https://www.faz.net/-gqz-vdbl

Tim Mälzers neue Show : Schwerter zu Küchenbeilen

  • -Aktualisiert am

Übertreibt es mit der Show: Tim Mälzer Bild: VOX/Philipp Rathmer

Als Koch mag Tim Mälzer Fähigkeiten besitzen, als Gastgeber weniger: In seiner neuen Show „Born to Cook“ lässt er zwei Teams in der Küche gegeneinander antreten. Doch die vielen Zutaten harmonieren nicht miteinander.

          2 Min.

          Die Abläufe in einer Großküche müssen perfekt geplant sein, jeder Handgriff muss sitzen, jeder Einsatz stimmen. Tim Mälzer, der uns in seiner allabendlichen halben Stunde auf Vox bislang von seinem Motto „Schmeckt nicht, gibt's nicht“ zu überzeugen suchte, müsste das eigentlich wissen. Was ihm im kleinen Format noch gelungen ist, lässt ihn in seiner ersten abendfüllenden Kochshow „Born to Cook“ scheitern.

          Im Rahmen der großen Kochoffensive, mit der der Kölner Privatsender Vox bisher auf der Erfolgsschiene fuhr, lässt Mälzer fortan zur besten Sendezeit zwei Teams in der Küche gegeneinander antreten, es geht um „Kühlen oder spülen“. So platt wie der erzwungen gereimte Slogan kommen „Gewinn“ und „Strafe“ dann auch tatsächlich daher: Die Sieger bekommen einen hellblauen Mini-Kühlschrank - leer wohlgemerkt -, die Verlierer müssen abspülen. Gemessen an den zu bewältigenden Aufgaben der Teams, erscheinen die Prämien dann allerdings doch wieder angemessen. Mälzer degradiert seine Kandidaten, die „Metzger“ und die „Feuerwehr“, zu farblosen Statisten, die sich allenfalls noch schulmeisterlich zurechtweisen lassen müssen, weil die Karotten und der Lauch für die klare Brühe fingerdick anstatt fingernageldick geschnitten sind.

          Hektischer Redeschwall

          Mälzer gelingt es nicht, seine Gäste ernst zu nehmen, als Koch mag er Fähigkeiten besitzen, als Gastgeber weniger. Es mag an seiner Nervosität bei der Premiere als Showmaster vor großem Publikum liegen - mit seinem hektischen Redeschwall, schon aus „Schmeckt nicht, gibt's nicht“ bekannt, überrollt er mitunter die geladenen Fachleute, die dem Motto der Show „Gerichte mit Geschichte“ den nötigen Gehalt verleihen sollen. Das gelingt ihnen auch - fast.

          Der Ernährungshistoriker Gunther Hirschfelder erklärt zum Beispiel, welcher Zusammenhang zwischen dem Garen von Fleisch und der menschlichen Fähigkeit des Sprechens besteht und liefert historisches Hintergrundwissen zur Kartoffel. Für Hobbyköche durchaus interessant, gehen seine Ausführungen unter in Mälzers Wortspielen, die die ganze Szenerie ins Lächerliche ziehen, ebenso wie den Auftritt des Molekularkochs Detlev Repenning. Wir hätten die Molekularküche und die Verwendung von Flüssigstickstoff und Trockeneis gern kompetent erläutert bekommen. Tim Mälzer aber zieht es vor, ein wenig von dem Stickstoffdampf durch seine Nase zu blasen. Repennings Rettungsversuche, seine Arbeit verständlich zu machen, gehen im Trubel unter.

          Mit der Show wird übertrieben

          Mälzer amüsiert sich über seine eigenen Versprecher, seine Teams schneiden Tomaten und Paprika für ihre Beilagen, und vom linken Bildschirmrand wirft der neue Assistent Nils - er ersetzt die Aufnahmeleiterin Nina aus „Schmeckt nicht, gibt's nicht“ - Quizfragen zum Thema Essen ein. Aufeinander abgestimmt würden all diese Zutaten vielleicht miteinander harmonieren, im jetzigen Format ziehen sie sich zusammenhanglos durch eine orientierungslose Sendung.

          Welche Zuschauergruppe Vox damit ansprechen will, ist ein Rätsel. Für wahre Hobbyköche wird außer den historischen Häppchen und dem Hauch Molekularküche wenig geboten, spätestens wenn in den regelmäßig eingeblendeten Infokästen erklärt wird, dass Bouillon das französische Wort für „klare Brühe“ sei, zappen sie gelangweilt weiter. Ob Zuschauer, die sich von den Kreationen der Teams - Paprika- und Gurkensalat - beeindrucken lassen, sich die Mühe machen eigenhändig ein Rinderfilet zu beizen, sei dahingestellt. Kochshows mögen in Mode sein, doch hier wird es mit der Show übertrieben. Auch bei Tim Mälzer brennt mal was an.

          Weitere Themen

          Heiliger Rundfunkbeitrag

          Showdown in Sachsen-Anhalt : Heiliger Rundfunkbeitrag

          Was passiert im Landtag von Sachsen-Anhalt? Lehnt die CDU den höheren Rundfunkbeitrag ab? Die AfD lacht sich ins Fäustchen. Mit Ministerpräsident Reiner Haseloff möchte man nicht tauschen.

          Topmeldungen

          Franziska Giffey: Möchte die Berliner mit dem Thema Innere Sicherheit überzeugen.

          Parteitag der Berliner SPD : Giffey will es wissen

          Auf dem ersten hybriden Parteitag der Berliner SPD wirbt die Bundesfamilienministerin für ihre Führungsrolle in der Hauptstadt. Zu ihrer Doktorarbeit sagt sie nichts. Nun kommt es darauf an, wie stark ihre Partei sie machen will.
          Ein AfD-Mitglied beim Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz am vergangenen Wochenende

          Vor dem Parteitag : Die AfD trifft sich im Wunderland

          Rund 600 Delegierte wollen auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar über ein Rentenkonzept debattieren – unter strikter Einhaltung der Maskenpflicht, sonst droht ein Abbruch.
          Torreiche Partie: Wolfsburg besiegt Bremen.

          5:3-Sieg gegen Bremen : Wolfsburg gewinnt packendes Nordduell

          Das Spiel zwischen Wolfsburg und Bremen entwickelt sich schnell zu einer turbulenten Partie. Beide Mannschaften liefern sich einen sehenswerten Schlagabtausch. Am Ende freuen sich die Wölfe über einen verdienten Jubiläumserfolg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.