue Hörfunkdirektorin Valerie Weber gab es schon vorab einen regelrechten Redakteursaufstand. Da dürfte der Spaß gering sein.

          Ich gebe ehrlich zu: die letzten Tage waren teilweise sehr anstrengend - aber das gehört bei meinem Job dazu. In solch einem Amt muss man täglich Entscheidungen treffen und dann auch bereit sein, einmal gegen den Wind zu segeln. Das ist kein Schönwetterjob. Aber natürlich: Seit dem Wahlergebnis für Valerie Weber und Jörg Schönenborn ist der Spaßfaktor wieder höher. (Lacht.)

          Ist die Kritik an Ihrem Vorschlag, Valerie Weber zur Hörfunkchefin zu machen, nicht auch etwas berechtigt: Wer Privatradio macht, kennt sich bei Gewinnspielen aus. Und da gibt es dieses schöne Zitat von Frau Weber, dass die Gewinnspiele dann auch noch möglichst sinnlos sein müssen. Wer im WDR den Ton angeben will, sollte anderes im Sinn haben.

          Erst einmal: Das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen und völlig verzerrt wiedergegeben worden. Es fiel - übrigens vor sieben Jahren (!) - in einem Gespräch über Philosophie, da war von Schiller die Rede. Das Ganze ist eher ein Beispiel für die vielen Vorurteile gegenüber Frau Weber, die sie jetzt nach ihrer Wahl selbst entkräften wird. Kaum jemand hat in den letzten Tagen aber von ihren Kompetenzen gesprochen, davon, dass sie zum Beispiel für Regionalität, Nähe, Emotion steht, dass sie in ihren bisherigen Jobs die journalistische Arbeit explizit gefördert hat, den Wortanteil ausgebaut hat - nicht von ungefähr hat sie mit ihrem letzten Sender zweimal den „Deutschen Radiopreis“ bekommen, 2010 für „beeindruckende redaktionelle Kreativität“, so die unabhängige Grimme-Jury.

          Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, für Transparenz zu sorgen. Warum hat das so lange gedauert - nicht bei Ihnen persönlich, sondern beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk generell: Offenzulegen, wofür der Rundfunkbeitrag verwendet wird?

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