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Tötung von Usama Bin Ladin : Ein Märchen aus Pakistan?

  • -Aktualisiert am

Vor Bin Ladens Versteck in Abbottabad, am Tag nach der Tötung Bild: dpa

Verlief der Angriff der Navy Seals auf den Al-Qaida-Chef Usama Bin Ladin vor vier Jahren ganz anders als bislang berichtet? Der Journalist Seymour Hersh bietet eine Verschwörungstheorie an. Sie sorgt für großen Wirbel. Das Weiße Haus ist alarmiert.

          „Das hätte auch von Lewis Carrol geschrieben werden können“: Mit harschen Worten hat sich einer der respektabelsten investigativen Journalisten Amerikas, Seymour Hersh, in einem Artikel für die „London Review of Books“ gegen die offizielle amerikanische Darstellung der Tötung von Usama Bin Ladin durch Navy Seals 2011 im pakistanischen Abbottabad gewendet.
          Im Kern stellt der Achtundsiebzigjährige in Frage, dass die Amerikaner tatsächlich, wie behauptet, ohne Unterstützung der pakistanischen Sicherheitskräfte das Versteck Bin Ladins ausfindig gemacht und den Verantwortlichen für die Anschläge vom 11. September 2001 in einem nächtlichen Feuergefecht erschossen haben. Hersh beruft sich auf eine anonyme Quelle, der zufolge die Pakistaner Bin Ladin seit fünf Jahren auf dem Grundstück gefangen hielten und mit den Amerikanern über das weitere Vorgehen verhandeln wollten.

          Aber nachdem ein Informant dem CIA-Stationschef in der amerikanischen Botschaft in Islamabad einen Tipp über bin Ladins Aufenthaltsort gegeben und den Großteil des Kopfgeldes von 25 Millionen Dollar eingestrichen habe, hätten Verhandlungen zwischen den Amerikanern und den Pakistanis über den Zugriff auf Bin Ladin begonnen. Die Pakistanis, so Hersh, seien also mitnichten ahnungslos über Bin Ladins Aufenthaltsort und über die bevorstehende Navy-Seal-Aktion gewesen, wie dies von amerikanischer Seite behauptet wird. Hersh schreibt weiter, Bin Ladins Gefangenschaft in Pakistan sei von Saudi-Arabien finanziert worden, und ungeachtet der öffentlichen Anfeindungen zwischen Amerikanern und Pakistanis hätten die beiden Seiten eng bei der Terrorbekämpfung in Südasien zusammengearbeitet.

          Informant bekam das Kopfgeld

          Hershs Artikel sorgte für so viel Aufsehen, dass die Webseite der „London Review of Books“ vorübergehend zusammenbrach. Die Obama-Administration, für die der Zugriff der Höhepunkt von Barack Obamas erster Amtszeit und entscheidender Faktor für seine Wiederwahl war, hat mit scharfen Dementis auf Hershs Anschuldigungen reagiert. Der Pressesprecher des Weißen Hauses wies den Artikel als „durchsetzt von Ungenauigkeiten und platten Unwahrheiten“ zurück.

          Der CNN-Sicherheitsexperte Peter Bergen, der das Gelände nach der Ermordung Bin Ladins selbst in Augenschein nehmen konnte, nannte Hershs Ausführungen „einen Haufen Unsinn“ und wünschte dem Journalisten, dass er seine Karriere nicht mit einer Geschichte beenden möge, die sich wie „eine unheilige Allianz zwischen Frank Underwood aus ,House of Cards´und Carrie Mathison aus ,Homeland´“ lese.

          Die „New York Times“ gibt zu bedenken, dass Hershs Version des Zugriffs eine weitreichende Vertuschung nötig gemacht hätte, die von hunderten saudischen, amerikanischen und pakistanischen Agenten mitgetragen worden wäre, und sprach von einer „Paarung plausibler Alternativen und fragwürdiger Behauptungen“. Hersh selbst steht zu seinem Artikel.

          Seymour Hersh war 1970 mit einem Pulitzerpreis  ausgezeichnet worden, nachdem er die Vertuschung des My-Lai-Massakers an unbewaffneten Zivilisten durch amerikanische Soldaten während des Vietnamkriegs ans Licht gebracht hatte. Er berichtete als einer der ersten über die Misshandlung von Gefangenen durch amerikanische Soldaten in Abu Ghraib.

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