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„Politbombe platzt in Hessen“ : „Titanic“ steckt hinter Fake-Nachricht über geplatztes Unionsbündnis

  • Aktualisiert am

Hinter dem Tweet zu Seehofers neuestem Coup steckt die „Titanic“. Bild: FAZ.NET

Eine Meldung, Innenminister Seehofer habe das Bündnis mit der CDU gekündigt, sorgt für Aufregung. Mehrere Medien fallen auf sie herein. Nicht nur sie.

          Der Account, der am Freitagmittag auf Twitter vermeldet, Innenminister Seehofer habe das Unionsbündnis mit der CDU gekündigt, sieht so aus, als stamme er vom Hessischen Rundfunk. „Breaking: Politbombe platzt in Hessen“ steht da, und: „Seehofer kündigt laut interner Bouffier-Mail Unionsbündnis mit CDU auf – Merkel informiert, PK gegen 15 Uhr – Details folgen“. Den hessischen Ministerpräsidenten zitiert „hr Tagesgeschehen“ mit den Worten: „… müssen wir uns jetzt darauf vorbereiten, schon bei der nächsten Bundestagswahl mit einer neuen Bayern-CDU anzutreten.“ Die Nachricht wird hundertfach geteilt.

          Es dauert nicht lange, bis sich die Nachrichtenagentur Reuters des Themas annimmt und die Neuigkeit als Eilmeldung verbreitet. Diverse Medien, darunter die „Bild“-Zeitung, Focus und der ORF, berichteten daraufhin mit Verweis auf den Hessischen Rundfunk von Seehofers neuestem Coup.

          Der deutsche Aktienindex Dax verliert auf einen Schlag ein halbes Prozent, der Euro gibt leicht nach. Sogar im Plenarsaal des Bundestags sorgt die Meldung für Wirbel: Die AfD-Vizefraktionschefin Beatrix von Storch unterbricht eine Debatte zum Familiennachzug mit den Worten: „Die Bild-Zeitung meldet gerade, dass Herr Seehofer die Fraktionsgemeinschaft aufgekündigt hat.“

          Eine Nachricht und ihre Folgen: Diverse Medien berichteten über die angebliche Eskalation des Streits zwischen CDU und CSU.

          Der Vizechef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hans Michelbach, mischt sich wenige Minuten nach der Eilmeldung mit den Worten „Das kann er gar nicht“ ein. Für eine solche Entscheidung, argumentiert er, würde es eines Vorstandsbeschlusses bedürfen. Reuters zitiert Michelbach daraufhin mit den Worten: „Ich kann offiziell sagen, dass das Quatsch ist“. Die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU solle selbstverständlich erhalten bleiben.

          Dann schauen sich andere Twitter-Nutzer die Quelle der Nachricht genauer an und stellen fest, dass es sich um einen umbenannten Account der Titanic handelt. Alte Videos etwa zeigen ein Telefon der Titanic-Redaktion, zuvor hatte der Account hauptsächlich Tweets des Satiremagazins geteilt. „Spiegel“-Online twittert: „Bevor noch mehr Kolleginnen und Kollegen Schnappatmung kriegen: Das ist der Account von Titanic-Redakteur Moritz Hürtgen.“ Der wiederum nutzt die Gelegenheit, um für die „TITANIC-Gold-Mitgliedschaft“ Werbung zu machen.

          Prompt reagierte der Aktienmarkt.

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