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Daphne Caruana Galizia : Ein Mord für 350.000 Euro?

Vor dem Justizpalast in La Valetta wird nach wie vor der ermordeten Journalistin Daphne Caruana Galizia gedacht. Bild: dpa

Der Prozess um das Verbrechen an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia geht weiter. Es gibt eine aufsehenerregende Zeugenaussage.

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          Im Prozess zur Aufklärung des Mordes an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia gerät der frühere Wirtschaftsminister Chris Cardona immer mehr in den Fokus. Bei der Wiederaufnahme der Gerichtsverhandlung in Valletta nach der mehrwöchigen Pandemie-Unterbrechung sagte Kronzeuge Melvin Theuma am Montagnachmittag, Cardona habe den Auftragskillern über einen bisher unbekannten Mittelsmann 350.000 Euro für die Bluttat zukommen lassen. Cardona, der seinen Kabinettsposten im Rahmen der Regierungskrise vom Januar verlor, wies die Anschuldigung als „Unsinn und Lüge“ zurück. Die wirklichen Hintermänner des Mordes versuchten mit Hilfe des Kronzeugen Theuma, ihre eigene Schuld auf ihn abzuwälzen, teilte Cardona mit.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der mehrfach vorbestrafte Taxifahrer und Kredithai Melvin Theuma war am 7. November wegen des Verdachts festgenommen worden, im Auftrag ranghoher Regierungsmitglieder für den Auftragsmord an der 53 Jahre alten Investigativjournalistin und Bloggerin im kriminellen Milieu Maltas nach potentiellen Tätern Ausschau gehalten zu haben. Über seinen Rechtsvertreter hatte Theuma unmittelbar nach seiner Festnahme wissen lassen, er sei zur Kooperation mit den Ermittlern bereit, wenn ihm eine Begnadigung für seine sämtlichen Straftaten zugesagt werde. Dieses Amnestiegesuch hatte der damalige Premierminister Joseph Muscat befürwortet, Präsident George Vella stimmte der Empfehlung Muscats kurz darauf zu.

          Mit einschlägiger Vergangenheit im kriminellen Milieu

          Wegen des weiterhin unaufgeklärten Mordes an Caruana Galizia, die am 16. Oktober 2017 bei der Explosion einer Autobombe getötet worden war, trat Muscat im Januar von seinen Ämtern als Ministerpräsident sowie als Vorsitzender der sozialdemokratischen Labour-Partei zurück. Die drei mutmaßlichen Auftragsmörder Alfred und George Degiorgio sowie Vince Muscat, der nicht mit Ministerpräsident Joseph Muscat verwandt ist, waren im Dezember 2017 festgenommen worden. Sie warten seither in Haft auf den Beginn des Hauptverfahrens. Die drei Männer mit einschlägiger Vergangenheit im kriminellen Milieu sollen den Sprengsatz gebaut, am Auto angebracht und ferngezündet haben, kurz nachdem Caruana Galizia das Haus der Familie in Bidnija verlassen hatte.

          Muscats Nachfolger Robert Abela als Partei- und Regierungschef entließ im Rahmen seiner Kabinettsumbildung den langjährigen Wirtschaftsminister Cardona. Cardona bekleidet aber bis heute den Posten eines stellvertretenden Vorsitzenden der Labour-Partei. Caruana Galizia hatte in einem Eintrag ihres Blogs „Running Commentary“ behauptet, Cardona habe am Rande eines offiziellen Deutschland-Besuchs im Januar 2017 gemeinsam mit seinem Büroleiter Joseph Gerada ein Bordell in Velbert in Nordrhein-Westfalen aufgesucht. Cardona hatte Caruana Galizia daraufhin wegen Verleumdung angezeigt.

          Hauptangeklagter in dem Verfahren wegen des Mordes an der Journalistin ist der prominente Geschäftsmann Yorgen Fenech, der über enge Beziehungen zu zahlreichen Mitgliedern des Kabinetts Muscat verfügt haben soll. Caruana Galizia hatte in ihrem Blog auch ausführlich über die Machenschaften Fenechs berichtet und diesen der Zahlung von Millionensummen an Bestechungsgeld an Kabinettsmitglieder mittels Tarnfirmen in Dubai bezichtigt, um an lukrative Regierungsaufträge zu kommen, beispielsweise zum Bau eines Kraftwerks. Fenech, der im November beim Fluchtversuch mit seiner Luxusyacht nahe Valletta festgenommen wurde, weist den Vorwurf der Verwicklung in den Mordfall Caruana zurück. Er beschuldigt seinerseits den früheren Kabinettschef von Premier Muscat, Keith Schembri, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Das Verfahren zur Aufklärung des Mordes an Maltas wichtigster Investigativjournalistin wird am Montag in Valletta fortgesetzt.

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